Edel macht schön
Seine Exklusivität zeigt der 760Li äußerlich mit Zurückhaltung. Der optische Feinschliff umfasst einen V12-Schriftzug und geschickt gesetzte Chromapplikationen. Die Verlängerung wirkt unauffällig und verhilft dem neuen 7er zu noch mehr Eleganz. Abgerundet wird das 760er-Trimm durch exklusive 18-Zoll-Leichtmetallfelgen im Sternspeichendesign mit 245er-Reifen. Sie geben den Blick frei auf die rennsporttauglichen Hochleistungsbremsen mit 374 Millimeter großen innenbelüfteten Scheiben vorne und 370er-Scheiben hinten. Trotz zurückhaltender Akzente haben den 760Li viele neugierige Blicke in den Straßen von Miami verfolgt.
Hinten sitzt man in der ersten Reihe
So konnten wir auf den bequemen Rücksitzen die allgemeine Aufmerksamkeit, die Landschaft und den exklusiven Luxus der Langversion in aller Ruhe genießen. Die fondorientierte Ausstattung bietet Komfort auf höchstem Niveau. V12-Schriftzüge auf den Einstiegsleisten, Alcantara mit Sichtnähten am Dachhimmel und eine Extraportion Holz und Leder sorgen für zusätzliche Luxusatmosphäre.
Die Frage nach der Kniefreiheit erübrigt sich bei fast ausgestreckten Beinen. Schwieriger wird es hingegen, die optimale Sitzposition zu finden. Auf Wunsch kann der Kunde hinten nämlich zwei elektrisch vielfach verstellbare Einzelsitze ordern. Neben einer Memory-Funktion bietet sie gegen Aufpreis unter anderem eine getrennte Heizung für Sitzfläche und Lehne und eine Sitzbelüftung mit mehrstufigem Gebläse.
Heimkino auf vier Rädern
Sollte es den Fondinsassen trotzdem langweilig werden: Über einen separaten, zentralen Drehknopf auf der hinteren Mittelarmlehne kann das iDrive unabhängig von den Frontpassagieren bedient werden.
Unter anderem besteht die Möglichkeit, das hintere Klima zu regulieren und das umfangreiche Multimedia-Angebot zu steuern. Ein 6,5-Zoll-Farbmonitor zwischen den beiden vorderen Sitzen zeigt neben der komplexen Menüführung auch ein gestochen scharfes Fernsehbild, während das hochwertige Soundsystem ein räumliches Hörerlebnis bietet. Der DVD-Wechsler hält verschiedene Videos abrufbereit.
Wer sich beim Fernsehen durch Sonne oder neugierige Blicke gestört fühlt, kann per Knopfdruck an den Seitenfenstern und der Heckscheibe Sichtblenden elektrisch hochfahren. Fazit: Der 760 Li ist ein rollender Kinosaal für zwei Personen, mit optionaler Privatsphäre und Kühlbox für den Champus.
Damit sind aber noch lange nicht alle Sachen Ausstattungsoptionen aufgezählt. Neben den vielen Extras des normalen Serienmodells bietet BMW Individual weitere exklusive Sonderausstattungen. Der sehr persönliche Geschmack des Kunden kann mit Hilfe von BMW Individual in stilvoller Weise die Ausstattung und Atmosphäre prägen.
Äpfel und Birnen
Der Innenraum ist eine der großen Stärken des neuen 760Li. Wie aber schlägt sich der luxuriöse PS-Bolide auf der Rennstrecke? Auf dem Homestead Speedway konnte wir die dynamischen Fahreigenschaften der Staatskarosse austesten. Mit enormer Leistung, einfachem Handling und sicherem Fahrgefühl selbst im Hochgeschwindigkeitsbereich unterstreicht der High-End-BMW sein Können. Erstaunlich hohes Komfortniveau wird den Passagieren dabei in fast allen Fahrsituationen vermittelt.
Wer aber nach der Testfahrt feststellt, dass es sich nicht um einen Rennwagen handelt, versucht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Eine Luxuskarosse kann eben kein puristisches Fahrerlebnis bieten. Selbst bei zwölf Zylindern und 445 PS. Immerhin hat der 760Li weit mehr Leistungs- und Fahrwerksreserven als im alltäglichen Straßenverkehr erforderlich.
Drifts erlaubt der lange 7er dennoch. Wann genau das Übersteuern beginnt, ist jedoch nicht klar definiert. Eine direkte Rückmeldung gibt es nicht und ein kontrolliertes Untersteuern ist daher schwierig. Dafür sorgen Fahrstabilitätssysteme wie die Wankstabilisierung Dynamic Drive, das DSC sowie die Traktionskontrolle ASC im Grenzbereich für die nötige Portion Sicherheit.
Für einen betont sportlichen Einsatz ist das Dickschiff jedoch viel zu korpulent. Gäbe es einem 760 CSL, wäre die Frage nach Rennstreckentauglichkeit legitim. Der Härtetest war gut gemeint, dem Einsatzzweck des 760Li aber nicht angemessen. Thema verfehlt, setzen. Am liebsten im großzügig geschnittenen Fond.
Der Dutzendsassa
Was den großen Siebener sportlich macht, ist vor allem sein leistungsstarker Antrieb. Der weltweit erste Zwölfzylinder mit Benzin-Direkteinspritzung bietet kultivierten und faszinierend druckvollen Vortrieb. Aus 5.972 Kubikzentimetern Hubraum schöpft er gigantische 445 PS. Das maximale Drehmoment von 600 Newtonmetern liegt bei 3.950 Umdrehungen an. Enorme 500 Newtonmeter stehen über den weiten Drehzahlbereich von 1.500 bis 6.000 U/min zur Verfügung. Entsprechend spontan und druckvoll zeigt er sich bei seiner Leistungsabgabe aus dem Drehzahlkeller. Wer beim Dahingleiten Leistung anfordert, bekommt satten Vortrieb. Laut BMW sprintet das 2,2 Tonnen schwere Flaggschiff aus dem Stand in 5,6 Sekunden auf 100 km/h und in unter 17 Sekunden auf 200 km/h.
Dank Direkteinspritzung, der genialen Valvetronic und des konsequenten Leichtbaus lediglich 280 Kilogramm bringt der Motor auf die Waage ist er zumindest in der Riege der Zwölfzylinder ein sparsames Exemplar. Mit 13,6 Liter Durchschnittsverbrauch auf 100 Kilometer qualifiziert er sich jedoch als trinkfester Geselle. Und dieser Wert wird bei zügiger Fahrweise natürlich deutlich überschritten.
Starke Konkurrenz
Immerhin ist der 760 der zur Zeit "sparsamste Zwölfzylinder" überhaupt. Der Hauptkonkurrent Mercedes S 600 genehmigt sich einen Liter, der VW Phaeton W12 gar zwei Liter mehr. Wobei der Edel-Volkswagen über permanenten Allradantrieb verfügt und der turbogeschwängerte Motor der S-Klasse deutlich leistungsstärker ist als das 7er-Triebwerk.
Obwohl der 760Li mit der Euro-4-Abgasnorm umweltfreundlicher ist als der bisherige 750iL, hat sich der Vorgänger mit 11,9 Litern Verbrauch auf 100 Kilometer begnügt. Aber mehr Leistung und mehr Luxus sorgen eben auch für höheren Spritkonsum. Da kann die Technik im Motor noch so fortschrittlich sein. Einen preisverdächtigen Beitrag zum Thema "Verantwortungsvoller Umgang mit knapper werdenden Ressource" kann der 760 insofern nicht leisten.
Toll ist dafür die Abstimmung des Sechsgang-Automatikgetriebe. Bei immerhin 160 km/h gleitet der 7er gelassen mit gerade mal 2.500 Umdrehungen dahin. Leider kein Spitzenwert. Die Mercedes S-Klasse begnügt sich bei 180 km/h mit 1.800 Touren. Trotz seiner sehr dezenten Art, kann der 7er durchaus markig fauchen. Bei forscher Gangart ist im Innenraum eine akustische Rückmeldung deutlich vernehmbar.
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| Diesel | Benzin | Super | Super+ | |
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| Durchschnittspreis | 1.114 | 1.183 | 1.183 | 1.264 |
| Günstigster Preis | 1.089 | 1.129 | 1.129 | 1.216 |