Multipla 2005: Ganz schön geliftet

Multipla 2005: Ganz schön geliftet
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Fiat schickte den Multipla zum Schönheits-Chirurgen. Nach einem großen Eingriff an Nase, Stirn und Kinn strafften die Blech-Operateure auch die Seitenlinie und das Heck. Außerdem bietet der neu aufgelegte Van auch mehr Ausstattung fürs Geld.

Für die breite Masse

Der Fiat Multipla profitierte bislang kaum vom Boom im Van-Segment. Grund war ein Gesicht, das höchstens die eigene Mutter lieben kann. Er war gewissermaßen der Walther Matthau des Automobilbaus: schräg, kauzig - aber mit einem herzensguten Kern. Seine Knautsch-Nase mit Rundscheinwerfern erinnerte zoologisch begeisterte Menschen bisweilen auch an einen Delfin. Schluss, aus und vorbei. Der neue Multipla trägt die schlichte Fiat-Front mit schwarzem Grill und Rechteck-Scheinwerfern zur Schau. Die Basisversion 1.6 Active wurde zudem 500 € billiger. Die Preisliste beginnt nun bei 17.290 €.

Zwei mal drei

Geblieben ist das pfiffige Raumkonzept, das sechs Personen auf zwei Sitzreihen verteilt. In den komplett ebenen Laderaum passen zwischen 430 Liter und 1.876 Liter Gepäck. Dazu lassen sich die sechs einzelnen Sitze umklappen und mit wenigen Handgriffen ausbauen. Damit drei Personen nebeneinander bequem reisen, fällt die Karosserie mit 1,87 m sehr breit aus. Der mittlere Vordersitz ist leicht nach hinten versetzt montiert. Das schafft Platz für die Schultern von Fahrer und Beifahrer. Bei Bedarf macht der mittlere Sitz einer elektrisch betriebenen Kühlbox (110 €) Platz. Zum großzügigen Raumgefühl tragen auch das hohe Dach und fast senkrecht stehende Seitenscheiben bei. Gewöhnungsbedürftig ist allenfalls der enorme Abstand zwischen den Vordersitzen.

Eigenwillige Statur

Auch das Fahrwerk profitiert von der enormen Fahrzeugbreite. Es sorgt für Sicherheit, ohne dass dafür eine besonders harte Abstimmung gewählt werden musste. Selbst wenn sich der Multipla mit hohem Tempo und Gepäck in die Kurve wirft, bleibt er lammfromm. Wie beim Vorgänger klumpen fast alle Instrumente und Schalter auf einem Kunststoffhaufen, der wie Hefeteig aus dem mit Stoff bezogenen Armaturenbrett hervorquillt. Hoch und griffgünstig ragt dort auch der Schaltknüppel heraus. Die fehlende Mittelkonsole schafft Platz für die Beine des mittleren Passagiers. Innen setzt der Multipla auf kräftige Farben und Kunststoffe, die einfach aber robust wirken. Damit ist der Italiener für den Kontakt mit klebrigen Kinderfingern gut gerüstet.

Praktische Natur

Nach nur kurzer Eingewöhnung lässt sich der ungewöhnlich proportionierte Multipla entspannt durch den Großstadtverkehr dirigieren. Der Fahrer thront auf seinem elektrisch höhenverstellbaren Sitz und genießt den Panorama-Blick, den der großzügig verglaste Innenraum ermöglicht. Genial ist beim Einparken auch der zweigeteilte Außenrückspiegel, der auch den Randstein ins Blickfeld rückt. Wie durchdacht der Multipla konstruiert wurde, zeigen Details wie die Gummipuffer an den hinteren Türgriffen. Sie verhindern Beulen und Lackschäden, wenn die hinteren Türen in engen Parklücken wieder einmal zu ungestüm aufgerissen werden.

Mehr Sicherheit

Im Zuge der Schönheits-Operation legte der Multipla um rund zehn Zentimeter Länge zu. Passagiere und Gepäck profitieren davon nur indirekt. Die längere Knautschzone an der Front und geänderte Stoßfänger vorn und hinten schaffen mehr Sicherheit. Serienmäßig gibt es den italienischen Van mit je zwei Front- und Seitenairbags. Window-Airbags schützen auch die Passagiere der zweiten Reihe vor den Folgen eines Seitenaufpralls. Das Stabilitätsprogramm ESP (550 €) bleibt jedoch dem Turbodiesel JTD 1.9 (115 PS/ 85 kW) vorbehalten. Einstiegsvariante ist ein 1,6-Liter-Benziner (103 PS/76 kW), der auch dem Multipla Natural Power die Basis liefert. Dessen Motor wird wahlweise mit Benzin oder Erdgas gefüttert. Mit umweltfreundlichem Erdgas in den Zylindern sinkt die Leistung zwar geringfügig (92 PS/68 kW), dafür kostet die Tankfüllung auch nur noch halb so viel.

Dieseln oder Gasgeben

Für erste Proberunden standen uns der Multipla JTD und der Natural Power zur Verfügung. Der Common-Rail-Turbodiesel lässt dem Erdgas-Multipla beim Antritt keine Chance. Während der laufruhige Selbstzünder in jedem Tempo und Gang beherzt zur Sache geht, wirkt der Erdgasantrieb wie zugeschnürt. Zudem rennt er maximal 157 km/h, elf Stundenkilometer mehr sind es im alternativen Benzin-Modus. Der Turbodiesel kann das mit bis zu 176 Stundenkilometern deutlich besser. Im Schnitt genügen ihm 6,4 Liter Diesel je 100 Kilometer. Der Natural Power konsumiert 9 Liter Super oder 6,1 Kilogramm Erdgas. Beide Aggregate erreichen nur die Schadstoffnorm Euro 3. Ein Rußpartikelfilter ist für den Diesel noch nicht im Angebot.

Entscheidungshilfe

Richtig schwer wird die Entscheidung beim Blick in die Preisliste. Das Basismodell kostet 17.290 €, der Turbodiesel kommt auf mindestens 19.290 €. 20.590 € verlangt Fiat für die Erdgasvariante Natural Power. Welcher Multipla richtig ist, hängt maßgeblich von den Kilometern ab, die pro Jahr abgespult werden. Der Natural Power rechnet sich besonders schnell, wenn ein regionaler Erdgaslieferant bei der Anschaffung und den Treibstoffkosten mit Zuschüssen lockt. Das sind im Einzelfall bis zu 4.000 €. Weitere Infos dazu liefert www.erdgasfahrzeuge.de.

Fazit: Fiat hat dem Multipla eine zweite Chance gegeben. Die Käufer müssen sich nun nicht mehr ständig für die futuristische Knautsch-Optik rechtfertigen. Wie zuvor bietet der Italiener trotz kompakter Abmessungen - der Multipla ist elf Zentimeter kürzer als ein Golf - viel Platz und Variabilität.

planbar.de, Holger Schilp

 
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