Frische Optik
Mitsubishi hat reagiert und den Pajero für das Modelljahr 2003 deutlich aufgewertet. Das ungeübte Auge wird die äußeren Modifikationen kaum wahrnehmen. Ein neuer Kühlergrill, ein größeres und verchromtes Drei-Diamanten-Logo und Chrom-Umrandungen der Scheinwerfer sind die Änderungen an der Front. Die Seitenansicht bietet nun großflächigere Schutzleisten und Seitenblinker in Klarglasoptik.
Darüber hinaus sind die wulstigen Trittbretter jetzt beleuchtet. Nüchtern betrachtet haben die seitlichen "Einstiegshilfen" übrigens keinerlei praktische Funktion. Im Gegenteil: Sind sie nach einer Schlammpartie matschverkrustet, kann man sich beim Aussteigen leicht das Hosenbein beschmutzen. Aber viele Kunden stehen auf den Abenteuer-Look der Trittbretter - schmutzige Hose hin oder her. Und die Beleuchtung verfehlt ihren zusätzlichen Show-Effekt keineswegs.
Aufgewerteter Herrensitz
Insgesamt wurde die ausgeprägte Macho-Aura des Pajero verfeinert und akzentuiert. Er strahlt weiterhin Autorität und Großmut aus. Diesen Eindruck vermittelt auch die hohe Sitzposition. Der Fahrer thront über den Dingen und dirigiert einen kolossalen Kombi mit Allradantrieb.
Platzangebot und Sitzkomfort sind auf Oberklasseniveau. Im Dreitürer mangelt es lediglich den Fondpassagieren an Fußraumtiefe. Und die aus dem Kofferraumboden herausklappbare dritte Sitzreihe beim Fünftürer bietet naturgemäß keine langstreckentauglichen Sitzplätze.
Der Innenraum überzeugt durch zeitgemäßes Ambiente. Alles drin, alles dran und alles da, wo es hingehört. Die Materialien wirken geschmackvoll und hochwertig. Einzig der Blick auf die Armaturen enttäuscht: Die sechs analogen Rundinstrumente versprühen den Charme der 80er-Jahre. Irgendwie unpassend im sonst edlen Interieur der Ausstattungsvariante Elegance.
Zentrum die Ausstellung
Apropos Elegance: Das Motto lautet hier "Alles inklusive". Der Pajero bietet in dieser Version nahezu das gesamte Sonderzubehör. Und dazu zählen neuerdings ein beeindruckend großes elektrisches Glasschiebe-Hubdach, ein edles Holz-Leder-Lenkrad und Applikationen in Titan-Optik.
Für den 49.950 Euro teuren Pajero Elegance mit 3,5-Liter-V6-Benzinmotor kann man lediglich noch ein DVD-Navigationssystem mit großem Farbdisplay und Fernbedienung bestellen. In allen Versionen kostet es 3.400 Euro zuzüglich Einbau. Die hohe Investition lohnt sich: Neben wegweisenden Informationen gibt es eine amüsante Bedienungsanleitung. So lautet der Buchtitel auf Englisch "Center of Display" und wurde ins Deutsche mit der geistvollen Umschreibung "Zentrum die Ausstellung" übersetzt.
Da wir gerade beim Thema unglückliche Übersetzung sind: Der Name Pajero hat aufgrund seiner Bedeutung im Spanischen für einigen Hohn gesorgt. Schaut man jedoch im Spanisch-Deutsch-Wörterbuch, findet sich die wenig amüsante Übersetzung Strohhändler. Zumindest legt diese Interpretation die letzte Ausgabe des VEB Verlag Enzyklopädie Leipzig nahe. Wehe dem, der hinter dem Wort Pajero irgendetwas Peinliches vermutet.
Pajero kennt keine Grenzen
Im Gelände präsentiert sich der Strohhändler erwartungsgemäß als schwer aufzuhaltende Wühlmaus. Geländeuntersetzung, Sperrdifferenzial und die neue Traktionskontrolle MATC sorgen für ein sicheres Vorankommen selbst in wirklich rauen Gegenden.
Im Geländeeinsatz verhält sich der Pajero durchwegs souverän. Es ist ein Leichtes, ihn durch tiefen Schlamm zu dirigieren, knackige Steigungen zu nehmen, Hügel und Hubbel zu überfahren. Ein Knarren oder Ächzen haben wir dabei nicht vernommen.
Agiler Kurvenflitzer
Seine Fahrwerkskonstruktion mit selbsttragender Karosserie und Einzelradaufhängung verschafft dem Pajero eindeutige Vorteile auf der Landstraße. Das für schwere Allradfahrzeuge typische kurvenunwillige Fahrverhalten ist dem Pajero nämlich weitgehend fremd. Besonders der kleinere Dreitürer beeindruckt durch gute Handlingeigenschaften. Mit 235 Millimeter weniger Radstand und über 100 Kilogramm weniger Gewicht zeigt er sich gegenüber dem Großen spürbar agiler. Anbremsen, einlenken und mit Gas aus der Kurve heraus beschleunigen - das funktioniert beinahe so gut wie bei einem sportlichen Flitzer. Doch auch der Fünftürer macht auf Asphalt eine gute Figur.
Und damit bietet der Diamantenträger das Beste aus zwei Welten: Er lässt sich beeindruckend leichtfüßig durch schweres Gelände und auf normalen Straßen bewegen.
Neue Fahrhilfen I
Im Modelljahr 2003 geschieht dies übrigens mit mehr Effizienz und Sicherheit. Bei schnellen Kurvenfahrten reduziert die neue Fahrstabilitäts-Regelung MASC (Mitsubishi Active Stability Control) Gefahrensituationen. Sie arbeitet wie vergleichbare Systeme anderer Hersteller. Drohen Unter- oder Übersteuerungsreaktionen, erkennt dies eine Rechnereinheit und leitet Gegenmaßnahmen ein. Die Motorleistung wird reduziert und die einzelnen Räder dosiert abgebremst. Ein Ausbrechen des Fahrzeugs wird unwahrscheinlicher und der Kurvenradius verringert.
Neue Fahrhilfen II
Nicht nur auf asphaltierten Fernwegen, auch im Gelände ist die neue Traktionskontrolle MATC (Mitsubishi Active Traction Control) hilfreich. Die optimal kontrollierte Traktion lässt nur kurzzeitig ein Durchdrehen der Antriebsräder zu. Auf verschneiten, bergigen Landstraßen nimmt der Pajero deshalb ohne Mühe Fahrt auf. Auf schlammigen Untergrund greift MATC ebenso unterstützend ein.
Doch die Traktionskontrolle stößt auch an ihre Grenzen. Wer den Pajero ungeschickt durch tiefen Matsch bewegt und für ständig durchdrehende Räder sorgt, überfordert die Technik. Ein Piepton signalisiert den Insassen dann ein überlastetes System und mahnt zu überlegter Fahrweise.
Neue Fahrhilfen III
Eine weitere Neuheit des Pajero 2003 ist die Engine Brake Assist Control. Geht bei schwierigen Hangabfahrten durch ein ausgehobenes Rad einer Achse die Motorbremswirkung verloren, bremst das System das besser haftende Rad dieser Achse über die Radbremse ab. Dadurch wird eine Wirkung erzielt, die mit jener der Motorbremse vergleichbar ist.
Kleine Motorenpalette
Die Motorenpalette bleibt unverändert. Auch 2003 gibt es den beliebten 3,2-Liter-Diesel-Direkteinspritzer. Mittlerweile werden 98 Prozent aller in Deutschland verkauften Pajero mit diesem Antrieb bestellt. Er leistet 160 PS und verhilft dem Allradler zu einer Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h. Der Verbrauch liegt laut Hersteller je nach Ausführung bei klassentypischen 9,5 bis 10,5 Litern Diesel. Typisch auch die unüberhörbare Diesel-Akustik. Dafür zeigt sich der Motor im Zusammenspiel mit der Fünfgang-Automatik sehr kultiviert. Wobei das Drehmoment von 373 Newtonmetern auf Wunsch auch für wuchtigen Vortrieb sorgt.
Wer dieses Leistungspotential intensiv nutzen will, sollte bei der Fünfgang-Automatik den Sportmodus wählen. Dieser ermöglicht den manuellen Gangwechsel. Den Diesel gibt es optional übrigens auch mit Fünfgang-Schaltgetriebe.
Ausschließlich mit Automatik ist der 3,5-Liter-V6-Benzinmotor zu haben. Im Stand kaum hörbar, zeigt sich der Flüsterantrieb beim Gasgeben sehr agil. Deutlich spritziger und laufruhiger als der Diesel, genehmigt sich der 202 PS starke V6 laut Hersteller jedoch im Schnitt 14,2 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Seine Höchstgeschwindigkeit liegt bei 185 km/h. Der Benziner ist der eindeutig kraftvollere und seidigere Motor, dafür aber auch der kostenintensivere.
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