Alfa Romeo Sportwagon 1.9 JTD 16V: Multijet macht mobil

Düsseldorf, 20. Dezember 2002 – Eine sportliche Fahrmaschine mit sparsamem Diesel, großem Laderaum und appetitlicher Verpackung? Es dürfte schwer fallen, diese Eigenschaften einem einzigen Fahrzeug zuzuschreiben. Doch der Alfa Romeo Sportwagon JTD hat alles in sich vereint. Mehr noch: Ab Januar 2003 wird mit der Motorisierung 1.9 JTD 16V Multijet ein neues Kapitel in Sachen Fahrdynamik aufgeschlagen.

Denn der Multijet präsentiert sich als spektakuläres Vorschubwunder: 140 PS und ein bei 2.000 Umdrehungen einsetzendes maximales Drehmoment von 305 Newtonmetern sind angesagt. Damit ist er nach dem 150 PS starken 1.9 TDI aus dem Hause VW der zweitstärkste Diesel seiner Hubraumklasse.
Wir hatten einige Wochen vor seiner Markteinführung Gelegenheit, den Alfa Romeo Sportwagon mit neuem 1.9 JTD 16V Multijet zu testen.

Außen wie gehabt: Begehrenswert
An der Karosserie ist alles beim Alten geblieben. Erst zum Modelljahr 2004 kommt der Sportwagon außen und innen deutlich überarbeitet. Obwohl nicht mehr ganz taufrisch, ist er weiterhin eine attraktive Erscheinung mit schickem Interieur und großen Gepäckraum.

Immerhin bietet er 1.180 Liter Ladevolumen und damit zumindest für das Skiwochenende gut gerüstet. Pfiffige Lösungen erhöhen den Nutzungsbereich: Der Boden des Kofferraums lässt sich zur Gepäckwanne umdrehen, eine kleine Durchreiche in der Mitte der Sitzbank ermöglicht den Transport langer Gepäckstücke.

Die Passagiere sitzen auf allen Plätzen bequem. Die Vordersitze bieten guten Seitenhalt und sind sportlich-straff gepolstert. Angenehm liegt das griffige Lenkrad in der Hand. Mit diesem Volant lässt sich die neue Diesel-Power spielend durch den Verkehr dirigieren.

Verbesserte Technik, mehr Leistung
Technische Basis für das Multijet-System sind elektronisch steuerbare Kraftstoff-lnjektoren. Im Gegensatz zu den zwei Einspritzungen des bisherigen Unijet-Systems arbeitet Multijet mit Einspritzungen, die über den gesamten Verbrennungszeitraum verteilt sind. Dadurch erfolgt nach Aussage von Alfa Romeo eine effizientere Kraftstoffverbrennung; der Wirkungsgrad des Motors verbessert sich.

Wichtigster Baustein der Multijet-Einspritzung ist eine Steuereinheit, die das Öffnen und Schließen der lnjektoren überwacht. Soft- und Hardware dieses Rechners ermöglichen jene Mehrfacheinspritzung, die nötig ist, um die in der Brennkammer auftretenden Druck- und Temperaturverhältnisse optimal zu steuern. Je nach Betriebszustand des Motors kann die Menge der Einspritzungen, deren Dauer sowie das Einspritzvolumen unterschiedlich konfiguriert werden. Egal ob er sich im Leerlauf befindet, unter Volllast oder mit hoher Drehzahl oder unter Teillast bei geringer Drehzahl.

Zusammen mit der Umstellung von Zwei- auf Vierventiltechnik bietet die neue JTD-Generation ein Leistungsplus von 22 Prozent und verursacht um sechs Dezibel weniger Lärm. Entsprechend den höheren Kräften wurden einige mechanische Teile im Motor verstärkt.

Spritziger Antritt
Mit seinen 140 PS geht der Sportwagon druckvoll ans Werk. Wer kräftig aufs Gaspedal tritt, bringt beim Anfahren die Reifen problemlos zum Quietschen und die Traktionskontrollleuchte zum Blinken. Das bereits früh einsetzende maximale Drehmoment sorgt für diesen herrlich respekteinflössenden Punch von unten. 
So werden die Insassen angenehm in die Sessel gepresst. Nicht nur beim Anfahren, selbst noch bei 50 km/h kann man mit fliegender Kupplung die Vorderreifen kurzzeitig zum Durchdrehen bringen. Für den zackigen Ampelstart ist die Kraft aus dem Drehzahlkeller besonders willkommen. In 9,7 Sekunden werden die mehr als 1,4 Tonnen aus dem Stand auf 100 km/h katapultiert. 

Nicht ganz zu überzeugen vermag der Antrieb beim Durchfahren enger Kurven. Wer bei der Kehreneinfahrt runterschaltet, bekommt die Motorbremse unangenehm stark zu spüren. Das für den sportlichen Einsatz nutzbare Drehzahlband ist eben etwas schmal. Und beim Beschleunigen aus der Kurve zerrt der drehmomentstarke Motor an der Lenkung.

Flotter Kilometerfresser
Positiv setzt sich der Alfa als flotter Kilometerfresser auf der Autobahn in Szene. In diesem Zusammenhang ist auch die neue Sechs-Gang-Schaltung erwähnenswert: Ein zusätzlicher, lang übersetzter sechster Gang sorgt bei hoher Geschwindigkeit für ein niedriges Drehzahlniveau. Bei etwa 200 km/h arbeitet der Motor mit lediglich 3.600 Umdrehungen. Das geht zwar auf der Autobahn zu Lasten der Elastizität. Wer jedoch jenseits der 150 km/h mehr Durchzug braucht, schaltet einfach runter in den Fünften. Vorwärtsdrang und Drehzahlen steigen, der Verbrauch leider auch. 

Insgesamt begeistert das neue Alfa-Triebwerk vor allem bei hoher Geschwindigkeit selbst in der letzten Gangstufe mit ordentlich Durchzug. Der Lifestyle-Kombi qualifiziert sich damit zum typischen Vertreter leistungsstarker Diesel, die zunehmend linksspurig die Autobahnen bevölkern. 

Umweltbilanz lässt Wünsche offen
Trotz hoher Leistung glänzt der JTD mit Laufkultur und verringerter Lärmentwicklung. Obwohl das Geräuschniveau deutlich gesunken ist, ist er immer noch kein Leisetreter. 

Sein Verbrauch liegt nach Angabe des Herstellers bei durchschnittlich 6,1 Litern Dieselkraftstoff auf 100 Kilometer. Außerstädtisch kann dieser Wert sogar unter fünf Liter liegen. In Anbetracht der Leistung natürlich ein guter Wert.

Doch bei der Umweltbilanz bleiben ein paar Wünsche offen: Gegenüber dem bisherigen, 115 PS starken 1.9 JTD sind nämlich beim Multijet Verbrauch und Kohlendioxid-Ausstoß angestiegen. Bei der Abgas-Einstufung ist weiterhin nur Euro 3 drin. Alfa will aber spätestens ab 2005 den Multjet Euro-4-fähig machen. Jedoch bringt Konkurrent Opel schon Anfang 2003 seinen ersten Euro-4-Diesel auf den Markt und bietet damit seinen Käufern eine fette Steuerersparnis. Auch in Sachen Rußpartikelfilter hat Alfa für den neuen Multijet noch keine Lösung präsentiert. 

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