Der neue Streetka: Eine Fordliche Offenbarung

Der neue Streetka: Eine Fordliche Offenbarung
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Cannes/Nizza, 11. April 2003 – Das Thema Roadster wurde bei Ford bislang eher stiefmütterlich behandelt. Man hat in Köln ganz einfach wenig Ambitionen entwickelt, in diesem Segment Fuß zu fassen. Entsprechend bedurfte es der Schützenhilfe aus Italien, um einen Roadster-Ford zu realisieren. 

Der Cabrio-Spezialist Pininfarina hat sich bereits vor einigen Jahren dem kleinen Ka angenommen und auf dem Turiner Automobilsalon 2000 eine Roadster-Version als Studie vorgestellt. Der Aufschrei der Begeisterung über dieses gelungene Konzept war groß. Und so hat man bei Ford den Entschluss gefasst, eine Frischluft-Variante unter dem Namen Streetka auf den Markt zu bringen. 

Am 8. Mai 2003 ist seine offizielle Markteinführung in Deutschland. Wir hatten bereits einige Wochen vorher die Gelegenheit, uns bei frühlingshaften Temperaturen an der Cote d'Azur an seinen Fahreigenschaften zu erfreuen. Mehr noch: Ganz besonders beeindruckend war das Sehen und Gesehen werden, zwischen Cannes und Nizza. Vor allem junge Frauen haben für diesen frisch-frechen Zweisitzer viel Interesse gezeigt. Kein Wunder, machen selbige im Streetka auch eine besonders gute Figur. 

Schön in Szene gesetzt
Seine aufsehenerregende Aura hat einen klaren Grund: Pininfarina versteht es, Autos zu inszenieren. So wurde nicht einfach nur das Stahldach gegen ein variables Softtop getauscht. Zusätzlich hat man mit vielen geschickten Detaillösungen einen echten Hingucker geschaffen. Dazu zählen die Frontschürze mit Nebelscheinwerfern, größeren Kühlluftöffnungen, verbreiterten Radhäusern und modifizierten Scheinwerfern in moderner Klarglasoptik. 

Entzückendes Hinterteil
Noch drastischer ausgefallen sind die Modifikationen am Heck. Vollkommen neue, lang gezogene Rückleuchten, Nebelschlussleuchten und ein mittig angebrachter Rückfahrscheinwerfer prägen das entzückende Hinterteil. Dazu kommt noch die lange Heckklappe mit kleinem Spoiler und drittem Bremslicht. Unter der Klappe befindet sich übrigens ein beachtlich großer Kofferraum. 214 Liter sind zumindest Ka-Rekord. Diesem Raumgewinn fielen jedoch die Sitzplätze im Fond zum Opfer. 

Dach weg in 30 Sekunden
Die Maßnahme war unter anderem notwendig, um Stauraum für das Faltdach zu schaffen. Dieses verschwindet nach wenigen Handgriffen vollständig unter einer weiteren Heckklappe zwischen Kofferraum und Fahrgastraum. Um das Dach zu öffnen, müssen zunächst zwei Hebel im Innenraum an der Frontscheibe gelöst werden. Dann heißt es aussteigen, die Klappe per Knopfdruck entriegeln und das Dach reinfalten. Das Ganze dauert weniger als 30 Sekunden. Klappe zu, Frischluftbrause an. Jetzt kann der spaßige Teil beginnen. 

Erfrischend
Der frische Wind macht jedoch klar: Ein kleines Schott zwischen den beiden massiven Überrollbügel könnte die Luftwirbel im Fahrgastraum reduzieren. Doch selbst ohne dieses zur Markteinführung noch nicht verfügbare Extra ist das Windniveau selbst bei 120 km/h erträglich. Auch sonst ist der Aufenthalt im Streetka recht angenehm. Nicht allein wegen der ständigen Blicke anderer. 

Angehübscht Innenraum
Auch das Ambiente macht einiges her. Sport-Ledersitze, Lederlenkrad und Alu-Applikationen in der Ausstattung Elegance sorgen für edle Optik. Trotz dieser Akzente lässt sich der ansonsten schmucklos wirkende Ka-Innenraum nicht kaschieren. Eng ist es, die Beinauflage der Sitze zu kurz und Staufächer sind Mangelware. Das in der Studie gezeigte aufregend neue Innenraumdesign wurde in den Serienbau nicht übernommen. Hier hat wieder mal ein Rotstift dem kreativen Drang der Designer einen Strich durch die Rechnung gemacht. 

Fettsucht
An anderer Stelle durfte jedoch nicht gespart werden. Für die aufgrund des fehlenden Dachs nötige Verwindungssteifigkeit wurde die Karosserie deutlich verstärkt. Diese Maßnahmen machen den Streetka mit 1.136 Kilogramm Leergewicht recht mopsig. Dadurch ist die Zuladung auf lächerliche 149 Kilogramm geschrumpft. Und Wunder in der Verwindungssteifigkeit wurden gleichwohl nicht erreicht. Unangenehm machen sich beispielsweise feine Motorvibrationen bemerkbar, die man während einer Fahrpause noch in den Händen spürt. 

Fahrwerk und Bremsen
Dennoch ist der Streetka ein spaßiger Kurvenräuber. Sein niedriger Schwerpunkt, die direkte Lenkung und seine saubere Straßenlage lassen in schnellen Kurven Fahrfreude aufkommen. Der Kontakt zur Fahrbahn ist wirklich gut. Auch die Federung bietet eine gelungene Mischung aus Sportlichkeit und Komfort. Die Bremsen mit elektronischer Bremskraftverteilung und ABS überzeugen mit ausreichender Standfestigkeit. 

Motor und Fahrleistungen
Seine 95 PS bringen die Vorderräder ganz ordentlich auf den Asphalt. Überzeugend ist auch die bisweilen kernige Klangkulisse des 1,6-Liter-Vierzylinders. Als Leistungs-
wunder präsentiert sich die einzige verfügbare Motorisierung aufgrund des hohen Fahrzeuggewichts jedoch nicht. Der Sprint von null auf 100 km/h ist erst nach 12,1 Sekunden beendet. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei angemessenen 173 km/h und der Durchschnittsverbrauch ist mit 7,9 Litern etwas hoch. Zumal sich dieses Verbrauchsniveau mit einem derart fahraktiven Auto in der Praxis kaum realisieren lässt. Dafür ist er bereits nach der Euro-4-Abgasnorm zertifiziert. 

Ausstattung und Preis
Im Roadster-Segment bietet der Streetka einen attraktiven Einstiegspreis. Der Kunde kann zwischen zwei Modellen wählen: 16.990 Euro kostet der Streetka in der Grundversion. Diese Basis verfügt serienmäßig über ABS, elektrisch beheiz- und verstellbare Außenspiegel, Drehzahlmesser, elektrische Fensterheber, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Sportsitze und eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung. 

Edles im Elegance
Für 19.500 Euro gibt es die Version Elegance. Die Ausstattung bietet zusätzlich ein Audiosystem mit CD-Spieler, eine Klimaanlage und eine Lederpolsterung mit Sitzheizung. Dieser Preis lässt sich nur geringfügig steigern, da die Liste der Sonderausstattung extrem kurz ausfällt. 

Starke Konkurrenten
Die Topversion stößt bereits in Preisregionen von Peugeot 206 CC, Fiat Barchetta und Mazda MX-5 vor. Zwar hat der Streetka eine umfangreiche Komfort-Ausstattung. An Größe und Leistung reicht er an diese Roadster nicht heran. Und an ein elektrisches Stahldach, wie beim nur 17.200 Euro teuren 206 CC, ist schon gar nicht zu denken. 

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