Daewoo Kalos: Italienisch-asiatischer Beau für 9.990 Euro

Schaffhausen, 18. Oktober 2002 – Was erwarten Sie von einem Kleinwagen? Einen günstigen Preis, hohe Wendigkeit für die Stadt, Ladekapazität für den Wochenendeinkauf, gute Verarbeitung und annehmbares Aussehen? Wahrscheinlich all das. Wir haben einen Newcomer auf diese Eigenschaften hin abgeklopft: den Daewoo Kalos.

Der koreanische Hersteller Daewoo wird demnächst von General Motors übernommen. Doch die Plattform, auf dem der kleine Kalos basiert, und sein Motor wurden noch in Korea entwickelt.

Woran hat Daewoo gespart?
Kleinwagen jawohl, aber winzig ist der Neuling nicht: Mit 3,88 Metern Länge lässt der Kalos etwa Peugeot 206, Opel Corsa und Renault Clio hinter sich. Dennoch gibt es den Kalos zum Kampfpreis von 9.990 Euro. Wer ein Auto mit mehr als 3,75 Metern Länge sucht und 75 PS Mindestleistung haben möchte, hatte bisher nur einige Lada-Modelle zur Auswahl – ab sofort auch den Kalos. Da fragt sich, woran Daewoo wohl gespart hat.

Nicht gerade wenig: 83 PS
Üblich für Einstiegsmodelle in der Kleinwagenklasse sind rund 60 PS. Nicht so bei Daewoo: Der 1,4-Liter-Vierzylinder mobilisiert gleich 83 PS. Damit lässt sich ab 3.000 U/min ganz gut beschleunigen. 13,3 Sekunden braucht das Auto, um die 100-km/h-Marke zu durchstoßen. Damit liegt der Kalos im Mittelfeld der Kleinwagen mit um die 80 PS. Der Spritverbrauch laut Hersteller ist mit 7,5 Litern auf 100 Kilometer dagegen eher hoch. Die Abgasnorm Euro 3 wird eingehalten; derzeit wird geprüft, ob auch die D4-Norm geschafft werden kann.

Der Ganghebel des Fünfgang-Getriebes ist angenehm: Er hakelt nicht und wackelt nicht. Eine Automatik gibt es derzeit noch nicht, sie soll aber im Frühjahr kommen. Eher komfortabel ausgelegt ist das Fahrwerk: eine Spur zu weich, aber nicht störend. 

Kein Spar-Design
Auch am Design hat Daewoo nicht gespart – das ist schon nach einem Rundgang um das Auto klar. Die Blechhaut des kleinen Koreaners hat der italienische Stardesigner Giugiaro gezeichnet, und sie sieht gut aus. Das Markendesign soll sich zukünftig nicht mehr am Matiz mit seinen runden Scheinwerfern, sondern am Kalos orientieren. Übrigens: "Kalos" ist griechisch und bedeutet "schön".

Schöner Innenraum
Auch der Innenraum gefällt: Es war offenbar die Grundidee der Gestalter, den Kreis als Grundform zu verwenden. So liegen die gut ablesbaren Instrumente in dicken runden Röhren. Gegen Lichtreflexe beschirmt werden sie von einer Halbkugel. Auch bei Luftaustrittsdüsen, Türöffnungsgriffen und Tür-Innenverkleidung greift die Formensprache auf den Kreis zurück. 

Die Verarbeitung wirkt ordentlich: Da wackelt und klappert nichts. Beifahrer reizt der breite Armaturenträger, dort Pakete oder Mappen abzulegen. Aber bei der nächstbesten Kurve fällt alles mangels einer Vertiefung auf den Schoß. Praktisch jedoch: Ein Schlitz gleich links neben dem Lenkrad, der den Parkhaus-Schein aufnimmt.

Gute Kopffreiheit
Die Sitze bieten in Kurven wenig Seitenhalt für die Oberschenkel und den Rücken. Das ist bei vielen asiatischen Autos so. Ebenfalls an Asien muss man denken, wenn man nach vorn sieht: Schon ein mittelgroßer Fahrer schaut nicht auf die Mitte, sondern bereits auf das obere Drittel der Frontscheibe. Das stört nicht weiter, aber man merkt: Das Auto ist eher für kleinere Leute gebaut. Trotzdem ist die Kopffreiheit vorne wie hinten gut: Vorne bleiben acht Zentimeter über dem Kopf eines 1,75 Meter großen Passagiers, hinten respektable fünf Zentimeter. 

Sind die Vordersitze für Insassen der genannten Größe eingestellt, bleibt genauso großen Fondpassagieren gerade mal ein Zentimeter Raum vor den Knien. Doch keine Angst: Auch Größere finden Platz. Denn die rückwärtige Bespannung der Vordersitze ist dünn, und die Sitze sind hinten ausgehöhlt. Wenn man längere Beine hat, dann ergeben sich so etwa zusätzlich fünf Zentimeter Knieraum. Die Kopfstützen lassen sich vorn und hinten für die genannte Körpergröße weit genug herausziehen - selten bei Kleinwagen. 

Seitenairbags serienmäßig
Apropos Sicherheit: Auch hieran wurde nicht gespart. Der Kalos verfügt über Airbags für Fahrer und Beifahrer sowie Seitenairbags. Bei Konkurrenten wie dem Suzuki Swift ist das beispielsweise nicht der Fall. Seltsam allerdings: Der bei Marktstart allein verfügbare Fünftürer verfügt zwar über fünf Dreipunkt-Gurte, aber nur über vier Kopfstützen.

Seltsame Kofferraum-Daten
Der Kofferraum fasst nach Angaben von Daewoo 175 bis 735 Liter. Der obere Wert ist deutlich niedriger als bei vergleichbaren Kleinwagen. Diese Differenz konnte die Presseabteilung von Daewoo nicht erklären.

Verlassen wir uns also lieber auf Zentimetermaß und Augenschein. Im Normalzustand misst der Laderaum 97 mal 60 Zentimeter, wobei sich die Tiefe beim Umlegen auf 125 Zentimeter mehr als verdoppelt – gute Werte für die Klasse. Bei der Nutzung stört allerdings die recht hohe Ladeschwelle von zwanzig Zentimetern und die ebenfalls nicht besonders vorteilhafte Ladekantenhöhe von 74 Zentimetern. 

Die Rücksitzlehne lässt sich asymmetrisch geteilt umlegen. Will man aber zu dritt fahren und möchte zusätzlich noch ein größeres Gepäckstück transportieren, hat man ein Problem: Die Rückbank lässt sich nur im Ganzen umklappen. Das Umlegen der Bank ist zudem nicht gerade einfach – zumindest beim ersten Mal hatten wir Probleme, die Entriegelung zu bedienen. Das Konzept ist recht ungewöhnlich: Man klappt nicht zuerst die Bank und dann die Lehne um, sondern faltet zuerst die Lehne auf die Bank, entriegelt dann die Bank und klappt beides nach vorne. 

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