Fiat Multipla Bipower: Bivalentes Erlebnis im 16:9-Format

Fiat Multipla Bipower: Bivalentes Erlebnis im 16:9-Format
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München, 29. November 2002 – Mit knapp vier Metern Länge ist der Fiat Multipla gerade mal so lang wie ein Skoda Fabia. Und trotzdem finden sechs Personen Platz. Wir wollten wissen, wie variabel der Innenraum ist und waren gespannt auf den Erdgasantrieb des Multipla Bipower. Deshalb haben wir den Erdgas-Minivan für Sie getestet.

Italienischer Walter Matthau
In einem Auto-Forum im Internet verglich kürzlich ein Spötter das Äußere des Multipla mit dem Schrumpelgesicht von Walter Matthau. Jedermanns Geschmack ist das Aussehen des Multipla nicht, aber die Fans lieben ihn wegen seiner inneren Werte, dem praktischen Innenraum.

Im Inneren hat Fiat so Einiges anders gemacht: Die Handbremse sitzt links vom Fahrersitz, die Außenspiegelverstellung findet sich an der Decke, der Schalthebel thront auf dem Armaturenbrett und der Tacho liegt in der Mitte. Außerdem heißt es offiziell "Multipla Fiat", nicht "Fiat Multipla".

Drei Sitze in der ersten Reihe
Eigenwillig zeigt sich der Multipla auch bei der Sitzanordnung: In der ersten Reihe finden sich gleich drei Sitze nebeneinander. Alle drei Plätze sind voll nutzbar. Selbst wenn alle drei belegt sind, wird es seitlich nicht enger als auf den Vordersitzen eines normalen Kleinwagens. Und selbst wenn man den serienmäßig längsverschiebbaren Sitz ganz nach vorne schiebt, muss ein Erwachsener nicht fürchten, mit den Knien ans Armaturenbrett zu stoßen. Hinter ihm kann es dagegen eng werden, wenn man den Sitz nach hinten rückt.

Tisch statt Mittelsitz
Braucht man den vorderen Mittelsitz nicht, so kann einfach die Lehne nach vorne geklappt werden, wodurch sich ein kleiner Tisch ergibt. Oder man ordert eine Kühlbox, die den Sitz gegen Aufpreis ersetzt.

Die Sitze selbst bieten genug Komfort und ausreichend Seitenhalt. Auch die Kopffreiheit überzeugt: Bei idealer Sitzhöhe bleiben einem 1,75 Meter großen Fahrer noch neun Zentimeter Kopffreiheit – genau wie einem gleich großen Insassen im Fond.

Die drei nebeneinander angeordneten Sitze zeigen sich außen durch eine Breite von 1,87 Metern – so breit sind sonst nur Oberklasse-Limousinen. In engen Straßen tut man sich da manchmal schwer. 

Praktische Parkhilfe
Umso leichter fällt dem Multipla-Fahrer das Einparken. Denn die Rundumsicht des Fahrers ist gut. Sie wird nur etwas durch den Mittelsitz getrübt: Die Kopfstütze oder der Kopf des mittleren Passagiers macht den Blick durch das letzte Seitenfenster unmöglich. Außerdem stört schon ein mittelgroßer Passagier den Blick nach hinten durch den Innenspiegel.

Als besonders praktisch erweisen sich beim Einparken die Außenspiegel: Der untere Teil des rechten Spiegels zeigt das rechte Hinterrad.

Benzin und Gas - so leicht geht das
Es gibt zwei Erdgasversionen des Multipla: Den Blupower, der ausschließlich mit Erdgas betrieben wird, und den von uns getesteten Bipower. Letzterer besitzt als bivalentes Fahrzeug sowohl einen Benzintank als auch drei Gasflaschen. Die 26,5 Kilo Gas erlauben laut Hersteller eine Reichweite von rund 500 Kilometern. Der Benzintank mit 38 Litern Volumen erhöht die Reichweite auf 900 Kilometer.

Zwischen Gas- und Benzinbetrieb lässt sich sogar während der Fahrt bei moderaten Drehzahlen hin- und herschalten. Die noch verbliebene Sprit- und Gasmenge wird für beide Kraftstoffe separat ständig angezeigt – eine viel bessere Lösung als etwa beim Opel Zafira CNG, bei dem es nur eine Anzeige gibt. 

Automatisches Umschalten
Man kann den Gastank vollständig leerfahren. Dann schaltet der Multipla automatisch auf Benzinbetrieb um. Umgekehrt funktioniert das allerdings nicht.

Empfehlenswert ist es, möglichst oft mit Erdgas zu fahren. Denn das ist wesentlich billiger als der Benzinbetrieb. Eine Flaschenfüllung kostet bei einem Erdgaspreis von rund 65 Cent pro Kilo 17,23 Euro. Der Erdgasverbrauch liegt laut Hersteller bei 5,2 Kilo pro 100 Kilometern. Wir ermittelten zwischen sechs und acht Kilo, wobei acht Kilo nur bei Vollgas auf der Autobahn erreicht wurden.

Günstig selbst im ungünstigsten Fall
Rechnen wir den ungünstigsten Fall für Erdgas durch: Bei Vollgas kommt man mit einer Gasfüllung 331 Kilometer weit. Damit bezahlt man 5,20 Euro pro 100 Kilometer. Zum Vergleich: Der Multipla-Benziner mit 103 PS verbraucht laut Hersteller 8,5 Liter Super auf 100 Kilometer, also bei einem Spritpreis von einem Euro pro Liter etwa 8,50 Euro pro 100 Kilometer – das sind 3,30 Euro mehr als bei Gas. Bei 15.000 Kilometern Laufleistung pro Jahr spart man so jährlich 495 Euro.

Gegenrechnen muss man die Mehrkosten des Bipower gegenüber dem Benziner von 2.650 Euro. Demnach amortisiert sich die Anschaffung nach etwas mehr als fünf Jahren – selbst bei unseren pessimistischen Annahmen. 

Nicht immer leicht: Tanken
Und wie klappt das Tanken? Wir brachen an einem Samstagvormittag in München auf, um das herauszufinden. Von den bundesweit 309 Erdgastankstellen befinden sich vier in München. Eine davon liegt in der Innenstadt, wo wir wegen des starken Verkehrs nicht hinfahren wollten. Eine zweite hat nur wochentags geöffnet. Die dritte bedient Kunden 24 Stunden pro Tag. Allerdings war eine Erdgas-Zapfsäule defekt, und die andere, die sich auf der falschen Fahrzeugseite für unsere Tanköffnung befand, hatte einen zu kurzen Schlauch. An der vierten und letzten Tankstelle hatten wir Glück. Bis wir dort ankamen, waren wir allerdings kreuz und quer durch München unterwegs. Man sieht: Erdgas aufzutreiben ist noch nicht so leicht, wie Benzin zu tanken.

Der Tankvorgang an sich bereitet jedoch auch dem Anfänger keine Probleme. Sobald sich der Tankstutzen an der Tanköffnung festgesaugt hat, braucht man nur noch einen großen Hebel umzulegen, und los geht`s. Gasgeruch ist nicht zu bemerken. Einziger Nachteil: Der Tankvorgang dauert etwa doppelt so lange wie bei Benzin.

Motor, Fahrwerk und Lenkung
Der Motor macht sowohl im Gas- wie im Benzinbetrieb einen guten Eindruck. Er bringt den Multipla immer gut auf Trab. Bei Gasbetrieb stehen 92, bei Benzinbetrieb 103 PS zur Verfügung. Den Unterschied merkt man in der Fahrpraxis allerdings kaum. Man kann schön niedertourig dahingleiten und im Stadtverkehr sogar unter 2.500 Touren bleiben. Bei höherer Drehzahl – etwa auf der Autobahn - bleibt das Motorgeräusch zunächst im Rahmen. Doch ab etwa 4.500 U/min klingt das Aggregat recht brummig. Mit Benzin fährt der Wagen gut 180 km/h, im Gasbetrieb sind es 170 km/h. 

Fahrwerk besser als klassenüblich
Das Fahrwerk neigt in der Kurve ein wenig zum Wanken, ist aber weitaus besser als die sehr weichen Fahrwerke der allermeisten Minivans. Das Gewicht von knapp 1,5 Tonnen bewältigen die kraftvoll zupackenden Bremsen problemlos.

Mit dem recht großen Lenkrad lässt sich das Auto bei niedrigem Tempo hervorragend manövrieren. Bei höherer Geschwindigkeit verhärtet die Lenkung jedoch nicht genug.

Lade- und Passagierraum
Im Bereich hinter den Vordersitzen zeigt der Multipla so richtig, was in ihm steckt – nämlich eine sehr hohe Variabilität. 430 bis 1.300 Liter Gepäck passen in den Italiener. Die drei Einzelsitze im Fond lassen sich einzeln auf einfache Weise ausbauen. Sie sind auch nicht allzu schwer. Bei ausgebauten Sitzen erhält man eine vollständig ebene Ladefläche von 1,60 Metern Länge und 1,23 Metern Breite – gemessen zwischen den Radkästen. Das ist mehr als genug Gepäckraum für die allermeisten Fälle, und dazu ist er gut nutzbar: Der Laderaum ist regelmäßig geformt, und die Kofferraumklappe öffnet sehr weit nach oben. Außerdem kann man etwa eine Getränkekiste direkt aus dem Kofferraum ziehen, ohne eine Schwelle überwinden zu müssen. Beim Einladen hilft die niedrige Ladekante von 58 Zentimetern. 

Sitze versetzen
Die Sitze lassen sich in zwei Positionen einbauen. Bei der ersten steht mehr Kofferraum, dafür weniger Platz im Fond zur Verfügung. Stellt man den vorderen Sitz nun für einen 1,75 Meter großen Fahrer ein, so hat der Fondpassagier dahinter noch einen Zentimeter vor den Knien bis zur Vordersitzlehne. Wählt man die andere Konfiguration, bei der sich die Sitze 15 Zentimeter weiter hinten befinden, so hat der Fondpassagier 16 Zentimeter Kniefreiheit. Sind die Sitze weiter vorne eingebaut, so ist der Kofferraum noch 67 Zentimeter tief. In der vorderen Sitzposition bleiben sogar 82 Zentimeter.

Beim Erdgas-Multipla ist jedoch ein Notrad im Kofferraum auf dem Boden festgeschraubt, weil die Gasflaschen seinen Platz unter der Karosserie einnehmen. Dieses Rad stört beim Beladen beträchtlich. Es empfiehlt sich, ein Reifendichtset zu kaufen, das man an beliebiger Stelle im Multipla verstauen kann, und das störende Notrad zuhause zu lassen.

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