Hyundai Accent: Kompaktmodell auf Augenhöhe der Konkurrenz positioniert 

Hyundai Accent: Kompaktmodell auf Augenhöhe der Konkurrenz positioniert 
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Heilbronn, 28. März 2003 – Er ist der einzige deutsche Fahrer in der Rallye-WM und trug dazu bei, dass Hyundai die Saison 2002 als Vierter beendete: Armin Schwarz. Nach seinem WM-Debüt im Jahr 1988 in einem Audi 200 quattro hatte der Franke Engagements bei verschiedenen Rennställen, bevor er im Jahr 2002 bei Hyundai anheuerte. Wir haben mit Armin Schwarz eine Runde in seinem Hyundai Accent WRC 3 gedreht. Außerdem haben wir erste Erfahrungen mit dem facegelifteten Serien-Accent für Sie gesammelt.

Ungleiche Brüder
Auch wenn Serien-Accent und Accent WRC 3 ähnlich aussehen – was den Motor angeht, sind sie schwer zu vergleichen. Begnügt sich das Serienauto mit rund 90 PS, so ist das Wettbewerbsauto mit einem Zweiliter-Turbomotor ausgerüstet, der etwa 300 PS leistet. Innen ist der Rallye-Bolide dagegen spartanisch ausgestattet: Ein paar Armaturen, die aussehen, wie von einem Hobbybastler zusammengeschustert, ein paar Stahlrohre, Kippschalter mit kryptischen Bezeichnungen – das war's dann auch schon. In einen engen Rennanzug und einen Helm gezwängt, nehmen wir in einem schmalen Schalensitz Platz und lassen uns mit verschiedenen Gurten zu einem Bündel verschnüren. Der Motor knallt ein paarmal und katapultiert uns dann auf die vereiste Rallyerunde. 

Weniger als vier Sekunden auf 100 km/h
Der WRC 3 beschleunigt mit seinem Allradantrieb in weniger als vier Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Die Reifen sind Spezialanfertigungen mit mehreren Millimeter langen Stahlspikes. Doch auf der völlig vereisten Spur drehen auch bei einem Könner wie Armin Schwarz oft die Räder durch.

Tiefe Spurrillen, schöne Powerslides
In der ersten Kurve genießen wir den Powerslide, mit dem Armin das Auto durch die weiße Pracht zirkelt. Es macht Spaß, seitlich dahinzugleiten. In der nächsten Biegung sehen wir voll Schrecken rund 30 Zentimeter tiefe Fahrrillen in der Spur. Armin schafft es trotz halsbrecherischem Tempo, die Reifen auf den Buckeln zu halten. Nachher versichert er uns, dass das Auto von vorn bis hinten mit einem Unterbodenschutz versehen ist. Dann geht es durch den Wald: Das Auto schlingert hin und her, und wir befürchten, Bestandteile der Vegetation mitzunehmen. Dann noch zwei oder drei seitliche Schlidderpartien durch das aufstaubende Weiß, und unsere Fahrt ist leider schon wieder beendet.

Überarbeiteter Accent
Anschließend setzen wir uns mit zitternden Knien in das Serienmodell, um die überarbeitete Version des Accent für Sie zu testen. 

Stummelheck
Doch zunächst zu den Veränderungen gegenüber dem Vorgänger: Der Accent ist immer noch ein Auto der Golfklasse, besitzt aber ein Stummelheck wie etwa der Opel Astra. Front- und Heckpartie wurden optisch modifiziert. In der alten Version war das Auto schon ab 11.290 Euro zu haben. Damit gab es außer dem Kia Rio und ein paar Lada-Modellen keine Konkurrenten in der Kompaktklasse. Der Preis lag auf dem Niveau eines Kleinwagens.

Neupositionierung
Nun positioniert Hyundai das Fahrzeug neu. Mit einem Einstiegspreis von 13.990 Euro – also 2.700 Euro mehr – hat Hyundai nun mit Wettbewerbern wie Toyota Corolla oder Nissan Almera gleichgezogen.

Jedoch ist die Ausstattung wesentlich besser geworden: Mehrausrüstung im Wert von 1.650 Euro ist an Bord. Außerdem gibt es den Accent jetzt nur noch als Fünftürer, und die Einstiegsversion hat 13 PS mehr. Das Auto ist jedoch nach wie vor nur mit Trommelbremsen an der Hinterachse ausgerüstet – ein Ausnahmefall in der Kompaktklasse.

Ordentliche Verarbeitung
Die Verarbeitung des Accent ist in Ordnung. Zwar findet sich im Cockpit jede Menge Plastik, doch machen die Materialien einen haltbaren Eindruck. Lenkrad und Schaltknauf sind mit Leder bezogen, die Instrumente angenehm gestaltet und fast sportlich. Der Ganghebel hakelt nicht und wackelt nicht. 

Für Kleine gebaut
Das Auto ist jedoch eher für kleine Fahrer gebaut: Die Augen eines 1,75 Meter großen Fahrers befinden sich nicht in der Mitte, sondern auf Höhe des oberen Drittels der Windschutzscheibe. Nach hinten ist für ausreichende Rundumsicht gesorgt, und vorne vermitteln die hochgezogenen Kotflügel ein gutes Gefühl für die Breite des Fahrzeugs.

Vorne hui, hinten pfui
Ablagen sind im Cockpit in ausreichender Zahl vorhanden. Außer dem Handschuhfach, den üblichen Fächern an den Tür-Innenseiten und in der Mittelkonsole findet sich noch ein kleines Fach mit Klappe links neben dem Lenkrad. Im Fond fehlen dagegen die Türfächer.

In flott gefahrenen Landstraßenkurven würde man etwas mehr Seitenhalt durch die Sitze begrüßen. Nach oben dagegen sind dem Komfort kaum Grenzen gesetzt: Über dem Kopf eines 1,75 Meter großen Frontinsassen bleiben üppige acht Zentimeter Platz. Alle fünf Kopfstützen sind allerdings etwas zu kurz für die genannte Körpergröße. Ist der Fahrersitz entsprechend eingestellt, so bleibt einem ebenso großen Fondpassagier gerade ein Zentimeter Kniefreiheit. Legt man seinen Kopf im Fond an die Kopfstütze, so berührt man den Fahrzeughimmel. Für große Passagiere ist die Rückbank also weniger geeignet. 

Kofferraum
Die große Heckklappe des Accent öffnet sich weit nach oben – ein Vorteil, wenn große Gegenstände eingeladen werden sollen. Beim Herausheben schweren Transportguts ist eine Schwelle von 18 Zentimetern zu überwinden. Die Ladekante liegt 67 Zentimeter über dem Boden. Der Kofferraum ist zwischen den ein wenig einengenden Radkästen 97 Zentimeter breit und misst 80 Zentimeter in der Tiefe. Laut Hyundai ergibt sich so ein Laderaum von 321 Litern Kapazität – ein mittlerer Wert für diese Klasse.

Das Umlegen der Rücksitzlehnen – die Sitzbank lässt sich nicht kippen – geht leicht von der Hand. Nicht einmal die Kopfstützen müssen dazu entnommen werden, und auf den Vordersitzen haben dennoch 1,75 Meter große Passagiere Platz. Die Rücksitzlehne ist asymmetrisch geteilt.

Nach dem Umlegen der Rücksitze lässt sich die Hutablage leicht entfernen, und nun misst der Laderaum 1,50 Meter in der Länge und besitzt ein Volumen von 859 Litern.

Guter Kompromiss
Das Fahrwerk des Accent bietet einen guten Kompromiss zwischen Straffheit und Komfort. Auch bei 170 km/h fühlt man sich in dem Auto noch sicher, und die Fahrt bleibt komfortabel. Allerdings sind die Windgeräusche bei diesem Tempo auffällig laut. 

Weniger Varianten
Dass es den Accent nun nur noch als Fünftürer gibt, wurde schon erwähnt. Auch in anderer Hinsicht hat Hyundai den Wildwuchs der Varianten für den Kompakten eingeschränkt: Bisher gab es den Accent mit drei Benzinern und einem Diesel. Ab jetzt wird nur noch ein Benziner und ein Diesel und eine Ausstattung angeboten.

1,3-Liter-Benziner
Gegenüber dem Vorgängermodell stieg die Leistung des Einstiegsmodells von 75 auf 84 PS. Damit beschleunigt der Accent in 12,9 Sekunden auf 100 km/h. Wie beim Vorgänger genügt Normalbenzin. Die Motorisierung ist durchaus ausreichend für den Accent. Der Vierzylinder mit zwölf Ventilen zieht sich gut aus dem Drehzahlkeller und wirkt flott. Doch spätestens ab 4.500 U/min ist das Geräuschniveau störend.

1,5-Liter-Diesel
Der Common-Rail-Diesel klingt rau wie Selbstzünder älterer Bauart. Doch mit seinen 82 PS ist der Accent ansonsten gut motorisiert. Der Durchzug ist angemessen.

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