Citroën C8 im Test: Für die Großfamilie

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Bergisch-Gladbach, 31. Oktober 2002 – Citroën hat mit dem Xsara Picasso bereits einen erfolgreichen Van auf dem Markt. Warum also ein zweiter? Der neue C8 ist der offizielle Nachfolger des Evasion. Eine Überarbeitung des in die Jahre gekommenen Klassikers war aufgrund rapide sinkender Absatzzahlen dringend notwendig geworden. 

Doch der moderne C8 soll dem Erfolg des Xsara Picasso nicht im Weg stehen. Er orientiert sich im Gegensatz zum kleinen Bruder eher in Richtung Komfort und Luxus. Wir sind den 2,2-Liter-Benziner für Sie gefahren.

Neue Brüder im Geiste und im Innenraum
Der C8 ist gegenüber dem Evasion um 27 Zentimeter gewachsen, der Radstand aber blieb unverändert. Im Zuge der vier auf der selben Plattform basierenden Euro-Vans wollen wir den Citroën in erster Linie aber nicht mit seinem Vorgänger, sondern den wahren Brüdern Fiat Ulysse, Peugeot 807 und Lancia Phedra vergleichen. 

Das Innenraum-Design ist identisch. Zwillinge sind die Euro-Vans allerdings nicht. Das beste Beispiel dafür ist die Front: Hier gleicht sich allein die Windschutzscheibe.

Der C8 ist ein rundliches Kerlchen und erinnert im Frontbereich an den Citroën C3. Seinem lachenden Blick kann sich niemand entziehen. Das Heck hingegen nimmt Anleihen am C5: Vor allem die klammernden Rückleuchten erwecken diesen Eindruck. C hoch drei also: die Front vom C3, das Heck vom C5, aber im Kern ein C8.

Flexibel bis unters Dach
Womit wir auch schon beim Herzstück des Franzosen-Vans wären: dem Innenraum. Hier offenbaren sich die wichtigsten Kaufargumente: viel Platz und ein hohes Maß an Variabilität.

Das vorbildliche Zafira-Konzept mit den im Boden versenkbaren Sitzen wurde im C8 leider nicht aufgegriffen. Flexibel ist der Citroën trotzdem: Serienmäßig gibt es ihn mit fünf Einzelsitzen. Als Option werden bis zu zwei zusätzliche Sitze oder eine Dreier-Bank (605 Euro und nur in der X-Ausstattung) angeboten. Wer dieses Angebot in Anspruch nimmt, wird sich am einfachen Umklapp- und Ausbaumechanismus erfreuen, nicht aber am Tragen. Denn das Gewicht der Sitze hat es in sich.

Freiheit für sperriges Gepäck
Wer sich auf den Fünf- oder Sechssitzer beschränkt, muss sich nicht mit diesem Problem abfinden. Denn auf den Gleitschienenpaaren in Reihe zwei und drei lassen sich je zwei Sitze hintereinander unterbringen. Das bedeutet eine komplett freie Seite und somit viel Platz für sperriges Gepäck. Dadurch erspart man sich das lästige Herausnehmen der Sitze.

In Sachen Flexibilität hat der C8 aber noch mehr zu bieten: Die Sitze der zweiten und dritten Reihe lassen sich um 15 Zentimeter in Längsrichtung verschieben. Die Rückenlehnen dienen nach dem Umklappen als Tische. Auf Wunsch lassen sich die Vordersitze um 180 Grad drehen. Ein Hoch der Gemütlichkeit.

Das Laderaumvolumen reicht von 225 Liter bei voller Bestuhlung bis knapp 3.000 Liter mit nur einer Sitzreihe. Damit prescht der Franzose in die Spitzengruppe des Van-Segments vor. Mehr Platz bieten da nur Kia Carnival II und Renault Grand Espace, die aber über eine längere Karosserie verfügen.

Versteckenspielen einmal anders
Was in den anderen Euro-Vans gang und gäbe ist, darf im C8 natürlich nicht fehlen: Rekordverdächtige 58 Ablagen geben dem beliebten Kinder-Zeitvertreib „Versteckenspielen“ eine ganz neue Bedeutung („Rate mal, wo ich meine Barbie versteckt habe!“). 

Der Nutzen sei dieser Idee nicht abgesprochen. Immerhin verfügt der Franzose unter anderem über ein Kühlfach für Getränkedosen und in die Vordertüren passen problemlos 1,5-Liter-Flaschen und A4-Dokumente.

Und wenn Ihren Kindern mal nicht nach Versteckenspielen ist, dann vielleicht nach Bildung. Der steht dank der Leselampen auf allen Plätzen nichts im Weg. Ausreden wie „die Sonne blendet mich“ müssen Sie auch nicht gelten lassen: Praktischerweise sind die Fenster der zweiten Sitzreihe mit Sonnenrollos ausgestattet (nicht in der X-Ausstattung). Die Scheiben können trotzdem runtergefahren werden. Sie verfügen genauso wie die Schiebetüren und -dächer über einen Einklemmschutz. Zum vorbildlichen Transport der Kleinen fehlen im C8 lediglich die integrierten Kindersitze, wie sie etwa im VW Sharan zu finden sind.

Gute Serienausstattung
Die ansonsten reichhaltige Serienausstattung des C8 ist trotz dieses kleinen Mankos ein Kaufargument, das die Konkurrenz von VW und Co. alt aussehen lässt. Ob Klimaanlage, Radio oder Sicherheitskomponenten wie ESP, ABS, Notbrems-Assistent, Reifendruck-Sensoren und Windowbags: Bereits in der Basisversion „X“ ist das alles inklusive. Allerdings gibt es hier kaum zukaufbare Optionen und nur eine einzige Motorvariante ist mit der X-Ausstattung kombinierbar.

Wer’s komfortabler mag, greift zur SX- oder gar Exclusive-Version. Gerade letztere Ausstattungsvariante macht den C8 zu einem wahren Wohlfühl-Van: Ob Tempomat, Parksensor oder elektrische Schiebetüren – hier bleibt kaum ein Wunsch offen. Optional sind bis zu drei Schiebedächer sowie Lederpolster und Navigationssystem möglich.

Harte Konkurrenz: 807 beim Preis, Phedra beim Komfort
Die Einstiegsversion bildet der C8 2.0 16V mit 136 PS. Mit 25.260 Euro ist sie zehn Euro teurer als ein vergleichbarer Peugeot 807. Den Lancia Phedra 2.0 16V gibt es erst ab 29.350 Euro. Trotzdem ist er unser Geheimtipp für komfortsuchende Van-Fahrer. Denn bereits in der Basisausstattung – „Executive“ genannt – sind so viele Extras enthalten, dass man für einen ähnlich ausgestatteten C8 oder 807 mehr als 30.000 Euro zahlen müsste.

Unser C8-Testwagen mit dem 2,2-Liter-Motor und der SX-Ausstattung kostet 31.990 Euro. Luxus pur ist die Topversion: Den C8 3.0 V6 Exclusive Captain Chairs mit 204 PS und Automatik-Getriebe gibt es für 37.090 Euro.

C8 2.2 16V: gut, aber nicht spritzig
Den Citroën C8 gibt es in fünf Motorisierungen. Unser Testwagen verfügte über einen 158 PS starken 2,2-Liter-Benziner. Der gibt sich auffallend rau, ab dem vierten Gang legt sich das aber. Durchzugsstark wird der Franzose erst ab etwa 3.000 U/min, ab 150 km/h schwerfällig. In punkto Triebwerk gilt also das gleiche wie beim Konzernbruder Peugeot 807: Wer es sich leisten kann, greift zum kraftvollen 3,0-Liter-Sechszylinder oder schnappt sich den bewährten 2,2-Liter-Diesel. Daneben steht je ein Zweiliter-Motor für beide Spritvarianten zur Wahl.

Im Stand ist der 2,2-Liter-Motor so leise, dass unsere Aufmerksamkeit im Testwagen unweigerlich auf das unangenehme Surren der Klimaanlage gelenkt wurde. Die Bedienung dieser und die aller anderen Instrumente ist im Übrigen gewöhnungsbedürftig. 

So befindet sich die Handbremse links vom Fahrersitz, eine Mittelkonsole gibt es nicht und der Schalthebel hat eher die Bezeichnung „Joystick“ verdient. All das ermöglicht es den Insassen aber, ohne Hindernisse von der ersten bis zur letzten Reihe durchlaufen zu können. 

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