Lancia Phedra: Nobel-Van mit geglücktem Design

Lancia Phedra: Nobel-Van mit geglücktem Design
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Bensberg, 9. August 2002 – Bei gerade mal 1.500 verkauften Autos im ersten Halbjahr 2002 musste man die Marke Lancia schon fast für tot erklären. Neue Modelle sollen den Namen nun wieder erstrahlen lassen. Den Anfang machen die luxuriöse Limousine Thesis und der Van Phedra, der die Nachfolge des Z – sprich Zeta – antritt. Vom Phedra, der am 7. September 2002 auf den Markt kommt, haben wir erste Eindrücke gesammelt.

Ein an Limousinen gewöhnter Autofahrer muss sich zunächst ein wenig umstellen: Die große Distanz zwischen Lenkrad und Windschutzscheibe lässt das Gefühl aufkommen, Kapitän auf der Brücke eines Ozeandampfers zu sein. Außerdem ist die Handbremse links vom Fahrersitz angeordnet. Und die Hauptinstrumente befinden sich in der Mitte des Armaturenträgers statt vor dem Fahrer. Der Gangschalthebel ist etwas erhöht und damit zwar ungewohnt, aber sehr griffgünstig angeordnet. Alles in allem lässt sich der 4,75 Meter lange Van nach kurzer Eingewöhnung aber so einfach wie ein großer Pkw steuern.

Zentral angeordnete Instrumente
Raffinierter Gag: Die Hauptinstrumente sind zwischen einer Sichtblende und dem Instrumententräger aufgehängt. Dort gibt es ein großes Display für die Daten des serienmäßigen Navigationssystems, einen Tacho und einen Drehzahlmesser. Kilometerstand sowie eventuelle Fehlfunktionen werden in einem Feld direkt vor dem Fahrer angezeigt.

Viel Alcantara
Die Insassen umgibt viel Alcantara. Eine edle Holzleiste zieht sich unter dem Armaturenträger von links nach rechts. Die Mittelkonsole ist in kühlem Metall-Look gehalten. Die Atmosphäre wirkt edel, aber nicht schwülstig.

Die Karosserie behindert die Rundumsicht nicht. Praktisch besonders für Familien: Ein kleiner Weitwinkelspiegel lässt sich aus dem Fahrzeugdach herausklappen. Er kann zur Beobachtung der Kinder auf den Rücksitzen dienen.

Platz für zwei bis sieben
Ein Grund, warum sich immer mehr Menschen für Vans entscheiden, ist die hohe Variabilität. Wie steht es damit beim Phedra? Das Auto hat Platz für maximal sieben Personen. Sie nehmen auf individuell verschiebbaren und teils ausbaubaren Einzelsitzen Platz. Serienmäßig sind fünf Sitze an Bord. Gegen Aufpreis bekommt man eine viersitzige Version, bei der die Sitze in der zweiten Reihe weiter voneinander entfernt angeordnet sind. Für beide Versionen können zwei weitere Sitze als Extra geordert und als dritte Reihe eingebaut werden, so dass sich insgesamt sechs oder im andern Fall sieben Sitze ergeben. Die Höhe der Aufpreise steht bisher noch nicht fest.

Im Stau oder auf dem Parkplatz kann man sich zur Not zwischen den beiden Vordersitzen nach hinten hindurchzwängen. Außerdem lassen sich die Vordersitze um 180 Grad drehen. Wenn die zweite Reihe voll besetzt ist, bleiben dann nur rund 30 Zentimeter zwischen den Sitzen – sehr wenig für zwei gegenüberliegende Paar Beine. Wenn nicht alle Plätze in der zweiten Reihe belegt sind, kann man einen Sitz in der zweiten Reihe umklappen und als Tisch nutzen.

Recht viel mehr Variabilität als im Phedra kann man sich kaum vorstellen. Es sei denn, man erwartet einen ausbaubaren Fahrersitz...

Überzeugende Kopffreiheit
Der Sitzkomfort vorne überzeugt durch 15 Zentimeter Platz über dem Kopf eines 1,75 Meter großen Fahrers. In der mittleren Reihe bleiben elf Zentimeter über dem Kopf und fünf Zentimeter vor den Knien, wenn alle Sitze für 1,75 Meter große Passagiere eingestellt werden. Die dritte Sitzreihe ist eher für Kinder geeignet, obwohl auch Erwachsene noch einen halben Zentimeter Platz vor ihren Knien und einen Zentimeter über dem Scheitel haben.

Der Zugang zur letzten Reihe klappt auch beim Siebensitzer relativ problemlos. Dazu muss die Sitzlehne in der mittleren Reihe umgeklappt und dann der Sitz als Ganzes nach vorne geklappt werden. Ob ein kleineres Kind das allerdings schafft, erscheint fraglich.

Die Klappe des Kofferraums öffnet weit nach oben. Darunter kommt bei installierter dritter Sitzreihe ein recht kleiner Stauraum zum Vorschein. Sind die Zusatzsitze ausgebaut, ergeben sich knapp 1.500 Liter, mit nur zwei Sitzen gar gewaltige 2.948 Liter Stauvolumen. Die Ladekante ist angenehm niedrig.

Vier Motoren zur Auswahl
Für den Phedra stehen vier Motoren zur Auswahl, zwei Benziner und zwei Diesel. Mit dem 109 PS starken Zwei-Liter-Diesel ist der Phedra ausreichend motorisiert, aber bei einem Leergewicht von 1.773 Kilo darf man keine sportlichen Leistungen erwarten. Und wenn das Auto voll beladen ist, kommt wahrscheinlich weniger Fahrfreude auf. Das Fahrwerk ließ bei unserem Kurztest keine Schwächen erkennen.

Die Preise für den Phedra beginnen bei 29.350 Euro. Damit ist der Lancia das teuerste Mitglied der Eurovan-Familie, also der Vans von Citroën, Peugeot, Fiat und Lancia, die auf derselben Plattform basieren. Citroën C8 und Peugeot 807 sind rund 4.000 Euro billiger zu haben. Für den Fiat Ulysse steht noch kein Preis fest, aber er wird preislich wohl nicht an den Phedra heranreichen.

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