Nissan 350Z Roadster: Nippon Spaßmaschine

(planbar.de) Es wird Sommer. Irgendwann. Das Treffen mit dem Nissan 350Z Roadster findet in Mainz statt. Im April, der seinem Namen alle Ehre machte. Doch das ermöglicht interessante Erlebnisse.

Mutprobe, kein Wagnis

Wagen wir es, oder nicht? Egal. Das elektrische Stoffverdeck findet in 20 Sekunden seinen Platz hinter den Sitzen und schützt genauso schnell wieder vor den bedrohlich nahen Regenwolken. Also runter damit. Ein Hebel muss entriegelt werden, dann summen die Elektromotoren. Seitenscheiben senken sich, der Beifahrersitz klappt einige Zentimeter nach vorn und die Stoffmütze verschwindet unter einer Kunststoffabdeckung. Fertig.

Leidenschaftlicher Sportler

Offen wirkt der Zweisitzer noch bulliger. Die Gürtellinie spannt sich über kraftvoll ausgestellte Radhäuser, in denen 18-Zoll-Bereifung Standard ist. Eng wird es für das Gepäck: Im hohen Heck finden nur 130 Liter Platz. Gerade genug für einen großen Koffer - und das Wochenende zu zweit. Nach unserer ausgiebigen Testrunde durch das Rheingau steht fest: die beiden Passagiere werden schon im Auto viel Spaß haben. 280 PS (206 kW) fauchen samtweich unter der langen Haube. Vom Gaspedal gekitzelt, lassen sie jedoch alle Hemmungen fallen: Heißer röchelnd erledigt der 3,5-Liter-V6-Motor Tempo 100 aus dem Stand in 6,4 Sekunden. Gierig saugt sich die Nadel des Drehzahlmessers über die Skala. Bei 250 Stundenkilometern ist Schluß. Dafür sorgt die Elektronik, die auch das Fahrwerk souverän im Griff hat. ESP-Eingriffe erfolgen spät genug, dass sie sich nicht als Lustkiller erweisen. Im Zweifel präsentiert sich der elektronische Helfer allerdings konsequent.

Kleine Freiheiten

Mit ausgeschaltetem elektronischem Stabilitätssystem lotet das Heck, besonders bei Nässe, gerne einmal die Breite der Fahrbahn aus. Sportwagenfahrerherz, was willst du mehr? Zumal das Fahrverhalten gutmütig ist. Hier zahlt sich die Front-/Mittelmotorbauweise aus, bei der das Aggregat hinter der Vorderachse platziert ist und für eine ausgwogene Gewichtsverteilung sorgt. Die direkte Lenkung erlaubt es, die nächste Kurve auf den Punkt genau anzupeilen. Auch auf schlechtem Untergrund zeigt die Karosserie keinerlei Verarbeitungsschwächen - der Aufbau wurde im Vergleich zum Coupé gezielt verstärkt. Folge: rund hundert Kilo extra, die auf der Piste allerdings kaum ins Gewicht fallen. Kein Wunder also, dass der sportliche Japaner im rechts-links-Geschlängel wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße liegt. Und so freut es den Fahrer, dass der Sitz auf Maß geschnitten ist, Schultern und Schenkel gleichermaßen gut stützt, und zudem langstreckentauglich ist. Auf der Beifahrerseite ist das Polster etwas breiter, bietet aber dennoch guten Halt.

Akustische Abhängigkeit

Für einen Sportwagen seines Kalibers ist der der 350Z ausreichend komfortabel. Bandscheibenschäden braucht niemand zu befürchten. Dass er ein Hochleistungsfahrzeug ist, offenbart der Roadster spätestens an der nächsten Tankstelle. Unter zwölf Litern geht nichts, sagt der Bordcomputer. Schuld ist der Sound, ein betörendes Konzert aus zwei mächtigen Auspuffrohren. Einfach zum Niederknien. Doch Vorsicht: Suchtpotenzial! Immer wieder sucht der Gasfuß das Bodenblech. Ein Zwischenspurt in Ehren, wer kann da schon nein sagen? Fünfzehn Liter Super Plus sind deswegen keine Seltenheit.

Gut geschützt

Hohe Seitenflanken, die schräg stehende Windschutzscheibe und das durchsichtige Windschott hinter den Sitzen lassen die Sonne rein und halten störende Zugluft weitestgehend fern. Dann passiert es doch: auf der Autobahn überrascht ein Regenschauer - innen bleibt es trocken. Selbst die Gischt der Lastwagen wird einfach über den Roadster hinweg gewirbelt. In Verbindung mit der serienmäßigen Klimaanlage wird der launische April so zum feucht-fröhlichen Vergnügen. Erst die Rotphase an der ersten Ampel nach der Ausfahrt zwingt zum Schließen des Verdecks. Es produziert auch bei hohem Tempo erstaunlich geringe Windgeräusche. Und mit der beheizbaren Glas-Heckscheibe sollte der Roadster auch gut über den Winter kommen.

Im Detail

Gegen Aufpreis (800 Euro) gibt es ein Soundsystem vom Hifi-Spezialisten Bose. Druckvolle Bässe und glasklare Höhen erlauben selbst mit offenem Dach noch angenehmen Musikgenuss. Für das Topmodell sind gelbe Sportsitze mit Lederwangen und einem netzartigen Stoff in der Mitte verfügbar. Die Kombination sieht cool aus - und sie soll im Sommer eine bessere Luftzirkulation zwischen Polster und Körper ermöglichen. Rundinstrumente mit orange-farbigen Zifferblättern sind ein liebevoller Verweis auf den Urvater aller Z-Modelle, den 240Z. Frischluftvergnügen bot er mit herausnehmbaren Dachhälften. Anfang der 70er war er der meistverkaufte Sportler weltweit. Heute ist er nahezu ausgestorben. Der neue 350Z Roadster eignet sich perfekt, um die faszinierende Geschichte wieder zu beleben.

Fazit: Der Nissan 350Z bietet reichlich Power zum fairen Preis. Ab 36.500 € geht es los. Mercedes SLK, BMW Z4 oder Audi TT-R lassen sich das offene Fahrvergnügen mit einigen Tausendern mehr vergüten.

planbar.de, Holger Schilp

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