Focus CVT: Am laufenden Band
Ford startet einen Großangriff auf Golf & Co. Bis auf das in Deutschland recht unbeliebte Stufenheck ist die Modellpalette des neuen Focus von Anfang an komplett. Darunter finden sich auch höchst individuelle Varianten wie der Turbodiesel mit stufenlosem CVT-Getriebe.
Alle für einen
Normalerweise kommt ein Modell zuerst mit den wichtigsten Motor- und Ausstattungskombinationen auf den Markt, dann folgt der Rest. Ford geht mit dem Focus den umgekehrten Weg. Bereits im vergangenen Jahr feierte der Van-Ableger C-Max Premiere. Jetzt rollen Drei- und Fünftürer sowie der Kombi Turnier gemeinsam an den Start. Einzig Stufenheckfans müssen bis nächstes Jahr warten. Als Motorisierung sind Vierzylinder mit 80 PS (59 kW) bis 145 PS (107 kW) im Angebot. Die Preisspanne reicht derzeit von 14.375 € bis zu 24.425 €. Damit ist neue Basismodell nicht nur stärker und besser ausgestattet, sondern auch rund 300 € günstiger als sein Vorgänger.
Starke Geizkragen
Für den boomenden Dieselmarkt gibt es zwei Common-Rail-Aggregate mit 1,6 und 2,0 Liter Hubraum, die gemeinsam mit PSA Peugeot/Citroen entwickelt wurden. Sie leisten 109 PS (80 kW) und 136 PS (100 kW). Beide erfüllen Euro 4 - allerdings nur mit Rußpartikelfilter, der 600 € Aufpreis kostet. Sonst bleibt es bei Euro 3. Bereits der kleine Diesel lässt kaum Wünsche offen. Er zieht stramm aus dem Drehzahlkeller und schont die Ohren. 188 km/h Spitze und 10,8 Sekunden von null auf Tempo 100 sind für die tägliche Fahrt ins Büro mehr als genug. An der Tankstelle wird der Sprinter zum Sparer: 4,8 Liter reichen für 100 Kilometer, wenn es der Gasfuß etwas ruhiger angehen lässt. Der Rußpartikelfilter hat keinen Einfluss auf die Verbrauchswerte.
Richtig schalten
In Verbindung mit der stufenlosen CVT-Automatik legt der 1.6 TDCi los wie am Gummiband gezogen - ohne jeden Schaltruck. Für die Kraftübertragung kommen keine Zahnradpaare zum Einsatz, sondern zwei Antriebskegel, die mit einer Gliederkette verbunden sind. Das Übersetzungsverhältnis wird ähnlich wie bei der Fahrrad-Kettenschaltung über den Durchmesser verändert, es stehen allerdings unendlich viele Gänge zur Verfügung. Ziel: den Motor möglichst immer mit optimaler Drehzahl zu betreiben. Deshalb verharrt die Nadel des Drehzahlmessers oft wie festgeklebt, obwohl der Focus beschleunigt - ein Vorgang, der auf den ersten Kilometern gehörig irritiert. Wer möchte, kann das CVT-Getriebe auch durch Antippen des Wählhebels manuell bedienen. Dann simuliert die Technik eine 7-Gang-Schaltung. Im Vergleich zum konventionellen 5-Gang-Getriebe gönnt sich die CVT-Technik einen dreiviertel Liter Komfortzuschlag. Zudem gibt es keinen Partikelfilter und damit auch keine Euro 4-Schadsoffnorm. Mit 19.950 € kostet die günstigste CVT-Version 1.000 € mehr als der entsprechende TDCI mit Partikelfilter. Das könnte in der Gunst der Kundschaft entscheidende Punkte kosten.
Auf Komfort gesetzt
Die zweite Focus Generation fährt sich noch leichtfüßiger als der anerkannt agile Vorgänger. Oft zeigt erst der Blick auf den Tacho die wahre Geschwindigkeit. Das Ohr vernimmt kaum Wind- und Fahrwerksgeräusche, der Antrieb scheint in Watte gepackt. Auch die verwendeten Kunststoffe und die Verarbeitungsqualität setzen sich wohltuend vom Vorgänger ab. Gepäckabteil (385 Liter) und Innenraum markieren dank dem längeren Radstand Bestwerte in der Kompaktklasse. Für das Designteam um Chris Bird war es keine leichte Aufgabe, das Karosseriewachstum zu kaschieren. Es gelang mit einem geschickten Spiel von Licht und Schatten, das den Focus kompakter erscheinen lässt. Insgesamt wurde das New-Edge-Design entschärft. Kanten und Bögen treffen nicht mehr so provokant aufeinander. Mit seiner flachen Dachlinie erinnert besonders der Dreitürer an ein Coupé. Kehrseite der flotten Optik: eingeschränkte Sicht nach hinten durch die niedrig angesetzte Heckscheibe.
Für alle Fälle
Mit sechs Airbags, ABS, ESP und Bremsassistent überlässt der Focus in Sachen Sicherheit nichts dem Zufall. Eigentlich braucht das gekonnt abgestimmte Fahrwerk kein elektronisches Stabilitätsprogramm. Doch ESP gehört in der Kompaktklasse inzwischen zum guten Ton - und so hat es auch der Focus an Bord. Für unbegrenzten Kurvenspaß lässt sich die Elektronik abschalten. Dann schwingt der Kölner Jung beim Kurventanz genau so mit dem Hintern, wie es der dynamischen Gangart förderlich ist. Tückische Reaktionen muss dabei niemand fürchten. Was an Korrekturen nötig ist, lässt sich spielerisch leicht mit der zielsicheren Servolenkung erledigen.
Praktischer Luxus
Bis auf das Basismodell Ambiente verfügen alle Focus über Klimaanlage oder -automatik. Optional gibt es so feine Extras wie ein "Key-Free-System", eine "Blue Tooth Schnittstelle" für das Handy, eine verstellbare Pedalerie oder mitlenkende Scheinwerfer, die sich Ford mit 350 € nicht einmal besonders teuer bezahlen lässt. Zur Kostensenkung kommt kein sündhaft teures Bi-Xenon-System sondern Halogentechnik zum Einsatz.
Fazit: Größer, komfortabler, sicherer und noch agiler. Ford kultivierte die Stärken des Vorgängers und merzte Kritikpunkte konsequent aus. Der neue Focus ist damit in Topform.
planbar.de, Holger Schilp