Honda Civic Type R: Es darf ein bisschen "R" sein

Honda Civic Type R: Es darf ein bisschen
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München, 9. August 2002 – Meine erste Begegnung mit Hondas Sportlichkeit war der alte Prelude meines Freundes Pasi. Das war ein tolles Gerät. Im zarten Alter von zwanzig Jahren ist aber irgendwie alles rattenscharf, was flach ist, zwei Türen hat und aus Schlafaugen blinzelt. Dass die Kiste damals vergleichsweise müde 105 PS hatte, hat uns nicht so sehr gestört. Hauptsache, das Ding sah aus wie ein Sportwagen. 

Der nächste Kontakt fand Jahre später mit einem Integra Type R statt. Der sah nicht nur aus wie eine Rennmaschine, sondern hatte gleich 196 PS unterm Blech. Den Druck im Rücken, eine geniale Straßenlage und die Tachonadel auf 230 vergisst man nicht so schnell. Für mich war das damals ein Traumwagen. 

Und nun der Civic Type R. 200 PS, 235 km/h Spitze, 6,8 Sekunden auf Hundert.... Eigentlich ist der aktuelle "normale“ Civic ja von außen eher ein harmlos anmutendes Automobil. Von der Form her im Stil des Jahres 2002: Keilförmig und mit hohem Dach, ausgelegt eher für den komfortablen Personentransport als für den puren Spaß an der Freude. 

Vortriebe auf den ersten Blick
Der Type R unterscheidet sich von seinem Serienbruder auch optisch: Ein aggressiver Spoiler, ein Wabengrill, die Schwellerverbreiterungen mit "Type R“-Logo, eine Heckschürze und der Heckspoiler riechen schon auf den ersten Blick nach Vortrieb. Am auffälligsten sind die 17-Zöller-Alus, die auf sieben Doppelspeichen dünne Sportsocken tragen. Okay, die Optik sagt nichts über die Qualitäten auf dem Asphalt aus. Die gedrungenen Bulligkeit hat bei unserem Test jedenfalls Blicke auf sich gezogen.

Halb zog er ihn, halb sank er hin
Ein vorsichtiger Blick in den Innenraum zeigt zwei dominierende Sportsitze mit integrierten Kopfstützen. Eine angenehme Überraschung gibt es beim Hinsetzen: Lenkrad anfassen, Hintern drehen, fallen lassen. Der Weg endet ziemlich weit unten und ziemlich weit hinten. Aber der Sportsitz passt wie eine maßgeschneiderte Jacke. Nachteil: Man kann ihn nicht in der Höhe verstellen. Dafür aber das Lenkrad. Menschen mit kurzem Oberkörper sollten das tun, was Opa schon vor dreißig Jahren machte: ein Kissen drunter legen.

Wer einmal in den Sitz gesaugt wurde, will so schnell nicht wieder raus. Um noch enger mit ihm verbunden zu sein, legt man den Gurt an. Das bedarf zwar einiger Verrenkungen, aber wer Type R fährt, sollte Kompromisse eingehen können. Keine Angst: viele sind’s nicht.

Handliches Steuer
Das kleine Lederlenkrad liegt angenehm in der Hand. Es hat für einen Sportwagen genau den richtigen Durchmesser. Das spartanische Cockpit wirkt aufgeräumt und sportlich. Die Lederapplikationen haben rote Nähte, die Instrumente sind weiß unterlegt, die Mittelkonsole glänzt matt im kühlen Alu-Look.

Es fällt angenehm auf, dass die Anzahl der Schalter und Knöpfe auf die Wesentlichen reduziert ist. Und die sind klar definiert. Bloß die Türverriegelungstaste an der Fahrertür gibt zunächst Rätsel über ihre Funktion auf.

Witzig ist der kurze Aluschaltknauf, der wie bei der Citroen-Ente aus der Mittelkonsole kommt. Na ja, nicht ganz so karg. Aber das Prinzip erinnert an den 2 CV.

Musikwunsch: Mehr Grummeln
Der Motor startet nicht unbedingt sportwagenlike. Er ist zwar zu hören, könnte aber grummeliger sein. Dafür ist der Antritt beachtlich. Mit Wut im Bauch sollte man die Kupplung nicht loslassen. Da es keine Traktionskontrolle gibt, sind eine Gummispur und böse Blicke nicht so autobegeisterter Menschen das Resultat eines Kavalierstarts.

Bei 6.000 ist lang noch nicht Schluss 
Das Zweiliteraggregat dreht freudig nach oben. Dabei zieht es den Sport-Honda kräftig und ohne Pause nach vorn. 6,8 Sekunden braucht der R-Type auf Hundert. Ein respektabler Wert.

Bei 6.000 Umdrehungen passiert etwas Wunderbares: Während sich andere Autos hilflos in den Begrenzer husten, gibt es beim Type R noch eine spürbaren Schubs ins Kreuz. Dieser Vorwärtsdrang reicht bis etwa 7.400 Umdrehungen, wenn die Höchstleistung von 200 PS erreicht wird.

Nach Bedarf geöffnet
Um dem Motor ein derartiges Leistungspotenzial zu entlocken, verwendet der japanische Hersteller ein besonderes System der Ventilsteuerung. Unter anderem Ventil-Öffnungszeiten und Ventilhub werden variabel gesteuert: "i-VTEC“ heißt das bei Honda. Je nach Bedarf kann die Motorsteuerung die Leistung optimieren. Dadurch entsteht die extrem flache Drehmomentkurve.

Bisschen laut
Die Höchstgeschwindigkeit beträgt laut Fahrzeugschein 235 km/h. Ab etwa 200 tut sich der Type R allerdings zunehmend schwerer, diesen Wert erreichen zu wollen. Und noch was aus der Meckerecke: Wer schnell und viel arbeitet, macht Krach. So auch der Vierzylinder. Auf langen schnellen Autobahnfahrten wird das laute Geräusch die Maschine leicht nervig.

Sechs knackige Gänge
Bei der Beschleunigung hilft das eng abgestufte Sechsgang-Getriebe. Exakt und mit kurzen Wegen flutschen die Gänge. Es wurde speziell für den Type R entwickelt. Bemerkenswert ist allerdings die Elastizität, die im sechsten Gang selbst bei niedrigen Drehzahlen noch spürbare Beschleunigungen zulässt.

Fahrwerk tiefergelegt
Ein kräftiger und elastischer Motor macht aber immer noch keinen Sportwagen aus. Da wäre also noch das Fahrwerk. Beim Type R ist dieses um 15 Millimeter tiefergelegt. Es passt insgesamt zum starken Antritt des Type R. Er liegt satt und sicher auf der Straße. Kurven werden saugend genommen. Dazu passt die direkte Servolenkung. Sie wird elektrisch unterstützt.

Ebenfalls angenehm sind die zupackenden Bremsen aufgefallen. Auch sie bekommen Hilfe von der Elektronik. Das Antiblockiersystem ABS hilft mit der elektronischen Bremskraftverteilung EBD beim Anhalten.

Straff, aber nicht unangenehm
Ein straffes Fahrwerk wird aber immer auch mit einem Quentchen Komfort bezahlt. So gibt sich der Unterbau auf der Geraden recht hart und empfänglich für Querrillen. Das sollte man aber relativ gelassen zur Kenntnis nehmen. Was ist das schon gegen den Fahrspaß mit dem Type R?

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