Dame mit Hut: "Gehobene" Klasse
Der Vel Satis wirkt mit seinem relativ hohen Auftreten wirklich wie ein Auto der "gehobenen" Klasse. Entsprechend ist die Werbung im Fernsehen: Eine Dame mit einem breitkrempigen Hut steigt problemlos und bequem in den Vel Satis ein.
Mehr Platz über dem Kopf
Die V-förmig geschnittene C-Säule mit der gewölbten Panorama-Heckscheibe erinnert ein bisschen an einen Ami-Schlitten der fünfziger Jahre. Gleichzeitig beschert diese Machart den Insassen im Fond spürbar mehr Kopffreiheit als in einer herkömmlichen Limousine.
Entriegeln wie von Zauberhand
Mit dem Ziehen des Türgriffes entriegelt sich die respektable Limousine wie von Zauberhand. "Keyless Entry" macht's möglich: eine Karte, etwa so groß wie die für den Bankautomaten, steckt in der Tasche. Sie fungiert als elektronische Eintrittskarte in die Vel-Satis-Welt.
Magie verliert sich
Schade nur, dass sie damit ihre magische Wirkung verliert. Wie ein Zündschlüssel muss sie in einen Schlitz in der Mittelkonsole geschoben werden, bevor per Knopfdruck der Motor gestartet werden kann. Das ist zwar wörtlich übersetzt auch "keyless drive"- ohne herkömmlichen Zündschlüssel eben. Schade, denn im neuen Megane von Renault kommt bereits ein System zum Einsatz, bei dem auch zum Starten die Karte nicht mehr aus der Tasche genommen werden muss.
Bequeme Klub-Sessel
Aber diese Kleinigkeit vergisst man wieder, sobald man richtig Platz genommen hat. Von Sitzen zu sprechen, wäre untertrieben: Es sind eher Klub-Sessel. Um sie optimal einzustellen, muss man sich Zeit nehmen. Dank Memory-Taste lässt sich die Position zumindest beim Fahrersessel speichern.
Wie im Kino
Die Dame mit Hut scheint nicht nur ein Werbe-Mythos zu sein: Der Vel Satis bietet vorn wirklich eine Menge Platz nach allen Seiten. Wie im Kino kann man es sich bequem machen und zu zweit berührungsfrei nebeneinander sitzen. Die Fondpassagiere wissen Ähnliches zu berichten. Für sie gibt es neben einer großen Tür zudem Sonnenrollos an den hinteren Scheiben, eine Regelung für die Lüftung und eine Mittelarmlehne mit Staufach und Getränkehaltern.
Vertrauter Anblick
Lassen wir den Blick wieder in die Kommandozentrale schweifen: Die Armaturentafel wirkt zwar modern, aber dennoch vertraut. Die Gestaltung, schräg gestellte Instrumente mit einer Art Dach zu schützen, ist nicht neu bei Renault. Eine kleine Analoguhr sitzt wie ein waches Auge in der Mitte des Armaturenbrettes.
Brillenträger haben es schwer
Die wichtigsten Funktionen des Radios lassen sich zwar am Lenkrad bedienen, aber in punkto Funktionalität ließe sich an der Anlage noch einiges verbessern. So sind die Tasten am Gerät selbst viel zu klein. Nachts sind zudem nur einige beleuchtet. Während der Fahrt bedarf es eines ruhigen Fingers, um sie zielsicher zu treffen. Kurzsichtige Menschen brauchen zudem erst ihre Brille, um die Beschriftung zu erkennen. Außerdem lässt das Radio in punkto Klangqualität zu wünschen übrig: Der Sound dröhnt recht blechern zum Ohr.
Geheimfach vorm Beifahrersitz
Das ist aber der einzige funktionale Ausrutscher. Mit großen runden Drehreglern lässt sich die Zwei-Zonen-Klimaautomatik bedienen, die Tasten für das Navi-System befinden sich hinter einer Blende. Alle übrigen Schalter und Tasten für die Bedienung sind gut zu erreichen und eindeutig definiert.
Dass nicht alle der dezent-edel wirkenden Holzapplikationen nur zur Zierde da sind, merkt man nach einem spielerischen Draufdrücken. Direkt vor dem Beifahrersitz sind hinter der Holzblende zwei Dosenhalter und ein kleines Fach versteckt.
Viel Stauraum
Überhaupt, Stauraum: Neben ausklappbaren Türfächern verbergen sich unter allen Sitzen Schubladen für Kleinigkeiten. Zwischen den Vordersitzen ist in der Mittelarmlehne ebenfalls ein Fach untergebracht. Dort lässt sich auch ein Autotelefon einbauen. Die Lösung bei unserem Testwagen, bei dem das Telefon in einer Halterung an der Mittelkonsole befestigt wird, wirkt in dieser Klasse doch ein wenig überholt.
Starker Sechszylinder
Nach Druck auf den Startknopf setzen sich die sechs Zylinder des 3,5-Liter-Benziners unaufdringlich leise in Bewegung. Zum Losfahren wird der Automatikhebel auf "D" gestellt und Gas gegeben. Die Parkbremse löst sich von allein. Auf einem Display wird dem Fahrer auch mitgeteilt, dass die Feststellbremse deaktiviert wurde. Schaltet man den Motor aus, aktiviert sich die Bremse wieder.
ASR greift ein
Der V6-24-Ventiler mit 241 PS zieht vom Start weg kräftig an. Aber nicht nur das: In allen Drehzahlbereichen überzeugt das Antriebsaggregat durch Stärke und Elastizität.
Tritt man das Gaspedal beim Anfahren zu stark durch, greift die Antriebsschlupfregelung (ASR) des ESP etwas zu spät in den Frontantrieb ein. Peinlich quietschende Reifen sind die Folge.
Gerade auf nasser Fahrbahn hat die Traktionskontrolle viel zu tun. Das zentrale Display zeigt an, wenn das ESP oder seine Komponenten dem allzu forschen Wollen des Fahrers entgegenwirken. Der Wagen beschleunigt in rasanten 8,3 Sekunden auf Hundert und erreicht bei 235 km/h seine Höchstgeschwindigkeit.
Automatik schaltet weich
Zu keiner Drehzahl wird die Maschine aufdringlich laut. Die Fünfgang-Automatik schaltet weich, aber zu nervös und unnötigerweise an kleinen Steigungen bereits zurück. Das Getriebe stellt sich auf den Fahrer ein: Wer durch mehrere starke Beschleunigungen signalisiert, dass er sportlich fahren will, erreicht dadurch, dass die Gänge deutlich höher ausgedreht werden.
Handschaltung möglich
Beim Kickdown gibt's eine kurze Gedenksekunde. Dann aber schießt der Vel Satis wuchtig nach vorn. Um den großen Renault mit der Hand sequenziell zu schalten, muss man nur den Wählhebel nach links ziehen.
Unsensibles Gaspedal
Störend: Geht man von der Bremse, so rollt der große Wagen kaum von alleine. Das macht speziell rückwärts einparken zu einer schwierigen Aufgabe, da das Gaspedal nicht fein genug dosiert werden kann.
ESP kommt frühzeitig
Die Servolenkung wird geschwindigkeitsabhängig reguliert. Sie gibt sich zu jedem Zeitpunkt sehr leichtgängig und direkt. Das Fahrwerk ist komfortabel, die Hinterachse meldet aber kurze Bodenwellen an den Innenraum. In scharf gefahrenen Kurven neigt sich der Vel Satis zwar zur Seite, das frühzeitig eingreifende ESP verleiht aber ein Gefühl von Sicherheit.
Giftige Bremsen
Die Bremsen packen giftig zu, bringen den Vel Satis bei einer Vollbremsung allerdings leicht schlingernd zum Stehen. Ein Bremsassistent unterstützt nicht nur den Anhaltewillen bei einer Notbremsung durch mehr Druck, sondern schaltet auch die Warnblinkanlage ein.
Annehmlichkeiten wie der Tempobegrenzer, der Geschwindigkeitsregler, die elektronische Reifendruckkontrolle, die Einparkhilfe oder der Regensensor zeigen, dass der Vel Satis ein akzeptiertes Mitglied seiner Klasse sein wird.
Fünf Sterne beim NCAP-Crashtest
Beim NCAP-Crashtest hat sich das Bestreben um Sicherheit jetzt bezahlt gemacht: der Vel Satis hat fünf Sterne bekommen. Damit haben die Renault-Techniker erneut Kompetenz gezeigt. Der Laguna war 2001 das erste Fahrzeug überhaupt, welches den hohen Anforderungen der Crashtester genügte und fünf Sterne nach Hause brachte.
Preis als Kaufentscheidung
Ein wichtiges Kaufkriterium dürfte der Preis sein. Zwar klingen die 45.300 Euro, die unser voll ausgestatteter Testwagen komplett gekostet hätte, viel. Wer vergleicht, wird aber bei den deutschen Anbietern kein ähnliches Angebot finden. Ein BMW 530i mit Automatikgetriebe kostet zwar 40.900 Euro. Da sind aber weder Navigation noch Klimaautomatik oder gar die Lederausstattung und Sitze mit Memory-Funktion dabei. Auch der Mercedes E 320 Classic steht für 43.500 Euro gegenüber dem Renault noch sehr nackt da.
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| Diesel | Benzin | Super | Super+ | |
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| Durchschnittspreis | 1.116 | 1.141 | 1.142 | 1.227 |
| Günstigster Preis | 1.081 | 1.106 | 1.106 | 1.162 |