Nissan Primera: Neuer Luxus in der Mittelklasse

Nissan Primera: Neuer Luxus in der Mittelklasse
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München, 29. November 2002 – Eine Limousine, die optisch keine ist. So preist Nissan den Primera in seiner nunmehr dritten Generation. Tatsächlich vereint die neue coupéhafte Form Kofferraum, Fahrgastkabine und Motorraum in fließend eleganter Weise. Mit straffen Oberflächen und scharfen Kanten wirkt er außerdem mutig und modern. Den Mief von Wackel-Dackel und Volksmusik hat der Mittelklasse-Japaner hinter sich gelassen. 

Seit Frühjahr 2002 steht der Name Primera deshalb nicht mehr für eine graue Gesichtslosigkeit, sondern für Aufmerksamkeit heischende Avantgarde. Auch in Punkto Größe, Technik und Ausstattung hat er einen Quantensprung vollzogen. Ebenso gewachsen der Preis: Die von uns getestete Top-Variante 2.0 Tekna mit CVT-Getriebe und Birdview-Navigation schlägt mit stolzen 33.000 Euro zu Buche. Ob sich die Investition in Hightech und Luxus lohnt, klärt der folgende Testbericht.

Willkommen in der Zukunft
Der Blick in den Innenraum überrascht mit futuristischem Design und luxuriösem Ambiente. Innovativ ist die Anordnung der drei Rundinstrumente in der Mitte des Armaturenbretts. Trotz ungewohnter Position kann man dort problemlos Informationen zu Geschwindigkeit, Motordrehzahlen und Tankinhalt ablesen.

Die Mittelkonsole beherbergt eine Bedienzentrale mit kleinem Joystick. Über diesen zentralen Funktionsträger lassen sich unter anderem Audioanlage, Klima und Navigation steuern. Die mit Mehrfach-Funktionen belegten Schalter machen eine Eingewöhnungsphase unumgänglich. Wer sich Zeit nimmt, kann am aufgeräumten Arbeitsplatz dafür eine enorme Funktionsfülle entdecken. Multimedia fast wie beim neuen 7er BMW oder Audi A8.

Auf hohem Niveau auch das Platzangebot: Vorne wie hinten reisen die Passagiere auf edel gelederten, straffen Polstern mit viel Beinfreiheit. Der vielfach verstellbare Fahrersitz bietet eine optimale Fahrposition. Abzüge gibt es aber für die geringe Kopffreiheit im Fond. Aufgrund der coupéhaften Karosserie wird es für Personen mit einer Körpergröße jenseits der 1,80 Meter eng. 

Die Tekna-Version verwöhnt mit hohem Ausstattungsniveau: Die hochwertige Soundanlage schmeichelt selbst anspruchsvollen Ohren. Der Rückspiegel blendet automatisch ab. Sechs Airbags und fünf Dreipunktgurte sorgen für die passive Sicherheit der Passagiere. 

Der 450 Liter fassende Kofferraum ist gediegen. Er ist sauber verkleidet und beherbergt ein vollwertiges Ersatzrad. Mit wenigen Handgriffen lässt sich die Rücksitzbank umlegen und der Gepäckraum vergrößern. Aufgrund der kleinen Kofferraumöffnung eignet er sich jedoch nur mäßig für den Transport von sperrigen Gütern. 

Intelligenter Tempomat
Ein besonderer Leckerbissen ist die Geschwindigkeitsregelanlage mit automatischem Abstandhalter. Auf der Autobahn stellt man Reisegeschwindigkeit, der Sicherheitsabstand wird automatisch eingehalten. Selbst bei hohem Verkehrsaufkommen ist entspanntes Cruisen somit kein Problem. Der Fahrer blinkt und lenkt, den Rest regelt die Technik. Und die funktioniert verblüffend gut: Nähert man sich einem langsameren Fahrzeug, bremst sich die Elektronik auf vorausfahrende Verkehrsteilnehmer ein und hält deren Geschwindigkeit. So lange, bis der Vordermann nach rechts zieht. Dann wird wieder auf die zuvor eingestellte Geschwindigkeit beschleunigt. 

Das System zeigt sich in der Praxis erfreulich ausgereift. Die unbestechliche Technik legt aber auch in erschreckender Weise die Aggressivität auf deutschen Autobahnen offen. Wer einen angemessenen Sicherheitsabstand hält, wird im Rückspiegel die Zornesröte in den Augen des Hintermanns sehen. Ein gesundes Maß an Sicherheit ist eben nicht gefragt.

Navigieren in drei Dimensionen
Sei's drum. Beschäftigen wir uns mit den spektakulären Ein- und Aussichten der 3D-Birdview-Navigation mit DVD-Laufwerk: Auf großem Farbbildschirm wird die Fahrstrecke und Umgebung dreidimensional angezeigt - eine gewöhnungsbedürftige aber auch hilfreiche Darstellungsweise. Sie macht in vielen Situation die komplexe Straßenführung transparenter und bietet eine zusätzliche Orientierungshilfe - auch wenn die Zielführung nicht aktiv ist. 

Zur besseren Orientierung verhilft auch die Rückfahrkamera. Sie liefert ein brauchbares Bild beim Einparken und minimiert damit die Wahrscheinlichkeit, die in Wagenfarbe lackierten Stoßfänger der recht unübersichtlichen Karosserie zu verkratzen. 

Fahrwerk und Bremsen
Das Fahrwerk des neuen Primera zeichnet sich weniger durch Sportlichkeit als durch Komfort aus: Bei schneller Kurvenfahrt schiebt er deutlich über die Vorderräder, bleibt insgesamt aber immer gut beherrschbar. Dazu trägt auch die leichtgängige und präzise Servolenkung bei. 

Die Federung ist weder dynamisch noch weich. Auf schnellen Autobahnetappen lässt das Komfortniveau jedoch Wünsche offen. Die straffe Abstimmung führt zu gelegentlichem Poltern. In dieser Fahrzeugklasse gibt es überzeugendere Kompromisse aus Dynamik, Sportlichkeit und Komfort: Beim Audi A4 oder 3er BMW wurde das spürbar besser gelöst.

Uneingeschränktes Lob verdienen dafür die gut dosierbaren und kräftig zupackenden Bremsen. Die vier Scheiben bringen im Zusammenspiel mit ABS und Bremsassistent den Primera sauber und schnell zum Stehen.

Motor/Getriebe
In Kombination mit dem CVT-Getriebe ist der Zwei-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor kein Wunderwerk der Leistungsentfaltung. Dank dieser stufenlosen Automatik sind Schaltvorgänge zwar nicht spürbar, was für einen angenehmen Komfort sorgt. Doch ein gediegener Schub beim Kickdown bleibt aus. Wer ordentlichen Vortrieb fordert, nimmt zunächst nur den deutlich lauter werdenden Motor wahr. Beim Beschleunigen schnellen zunächst die Drehzahlen nach oben. Erst allmählich wird auch der Wagen schneller. Die bei 6.000 Umdrehungen zur Verfügung stehenden 140 PS haben ein zurückhaltendes Temperament.

Das 1.415 Kilogramm schwere Gefährt erreicht aus dem Stand die 100-km/h-Marke nach 10,9 Sekunden. Mit Schaltgetriebe braucht es lediglich 9,6 Sekunden. In Sachen Durchzug und Endgeschwindigkeit kann der Primera mit stufenloser Automatik also kaum begeistern. Auch beim Verbrauch sorgt das Getriebe anders als bei einem Audi A4 mit CVT für schlechtere Werte im Vergleich zum Schaltgetriebe.

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