Nissan Primere Traveller 2.2 dCi: Verborgene Talente
Seit der Konzernpartnerschaft mit Renault verfügt Nissan über die breiteste Dieselpalette aller japanischen Hersteller. Der 2.2 dCi des Primera ist allerdings eine Eigenkonstruktion. Und gleichzeitig der stärkste Selbstzünder der Baureihe.
Licht und SchattenFamilienkombi mit Turbodieselmotor - normalerweise eine Erfolgsgarantie. Doch beim Nissan Primera half nicht einmal das. Der Gegenspieler von VW Passat, Opel Vectra & Co sackte vergangenes Jahr in der deutschen Zulassungshitliste auf Platz 91 (minus 32). Dafür darf sich freuen, wer sich für den Primera entschieden hat: Im jüngsten TÜV-Report sicherte sich der Japaner einen Platz unter den Top-Ten (7.). Er plazierte sich zwischen Audi A2 und Mercedes SLK - und rangiert damit weit vor der oben genannten Konkurrenz, die sich irgendwo im Mittelfeld tummelt.
Schnäppchenwochen bei NissanEines hat der Primera Traveller den beiden deutschen Hitlisten-Nachbarn jedoch voraus: Platz für fünf Personen samt Gepäck. Der Ladraum fasst urlaubstaugliche 465 Liter, die sich durch Umklappen der Rückenlehne auf 1.670 Liter erweitern lassen. Viel zu bieten hat der Testwagen auch in Sachen Ausstattung. Nissan schickte uns nämlich das Topmodell Traveller tekna, das von außen an üppigen 17-Zoll-Alufelgen zu erkennen ist. Ebenfalls serienmäßig: CD-Radio, Klimaautomatik, DVD-Navigationssystem, Reifen-Luftdruck-Kontrolle, acht Airbags, ESP, Bremsassistent und Xenon-Scheinwerfer. Highlight ist eine Rückfahrkamera mit farbigem Bild, die den Bereich direkt hinter dem Fahrzeug erfasst. Das macht den Preis von 28.130 € schon fast wieder zum Schnäppchen. Wem das noch nicht reicht: Nissan hat die Plus-Initiative gestartet und Ausstattungspakete mit bis zu 3.300 € Preisvorteil geschnürt.
Hübsch gemachtWeitere Entscheidungshilfe könnte das jüngste Facelift liefern, das dem Primera einen feineren Innenraum und mehr Fahrkomfort beschert. Äußerlich zeigt sich der Familienkombi unverändert: glatt und schnörkellos, mit einer Motorhaube, die fließend in das Fahrgastabteil übergeht. Monosilhouette nennt Nissan dieses Designkonzept. Innen gibt es hochwertigere Polsterstoffe und neu gestaltete Türtafeln. Im Vierspeichenlenkrad finden sich beleuchtete Bedientasten für Radio und Tempomat. Die Rundinstrumente sitzen weiterhin mittig im Armaturenträger. Sie werden jetzt beim Fahrzeugstart von einer Hintergrundbeleuchtung in drei Stufen zum Leben erweckt. Besonders gut gelungen sind die massiven Türöffner in Metalloptik. Auch den Schaltknauf ziert jetzt Metall.
Typisch NissanDie Mittelkonsole beherbergt das N-Form-Bedienungsmodul. Radio, Klimaautomatik, Bordcomputer und das Navigationssystem lassen sich mit wenigen Knöpfen und einem kleinen Joystick bedienen. Nach einiger Eingewöhnung klappt das recht unproblematisch. Ob es jedoch besser ist als ein konventionelles Layout mit Schaltern und Drehreglern, muss jeder für sich entscheiden. Clou des Ganzen ist eine Rückfahrkamera, deren Bild auf dem Monitor erscheint, sobald der Rückwärtsgang eingelegt wird. Am Tag lässt sich damit prima navigieren. Nachts, bei diffusem Licht, stößt das System an seine Grenzen. Die Rückfahrscheinwerfer liefern nicht genug Helligkeit, um dunkle Gegenstände gut sichtbar werden zu lassen - Schleifspuren eines Pollers am hinteren Stoßfänger zeugen von dieser Erfahrung.
Starker DieselNissan rüstet den 2.2 dCi mit einem Sechsganggetriebe aus. Die Gänge sind gekonnt abgestuft, sodass die 139 PS (102 kW) immer gut Anschluss finden. Allerdings dürfte der Gangwechsel gerne etwas leichtgängiger und auf kürzeren Wegen funktionieren. Das überspielt der 2,2-Liter-Vierzylinder jedoch gekonnt mit 314 Newtonmetern Drehmoment, die ab 2.000 Umdrehungen zur Verfügung stehen. Im unteren Drehzahlbereich schnurrt das Aggregat leise und zufrieden. Auf der Autobahn ist es ab Tempo 160 mit der Ruhe vorbei. Maximal 203 km/h Spitze sind drin. Dann nimmt der Diesel aber auch einen kräftigen Schluck aus der Pulle.
Durstiger RaucherNach schnellen Autobahnetappen zeigte der Bordcomputer Werte zwischen zehn und zwölf Liter. Im Redaktionsalltag waren es zwischen sieben und acht Liter. Leider erfüllt das Aggregat bislang nur die Schadstoffnorm Euro 3. Hier muss Nissan bis Jahresende nachbessern. Spätestens dann sollte auch ein Rußpartikelfilter im Angebot sein, noch fehlt er. Positiv macht sich der Feinschliff am Fahrwerk bemerkbar. Zusammen mit der im Ansprechverhalten geänderten Lenkung und der etwas steiferen Karosserie präsentiert sich der Primera spürbar leichtfüßiger.
Fazit: Geräumig, gut ausgestattet und vergleichsweise günstig. Damit hätte der Primera eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient. Allerdings sollte Nissan dringend am Schadstoffverhalten des Diesels arbeiten.
(01/05) planbar.de, Holger Schilp