Mazda MX-5: Für Frischluft-Freaks

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München, 31. Oktober 2002 – Seit 1990 nimmt der Mazda MX-5 bei deutschen Roadsterfans einen der oberen Plätze in der Hitliste ein. Dass das Auto seit seinem ersten Auftauchen nur geringfügig modifiziert wurde, tut dem Zuspruch in keiner Weise Abbruch. 

Weit mehr als 600.000 MX-5 wurden produziert. Das reichte für einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde als weltweit erfolgreichster Roadster. Wir haben ihn als Sondermodell Phoenix mit der 146 PS starken 1,9 Liter-Maschine getestet. 

Rabenschwarzer Phoenix
Wie Phoenix aus der Asche erscheint unser rabenschwarzer Testwagen. Mazda nennt die Farbe allerdings Brillant-schwarz. Über sein Gefieder gibt es nicht viele Worte zu verlieren. Mit seinen leicht geschwungenen Linien und seinem unaufdringlichen Charme ist er längst zum Klassiker geworden. Auffällig sind die speziellen Fünfspeichen-Phoenix-Alus.

Kleiner Einstieg
Man bezeichnet den Mazda-Fünfer gern als "hübschen kleinen Roadster". Wenn man als Fahrer ebenso hübsch, aber eben ein wenig breiter als der Durchschnitt ist, sollte man sich mit dem Einsteigen besondere Mühe geben. Man muss ziemlich konzentriert durch die kleine Öffnung krabbeln, um bequem in Sitzposition zu kommen. Besonders wenn das Dach noch geschlossen ist, offenbart sich der kleine Größen-Unterschied zwischen dem Fünfer von Mazda und dem von BMW

Aufriss in fünf Sekunden
Das ist Pflicht: Wenn es nicht gerade regnet oder schneit, fährt man einen Roadster offen. Deswegen hat man ihn ja gekauft. Und deswegen hat der Mazda vermutlich auch kein Außenthermometer. Er ist also nichts für diese langweiligen "vor-18-Grad-mach-ich-mein-Cabrio-nicht-auf"-Leute.

Der Aufriss gestaltet sich einfach: Zwei Hebel über den Sonnenblenden lösen, den Dachgriff mit einer Hand fassen und das Teil lässig nach hinten kippen. Das dauert fünf Sekunden. Vielleicht heißt er deshalb Mazda MX-5.

Eine Besonderheit des Verdecks ist die Heckscheibe aus Glas. Zum einen ist sie damit beheizbar, zum anderen leidet sie nicht in der Waschanlage. Sie bietet damit auch bessere Sicht als eine Plastikfolie. Ein kleines, aufklappbares Schott schützt in ebenso kleinem Maße vor Windverwirbelungen im Innenraum.

Freude für Fummler
Dann heißt es wieder auszusteigen. Für längere Fahrten empfiehlt es sich nämlich, die Persenning anzuklipsen. Sie schützt das Verdeck vor Schmutz. Dieses rein praktische Ansinnen kann die Schutzhülle auch nicht verleugnen: Sie sieht aus wie im Werkunterricht gebastelt. Beim Dranmachen werden Fummler ihre helle Freude haben. Mit ein bisschen Übung schafft man es aber in knapp einer Minute.

Angenehme Sitze
Wieder in den Sportsitz des Phoenix gekrabbelt, fühlt man sich sofort wie zu Hause. Piloten- und Copilotensessel sind zwar nicht höhenverstellbar, aber mit schickem rotem Leder bezogen und noch dazu beheizt. Die Lehnenneigung ist ebenfalls nur begrenzt einstellbar. Das Lenkrad lässt sich in der Höhe gar nicht variieren. Trotzdem ist der Sitz bequem. In punkto Sitzhöhe muss man Kompromisse eingehen: Menschen mit langem Oberkörper wird die obere Kante der Frontscheibe wie ein Brett vor dem Kopf vorkommen. Abhilfe: Einfach ein bisschen tiefer rutschen, dann passt es schon.

Platz ist in der kleinen Hütte
Der Innenraum wirkt zwar nicht übermäßig groß, aber durchdacht konzipiert und aufgeräumt. Hinter dem handlichen Nardi-Sportlenkrad schimmern beim Phoenix weiß hinterlegte Instrumente mit roten Zeigern. Am Volant ragen zwei Hebel für Blinker und Scheibenwischer hervor. In ihrer Massivität passen sie nicht so recht in den ansonsten filigran gehaltenen MX-5. 

Abschließbares Staufach
Für Kleinigkeiten gibt es genügend Staufächer. Das größte davon ist ebenso wie das Handschuhfach abschließbar. Es beherbergt gleichzeitig die Fernentriegelungen für Tankklappe und Kofferraum. Fingerspitzengefühl verlangen die runden Luftdüsen. Sie optimal einzustellen gelingt erst nach einiger Übung.

Sauberer Anzug
Optimistisch grummelnd erscheint der 1,9-Liter-Vierzylinder zur Arbeit. Sauber und kraftvoll kommt er von unten heraus. Zwar gibt er sich beim Hochdrehen brummig, entschädigt dafür aber mit einem gleichmäßigen Vorwärtsdrang. Bei 7.000 Umdrehungen erreicht die Maschine ihre maximale Leistung von 146 PS. Auf dem Weg dorthin würde man sich ein wenig mehr Sportwagen-Sound und weniger Bohrmaschinen-Sirren wünschen. 

Feuervogel lernt das Fliegen
Anders das Fahrwerk: Es verleugnet die klassischen Roadsterqualitäten nicht. Der tiefe Schwerpunkt und der kurzer Radstand machen dem MX-5 zum Liebespartner der Straßenbiegungen. Als wolle er sich mit den Kurven vereinen, schmiegt er sich an den Asphalt. Überschreitet man die Grenzen der Physik ein wenig, lässt sich die Fliehkraft in diesem Grenzbereich gut mit dem Gaspedal regulieren. Die direkte Lenkung leistet ihren Part zum Wedel-Spaß. Bei nasser Straße sollte der Kleine allerdings nicht überfordert werden: Hier wird er schnell zur schwer beherrschbaren Heckschleuder.

Schaltung als Spaß-Feature
Wer gern ein Auto mit Handschaltung fährt, erlebt den knackig-kurzen Gangwechsel im MX-5 als himmlisches Vergnügen. Der kurze Hebel schmiegt sich angenehm in die Hand. So kann man mit sanftem Druck und fast fingerleicht die passende Getriebeübersetzung wählen. 

Selbst Anhalten macht Spaß: Der Befehl ans Bremspedal wird ohne zu zögern und kräftig in die Tat umgesetzt.

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