Ford Focus FCEV Hybrid: Mehr als nur heiße Luft

Ford Focus FCEV Hybrid: Mehr als nur heiße Luft
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Die Zukunft hat begonnen. In Berlin. Dort wurde am 12. November die erste öffentliche Wasserstofftankstelle in Betrieb genommen. Das passende Fahrzeug dazu kommt von Ford: Der Focus FCEV Hybrid, den wir nun erstmals fahren konnten.

Hightech-Mobil

(planbar.de) Neben Benzin und Dieselkraftstoffen gibt es bei Aral am Berliner Messedamm nun Wasserstoff zu kaufen. Gasförmig oder flüssig, wie er von Brennstoffzellenfahrzeugen wie dem Focus FCEV Hybrid benötigt wird. Das Modellkürzel steht für Fuel Cell Electric Vehicle, also ein Brennstoffzellenfahrzeug mit Wasserstofftank und Elektroantrieb. Hybridtechnik speichert Energie, die sonst beim Bremsen in Wärme verpufft, in einer zusätzlichen Batterie und stellt sie beim Beschleunigen wieder zur Verfügung.

Saubere Sache

Industrie und Politik sehen in der Brennstoffzellentechnologie das Antriebskonzept der Zukunft. Beim Fahren entweicht dem Auspuff nichts als reiner Wasserdampf. Er entsteht, wenn in der Brennstoffzelle Wasserstoff (H) mit Sauerstoff (02) zu Wasser (H2O) reagiert und dabei elektrische Energie freigesetzt wird. Zudem ist Wasserstoff das weltweit häufigste chemische Element. Es lässt sich einfach aus Erdgas oder - per Elektrolyse mit Strom - aus Wasser gewinnen. Angesichts knapper fossiler Energieträger verspricht die Wasserstofferzeugung mit Hilfe regenerativer Energiequellen eine interessante Perspektive - ohne schädliche Abgase. Auch die Aral-Tankstelle in Berlin erzeugt den Wasserstoff vor Ort per Elektrolyse mit Öko-Strom.

Vereinte Kräfte

Bis zur Serienreife der Brennstoffzellentechnik in Autos ist es noch ein weiter Weg. Doch der Focus FCEV Hybrid hat immerhin das Kleinserien-Stadium erreicht. Das heißt, er hat alle erforderlichen Crashtests bestanden und verfügt über eine TÜV-Zulassung. Trotzdem ist er mit einem Stückpreis von ca. 1.000.000 € ein sehr exklusives Fahrzeug. Drei Exemplare werden im Rahmen der Clean Energy Partnership (CEP) der Hermes Logistikgruppe zum Praxistest zur Verfügung gestellt. Hinter dem Kürzel CEP verbirgt sich ein bis 2007 befristeter Wasserstoff-Großversuch. An dem von der Bundesregierung geförderten Projekt beteiligen sich neben Ford auch Aral, Linde, Opel, BMW, DaimlerChrysler und weitere Unternehmen.

Graue Maus

Von außen deutet außer einigen Aufklebern nichts auf die Zukunftstechnik hin. Die Stufenhecklimousine ist im Prinzip ein Focus aus US-Produktion, der für mehr Crashsicherheit eine modifizierte Front erhielt. Vorne finden sich der kompakte Elektromotor und die Steuerelektronik. Das Kraftwerk, der Brennstoffzellenstack - ein Modul mit 400 einzelnen Brennstoffzellen - verbirgt sich unter den Vordersitzen. Im Heck bleibt kein Platz mehr für Gepäck, den Kofferraum füllt ein gewaltiger Stahlzylinder, der unter einem Druck von 350 bar maximal 4 Kilogramm Wasserstoff speichert. Damit kommt der Focus rund 300 Kilometer weit. Umgerechnet auf den Energiegehalt von Benzin, reichen dem 1,6-Tonnen schweren Focus 4,5 Liter je 100 Kilometer. Da kann selbst der beste Diesel nicht mithalten.

Doppel-Herz

Für den Antrieb des Focus FCEV Hybrid sorgt ein Elektromotor mit 88 PS (65 kW). Beim Beschleunigen bekommt er Unterstützung von einem 25 PS (18 kW) starken Elektromotor, der über eine Batterie hinter der Rückbank gespeist wird. Für eine möglichst optimale Energieverwertung nutzt das Hybridsystem auch die Energie, die sonst beim Bremsen in Reibungswärme verpufft. Theoretisch könnte der Focus über 180 km/h Spitze erreichen, doch der Testwagen belässt es bei maximal 128 Stundenkilometern. Dem Kleinserienfahrzeug, das hauptsächlich in der Stadt bewegt werden wird - dort gibt es die einzige erreichbare Tankstelle - fehlt nämlich ein mehrstufiges Getriebe. Die Höchstgeschwindigkeit ergibt sich aus den maximal 12.800 Umdrehungen, die der Elektromotor ermöglicht.

Elektro-Sound

Und wie fährt sich die moderne Technik? Einsteigen, Zündschlüssel umdrehen - und wenige Sekunden warten, bis die Brennstoffzelle mit leisem Rauschen erwacht ist. Dann den Schlüssel weiterdrehen und den Wählhebel auf dem Mitteltunnel auf D schieben. Ab geht die Post. Der Sound erinnert nicht an ein Auto, sondern eher an eine moderne S-Bahn. Das hohe Summen des Elektromotors wird von einem sanften Druck im Rücken des Fahrers begleitet. Mit 230 Nm Drehmoment, die der Elektromotor bereits bei niedrigsten Drehzahlen bereitstellt, ist der Focus FCEV Hybrid nämlich gut bestückt. Die Kraftentfaltung erinnert an hubraumstarke Verbrennungsmotoren, die Stoppuhr bleibt beim Sprint von null auf 100 km/h nach 13,5 Sekunde stehen. Komfort und Fahrgefühl stehen einem konventionellen Ford Focus kaum nach.

Fazit: Der Verbrennungsmotor ist ein Auslaufmodell. Der neue Focus FCEV Hybrid zeigt eindrucksvoll das Potenzial der neuen Technik, auch wenn deren Serieneinsatz noch nicht absehbar ist.

planbar.de, Holger Schilp

 
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