Audi S3: Ring-Kämpfer verursacht Herzklopfen

Audi S3: Ring-Kämpfer verursacht Herzklopfen
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München, 14. März 2003 – „Leistung kommt aus dem Hubraum!“ sagen jene bedächtig mit kluger Miene und erhobenem Zeigefinger, die was davon verstehen. Sie haben recht. Aber: Wenn die Leistung nicht aus dem Hubraum kommt, sondern aus dem Turbolader gepresst wird, verdirbt es denen, die nichts davon verstehen, auch nicht den Tag. 

Das zeigt der Audi S3: Aus dem bekannten 1,8-Liter-Motor saugt er sich 225 PS. Besser gesagt, er holt sie sich mit einem tornadoartigen Sog. Wer sich diesem Sturm einmal ausgesetzt hat, will sich nicht so schnell wieder laue Lüftchen um die Nase wehen lassen. Wir haben den stärksten Serien-A3 für Sie um den Block geheizt. 

Gelber Antritt 
In einem saftigen Zitronengelb steht unser Testwagen vor uns. Audi nennt die Farbe zwar “Imolagelb“, aber „Zitrone“ passt besser zu unserem S3. Weil doch andere so schön sauer und gelb vor Neid werden können, wenn sie das dezente Heck immer kleiner werden sehen. 

Friedliches Aussehen 
Ansonsten tritt das bissige Geschoss recht friedlich und bescheiden auf. Nur Fans können ihn auf Anhieb vom „normalen“ A3 unterscheiden. Am auffälligsten sind da wohl die verchromten Außenspiegel-Schalen. Was weniger ins Auge fällt sind die konturierten Radhäuser, die großen Lufteinlässe im Stoßfänger vorn, der kleine Dachspoiler am Heck und das verchromte Auspuff-Doppelrohr. 

Ein dezentes „S3“-Schild am Grill und am Heck besagt, dass hier 225 Pferde zur Arbeit angaloppiert kommen. Das traut man dem kompakten Dreitürer eigentlich nicht so richtig zu. 

Recaro-Gestühl 
Also rein in den Sportsitz und auf in den Kampf. Ein wenig unpraktisch erweist sich das Recaro-Ledergestühl, wenn’s ums Hinten-einsteigen geht. Die Klappvorrichtung klappt nämlich nicht so gut und erfordert eine starke Hand. 

Ist man dann in den Fahrersitz geflutscht, macht sich ein angenehmes Sitzgefühl breit. S3-Piloten und -Copiloten mit längeren Schenkeln steht eine ausziehbare Auflage zur Verfügung. Die Sitze lassen sich in Neigung und Höhe elektrisch verstellen. Wem es nicht ohnehin schon heiß wird, der kann eine Sitzheizung nutzen. 

Gute Ausstattung 
Unser Testwagen war gut ausgestattet: Bose-Soundanlage, Navigationssystem, CD-Wechsler und Klimaautomatik sind schon sehr angenehme Erfindungen. Die haben auch ihren Preis, aber dazu kommen wir später. 

Erst mal macht es Spaß, den Schlüssel rumzudrehen und den Turbomotor auf Touren zu bringen. Zwar würde man sich den Sound etwas wohlgenährter wünschen, aber das verhaltene Blubbern verrät wenigstens nicht sofort, dass dieser Audi in 6,6 Sekunden auf hundert sprinten kann. Bei höheren Drehzahlen wird der Motor lauter und kerniger, wirkt aber nicht aufdringlich.

Das Getriebe: Knack und zack 
Der erste Gang lässt sich, wie alle anderen fünf auch, leicht und knackig einlegen. Nur für den Sechsten muss man ein bisschen um die Ecke langen. Für die Sportlichkeit des S3 würde man sich die Schaltwege ein wenig kürzer wünschen. 

Herzklopfen inklusive 
Gas geben und Kupplung rauslassen verursacht Herzklopfen, Rückendruck und ... ein breites Grinsen. Nach einer kurzen Gedenkpause zerrt es den S3 brachial nach vorn. Das maximale Drehmoment von 280 Newtonmetern liegt zwischen 2.200 und 5.500 Umdrehungen permanent an. 

Das bedeutet auch, dass man den S3 sehr druckvoll fahren kann, ohne aufgeregt hin- und herschalten zu müssen. Im sechsten Gang reagiert der Ingolstädter Kompakt-Flitzer zwischen 60 und 240 Stundenkilometern immer spürbar vortriebig auf Gaspedalbewegungen. Bei unserem Test hörte die Tachonadel erst über der 250 km/h-Marke auf, sich zu drehen. 

Power-Paket verblüfft 
Wessen Spieltrieb noch nicht im Alltag versunken ist, der wird mit dem S3 seine helle Freude haben. Denn kaum jemand traut dem bissigen Power-Paket einen solchen Leistungswillen zu. Auf der Autobahn kann man zuhauf verblüffte Zeitgenossen in edlem Sport-Blech im Rückspiegel kleiner werden sehen. Vorausgesetzt, man kommt vorbei. Während ein Audi TT, auf dessen 1.8er quattro-Version der S3 technisch basiert, immer Platz auf der linken Spur bekommt, hat der S3 wenig Überzeugungskraft. Dafür sieht er einfach zu bescheiden aus. 

Kurvenklebrig dank quattro 
Doch widmen wir uns wieder den inneren Werten: Dank dem permanenten Audi-Allradantrieb quattro grenzt die Straßenlage des kleinen Kompakten nahezu an Perfektion. Das Fahrwerk des A3 wurde für den S3 sportlich abgestimmt. Dabei gelang es, einen Kompromiss aus „kurvenklebrig-straff“ und „unbequem-bretthart“ zu finden. 

Bei hohen Kurvengeschwindigkeiten will der S3 zwar mit beiden Händen am Lenkrad präzise geführt werden, gehorcht dabei aber dank der sehr direkten Lenkung auf den Millimeter. Im Grenzbereich schiebt der S3 über alle vier Räder, wird aber vom eilig eingreifenden ESP wieder in die Spur gebracht. Auf trockener Fahrbahn wird dieser Grenzwert erst sehr spät erreicht. Und auf einer glatten Piste ist das ESP in Verbindung mit dem Allrad eine feine Erfindung. 

Bremsen spurtreu, aber hausbacken 
Eine Spur überzeugender könnten die Bremsen wirken, die den Kraftzwerg zwar spurtreu zum Stehen bringen, aber erst nach einem verhältnismäßig langem Pedalweg und etwas gummiartigem Anpressdruck ihre volle Wirkung entfalten. 

Wer den S3 kaufen möchte, muss tief in die Börse langen: Unser Testwagen hätte inklusive aller Sonderausstattungen wie Leder, Navi und CD-Wechsler 40.215 Euro gekostet. Aber schon der Grundpreis von 31.000 Euro lässt S3-Fans lange sparen. Einen 200 PS starken Honda Civic Type R gibt es bereits ab 22.465 Euro, ein Seat León Cupra R kostet 26.760 Euro. 

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