Fahrbericht: Saab 9-3 Sport-Limousine

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Bad Homburg, 5. Oktober 2002 – Schweden sind komisch. Ihr mütterlich sorgender Staat hat ihnen zum eigenen Schutz ein striktes Tempolimit auferlegt. Zu recht. Raser kann es nämlich hart erwischen. Nicht nur Polizei, auch die eigensinnige Natur hat schwere Strafen für schnelle Schweden parat. Der Elch ist und bleibt einfältig und unberechenbar. Insofern mag es schon seltsam anmuten, dass die turbogeschwängerten Autos der Traditionsmarke Saab weit jenseits von 200 km/h fahrbar sind. Dieser nordische Geschwindigkeitsrausch bekommt mit der neuen 9-3 Sport-Limousine sogar noch eins draufgesetzt. Die Saab-Strategen wollen mit ihren Kraftpaketen wohl unter anderem die deutsche Autobahn erobern.

Hierzulande haben die Schweden eine geringe Marktdurchdringung. Im Jahr 2001 wurden etwas über 8.000 Fahrzeuge verkauft, was einem Marktanteil von 0,2 Prozent entspricht. Aus dieser Position will Saab eine Tugend machen und die Marke als exklusiven Anbieter im Premium-Segment etablieren. Dafür bauen die Nordmänner in Deutschland ein neues Vertriebsnetz auf. In wie Edel-Boutiquen gestalteten Saab-Centren wird Lifestyle und Exklusivität rund um den 9-3 inszeniert. 

Das vollkommen überarbeitete Modell soll ab Herbst 2002 als Konkurrent von BMW 3er, Mercedes C-Klasse und Audi A4 antreten und die Absatzzahlen von Saab ankurbeln. Der neue 9-3 soll Kunden ansprechen, die Individualität und Sportlichkeit suchen. Viele Autofahrer sind es nach Meinung von Saab leid, an jeder zweiten Ampel das gleiche Auto neben sich stehen zu haben und die geklonte Blechkiste nach dem Ampelstart nicht mal hinter sich lassen zu können. Mit dem neuen Schweden kann sich der individualisierte Autobesitzer vom Einheitsbrei dynamisch und einzigartig absetzen. Wir sind die 9-3 Sport-Limousine in den Motorvarianten 1.8t und 2.0t gefahren, um festzustellen wo ihre Exklusivität anfängt und wo sie endet.

Rüsselsheimer Schützenhilfe
Als europäische GM-Tochter baut Saab grob gesehen Opel-Derivate mit Turbo-Lader. Auch der 9-3 hat sein Rüsselsheimer Pendant: Den neuen Opel Vectra.

Das Design des 9-3 setzt dennoch sehr eigenständige Akzente, die an die eine oder andere Marken-Tradition anknüpfen. Mit typischem Saab-Gesicht und einer dynamischen Linienführung weckt er mehr Emotionen als sein deutscher Bruder mit etwas nüchtern wirkender Optik.

Ein wenig mag man sich über die limousinenhafte Form wundern. Bislang war die Baureihe 9-3 ausschließlich Kompakt. Die Schweden setzen diesmal nicht auf die Schrägheckvariante sondern die klassische Limousine. Doch der Saab 9-3 ist kein eckiger Kasten mit angepappten Kofferraum. Mit der elegant fließenden, coupéhaften Silhouette strahlt der junge Schwede schlanke Eleganz und Dynamik aus, trotz stattlicher Außenmaße.

Interieur bietet Tradition und Moderne
Die Innenraumgestaltung à la Wasa bietet ebenfalls traditionelles Design. Ungewöhnlich - und typisch Saab - ist das Zündschloss in der Mittelkonsole. Trotz solcher eigenen Akzente ist die Verwandtschaft zum Opel Vectra erkennbar. Dabei wirkt der 9-3-Innenraum frischer, ohne auf die zum Teil sehr gelungenen Detaillösungen des Vectra zu verzichten.

Mehr noch: Beim Schweden befindet sich ein Bordcomputer-Display genau im Blickfeld des Fahrers. Es wäre schön, würde diese Anzeige zusätzlich auch über Geschwindigkeit informieren. Ansonsten gibt es wenig zu meckern. Komfort, Kopffreiheit und Ambiente sind große Klasse. Alles liegt gut in der Hand, Verarbeitung und Materialanmutung sind hochwertig, wenn auch nicht ganz so edel wie bei den einleitend genannten Konkurrenten des 9-3.

Saab setzt auf Turbo
Nicht allein optisch wird Eigenständigkeit akzentuiert. Auch technisch ist man in Schweden eigene Wege gegangen. Damit verbunden ist die sportliche Auslegung des Skandinaviers.

Die von uns gefahrenen Benziner 1.8t und 2.0t sind mit dem gleichen Zwei-Liter-Vollaluminium-Motor bestückt. Mit unterschiedlichen Turboladern und Ladedrücken leisten sie 150 beziehungsweise 175 PS. Auf dem Papier wirken diese 25 PS Unterschied noch wenig beeindruckend. Im Fahrbetrieb zeigt sich der leistungsstärkere aber deutlich spritziger. Bei 2.500 U/min setzt beim 2.0t der Turbolader ein. Das bei dieser Drehzahl zur Verfügung stehende maximale Drehmoment von 265 Newtonmetern sorgt für wuchtigen Vortrieb. In 8,5 Sekunden sprintet der fast 1,5 Tonnen schwere 2.0t von null auf 100-km/h. Seine Endgeschwindigkeit gibt der Hersteller mit 225 km/h an. Der 1.8t benötigt für den Sprint eine Sekunde mehr. Seine maximale Geschwindigkeit liegt bei 210 km/h.

Beide Varianten sind also kraftvoll motorisierte Limousinen für die forsche Gangart. Dabei steigt der Benzinkonsum nicht übermäßig in die Höhe. Die vom Hersteller angegebenen Durchschnittsverbräuche von 8,3 und 8,5 Liter sind in Anbetracht der Leistung akzeptabel. Weniger löblich jedoch die Umweltbilanz: Beide Motoren erfüllen nur die Abgasnorm Euro 3. Die sportliche Auslegung geht bei Saab zu Lasten der Umwelt.

Wohl eine Frage des Geschmacks sind die langen Schaltwege des ansonsten gut abgestimmten Fünf-Gang-Getriebes. Kürzere Wege könnten den sportlichen Charakter stärker hervorheben.

Diese Veranlagung vermitteln dafür überzeugend Fahrwerk und Bremsen. Die angenehm Straffe Fahrwerksabstimmung erlaubt hohe Kurvengeschwindigkeiten. Zwar schiebt der 9-3 in eng gefahrenen Kurven auch schon mal über die Vorderräder. Doch mit dem griffigen Lenkrad lässt er sich exakt und schnell um die Ecken dirigieren. Er reagiert auf Lenkbefehle sensibel, aber nicht nervös. Und selbst bei forscher Gangart überzeugt er mit hohem Komfortniveau und einer weitgehend sicheren Straßenlage. Auch jenseits der 200 km/h ist entspanntes Reisen angesagt. Unebenheiten beuteln Passagiere trotz sportlicher Auslegung nicht ungebührlich.

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