Fahrbericht: Nissan Pickup 4x4 2.5 DI Navara

Fahrbericht: Nissan Pickup 4x4 2.5 DI Navara
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München, 12. Juli 2002 – Wahrscheinlich wissen Sie es noch nicht. Aber seien Sie gewiss: Ihr nächster Traumwagen wird ein Pickup. Zumindest, wenn Sie unseren Testbericht vom neuen Nissan Pickup 4X4 2.5 DI Navara lesen. Die Bekanntschaft mit dem geländegängigen Transporttalent könnte Ihr automobiles Wunschdenken neu definieren.

Lifestyle in Reinkultur
Pickups führen hierzulande ein Schattendasein. Dieser Umstand ist schwer nachvollziehbar, sofern man einige Zeit mit einem solchen Gefährt unterwegs ist. Nicht nur bei Dachdeckern und Landwirten gelten sie als exzellente Arbeitspferde.

Auch freizeitorientierte Leute dürften Gefallen an einem Pickup finden. Anstatt pomadig mit einem TT oder SLK auf den Flaniermeilen unserer Großstädte zu fahren, sollten Sie auf dem geländegängigen Kleintransporter Ihr Jet-Ski huckepack nehmen und direkt an den Strand brausen. Das sieht gut aus und fühlt sich auch verteufelt gut an. Es ist schon ein erhabenes Gefühl, auf der Ladefläche rumzuturnen und von den anderen Strandgästen beim Entladen beobachtet zu werden. Das ist Lifestyle in Reinkultur.

Geschmackvoll außen und innen
Nicht allein sein Transporttalent macht den Nissan Navara zum attraktiven Partner. Er besticht durch ein kraftvolles und zugleich elegantes Design. Markant und praktisch sind die Trittbretter an den Seiten und an der verchromten hinteren Stoßstange. Die modernen Scheinwerfer in Klarglasoptik mit integrierten Blinkerleuchten machen ihn zum Landjungen mit Sakko und Schlips.

Der Innenraum ist zwar primär auf Funktionalität ausgelegt, bietet aber Komfort, der sonst eher Pkws vorbehalten war. In der grauen Plastiklandschaft sorgen die weiß unterlegten Armaturen und die Veloursverkleidung an den Türen für etwas Abwechslung. Die Verarbeitung und Ergonomie ist einwandfrei.

Die Beinraumtiefe ist für ein hohes Auto sehr gering. Man sitzt mit lang gestreckten Gliedern nur knapp überm Bodenblech. Es gibt keine Möglichkeit, den Fahrersitz in der Höhe zu verstellen. Trotz dieses Manko ist der Sitzkomfort durchaus langstreckentauglich.

Die üppige Serienausstattung beinhaltet elektrische Fensterheber, elektrisch einstellbare und beheizbare Außenspiegel, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, Klimaautomatik, Lenkrad und Schaltknauf mit Lederbezug und zwei Airbags. Eitle Beifahrer werden einen Schminkspiegel in der Sonnenblende vermissen. Dafür hat der Mitfahrer einen eigenen Aschenbecher. Für Raucher ist der Navarra also vorbildlich ausgestattet. Jetzt fehlt nur noch der Bierdosenhalter mit Kühlfunktion. Den gibt es aber nicht mal gegen Aufpreis.

Seine gute Ausstattung schlägt sich im Preis nieder: 26.290 Euro sind kein Pappenstil. Die Zeiten, als Pickups günstige Nutzfahrzeuge waren, sind wohl endgültig vorbei.

Ein Sprinter unter den Pickups
Mit viel Leistung und gutem Durchzug beeindruckt der neue 2,5-Liter-Turbodiesel. Beim Start rüttelt und nagelt der moderne Direkteinspritzer zwar wie ein robustes Dieselross. Doch keine Angst: Im Fahrbetrieb kommt kein Traktorfeeling auf. Der Selbstzünder zeigt athletische Talente und gute Manieren. In allen Verkehrssituationen kann man wunderbar mithalten und kommt flott voran. Ab 2.000 U/min steht ihm ein wuchtiges Drehmoment von 304 Newtonmetern zur Verfügung. Der Sprint von Null auf 100 km/h ist nach 13,3 Sekunden beendet. Der Vortrieb endet bei 160 km/h.

Mit dieser Leistung fährt er aber der Konkurrenz von Toyota, Mitsubishi und Land Rover davon. Nachteilig ist jedoch der recht hohe Verbrauch: Wir haben je nach Fahrweise zwischen 10,7 und 13,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer verbraucht. Im Durchschnitt genehmigte sich der Navara 11,8 Liter Dieseltreibstoff.

Transporttalent
Die von uns getestete Karosserievariante King Cab bietet einen interessanten Kompromiss zwischen Ladefläche und Innenraum. Auf der 1,86 Meter langen und 1.06 Meter breiten Ladefläche lassen sich große Sportgeräte wie Motorräder an vier stabilen Verzurrösen sicher fixieren. Insgesamt bietet der Navara King Cab eine Nutzlast von 861 Kilogramm.

In der Fahrerkabine befindet sich hinter den beiden Sitzplätzen ein großzügiger Stauraum für Gepäck. Mit den hier untergebrachten, seitlich ausklappbaren Zusatzsitzen kann der King Cab kurzerhand auch zum Viersitzer umfunktioniert werden. Der Sitzkomfort ist hier aber stark eingeschränkt. Die Zusatzsitze sind also nur für den Notfall gedacht.

Mustergültig ist hingegen die Rundumsicht mit den großen Außenspiegeln und der hervorragenden Sicht nach hinten. Lediglich mit der Länge von 5,09 Metern und dem großen Wendekreis von 13,2 Metern ist der Nissan kein sonderlich praktisches Auto für die Stadt.

Ab ins Gelände
Dafür kommen Sie mit dem Navara in anderen Verkehrssituationen weiter als mit normalen Pkws. Mit Vierradantrieb und der zuschaltbaren Getriebeuntersetzung lässt sich auch schwieriges Gelände meistern. Seine maximale Steigfähigkeit liegt bei 78 Prozent, der Böschungswinkel bei 32 Grad und eine Wasserdurchfahrt ist bis zu einer Tiefe von 45 Zentimetern möglich.

Für den Asphaltbetrieb kann übrigens zwischen Zweirad- und Vierradantrieb gewählt werden. Der Zweiradantrieb hilft vor allem Sprit zu sparen. Dafür drehen im Zweiradantrieb die beiden Hinterräder beim Anfahren leicht mal durch.

Wankelmütiger Transporter
Der Nissan ist kein dynamischer Kurvenräuber. Sein Fahrwerk ist für den Transport schwerer Güter und auf Geländetauglichkeit hin optimiert. Dazu gehören nun mal Starrachse und Blattfederung hinten. Somit kann er immerhin einiges auf seiner Ladefläche befördern und schwieriges Terrain meistern.

Wer aber schnittig um die Kurve will, dem kann leicht mal mulmig werden. Schnelle Richtungswechsel straft er mit starken Wankbewegungen. Die Straßenhaftung ist in Kurven alles andere als satt. Dafür überzeugen die Bremsen mit guter Verzögerung und Ansprechverhalten. Sein Vierkanal-ABS sorgt zusätzlich für eine sichere Verzögerung.

Trotz seiner robusten Fahrwerksauslegung spult der etwas hart gefederte Navara lange Autobahnstrecken bemerkenswert komfortabel ab. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h bliebt er spurstabil und überrascht mit einer angenehm ruhigen Innenraumakustik. Bei kurz aufeinanderfolgenden Bodenwellen fängt er aber ordentlich an zu rumpeln.

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