Dacia Logan: Billiger Angstgegner
(planbar.de) Er ist der Anti-Held. Und damit könnte er zum Star der Zukunft werden. Der Dacia Logan zeigt, dass Autofahren nicht teuer sein muss. Der Rumäne mit Renault-Genen kommt im Sommer nach Deutschland. Preis: ab 7.500 Euro.
Einfach schlichtHübsch ist der Logan ja wirklich nicht. Die "Form folgt der Funktion". Das steht selbst in der Pressemappe. Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und niedrige Unterhaltskosten prägten demnach die Entwicklung des Logan. Motor, Fahrwerk und Bodengruppe stammen vom aktuellen Clio, dem brandneuen Modus und dem Nissan Micra.
Beginn einer ErfolgstoryIn Osteuropa gelang dem Logan ein Traumstart: Seit September gingen über 40.000 Bestellungen bei der rumänischen Renault-Tochter Dacia ein. Im laufenden Jahr soll der Viertürer über 20 Länder erobern, darunter Deutschland, Spanien und Frankreich. Produziert wird dann auch in Russland und Marokko. Zur Auswahl stehen zunächst zwei Vierzylinder-Benziner mit 75 PS und 87 PS. Später folgen ein 65-PS-Turbodiesel und ein 1,6-Liter-Benziner mit 107 PS.
Schleichwege nach DeutschlandÜber Grauimporteure finden die ersten Logan bereits den Weg auf unsere Straßen. Schnäppchenjäger freuen sich zunächst über den günstigen Basispreis von 7.500 Euro. Doch die Ernüchterung kommt mit der Rechnung der Versicherungsgesellschaften. Wie die "Automobilwoche" berichtete, führten erste Tests der Assekuranzen zur vorläufigen Einstufung in die Vollkaskoklasse 28. Damit spielt der von freien Händlern importierte Logan in einer Liga mit dem
Porsche 911! Bis zur offiziellen deutschen Markteinführung beim Renault-Händler im Juni 2005 soll der Logan eine neue Fahrwerksabstimmung, bessere Bremsen und Reifen sowie einen verstärkten Seitenaufprallschutz in den Türen erhalten. Und damit wohl auch konkurrenzfähige Kasko-Einstufungen.
Nur das NötigsteDer Logan tritt zum Kampfpreis an. Da dürfen keine Wunder erwartet werden. Die Basisversion verzichtet auf jeglichen Zierrat. Dekorleisten und Chromschmuck glänzen durch Abwesenheit. Eine Servolenkung ist ebenfalls nicht vorgesehen. Gleiches gilt für Nebelscheinwerfer und die Umluftfunktion der Lüftung. Derartiger Luxus bleibt den Ausstattungsvarianten Ambiance und Laureate vorbehalten. Optional kann dann sogar eine Klimaanlage geordert werden. Das Topmodell bietet einen Bordcomputer, etwas Chromschmuck und der Fahrersitz lässt sich in der Höhe justieren. Für alle serienmäßig: zwei Frontairbags. Das kennen wir noch aus den 80er-Jahren. Seiten- oder gar Window-Airbags sind nicht lieferbar. ESP ist immerhin als Extra erhältlich.
Hauptsache, er fährtDer Logan ist kein Luxus-Wesen. Er kümmert sich um die automobilen Grundbedürfnisse. Fünf Passagiere von A nach B, das ist seine Welt. Sportliche Ambitionen sind ihm fremd. Für optimale Platzverhältnisse streckt sich die Kompaktlimousine auf 4,25 Meter Länge. Das reicht für rekordverdächtige 513 Liter Kofferraum. Wer die Gelegenheit hat den Logan bei einem Grauimporteur einmal unverbindlich zu inspizieren, sollte sie nutzen. Es warten überraschende Erkenntnisse. Zum Beispiel, dass es sich, wenn der Preis stimmt, vorzüglich ohne Softlackierung auf dem Armaturenbrett leben lässt. Dacia ging sogar noch einen Schritt weiter: Der ganze Instrumententräger ist aus einem Stück Kunststoff geformt. Eine billige Lösung, die zudem verhindert, dass schlecht eingepasste Einzelteile auf Kopfsteinpflaster quietschen.
In Zukunft besserDurch die Preis-Brille betrachtet, wächst auch die die Toleranz gegenüber der wenig exakten Lenkung. Mit Blick auf die schlechten Straßenverhältnisse in den entlegenen Regionen Süd- und Osteuropas spendierten die Techniker lange Federwege und einige Zentimeter zusätzliche Bodenfreiheit. Damit fährt der Logan brav und unspektakulär. Nur die Bremsen flößen wenig Respekt ein. Doch das soll sich bis zur Markteinführung noch ändern. Schließlich hat Renault den Ruf zu verlieren, besonders sichere Autos zu bauen. Auch wenn die Fahrzeuge von der Tochterfirma Dacia stammen.
Fazit: Der Preis ist heiß. Manchmal sind es eben die einfachen Dinge, die faszinieren. Renault gebührt Lob für den Versuch ein billiges Auto mit moderner Technik auf die Straßen zu bringen.
planbar.de, Holger schilp
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