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Ein SUV der Superlative: Cadillac Escalade 6.2 V8 im Test

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Ein SUV der Superlative: Cadillac Escalade 6.2 V8 im Test
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Cadillac Escalade
Februar 2007
73.850 Euro
Antrieb 70%
- für souveränes Cruisen perfekt geeignet
- durstig und angesichts der 400 PS nicht sehr spritzig
Fahrwerk 70%
- komfortabel
- wankt in Kurven, Lenkung etwas teigig
Karosserie 80%
- sehr viel Platz innen, variabler Fond
- für manche Parklücke zu groß
Kosten 85%
- sehr viel Auto und Ausstattung fürs Geld
- hohe Unterhaltskosten
Genf, 05. April 2007 – Stellen Sie sich einen Jungen im Spielzeugladen vor. Sein sehnlichster Wunsch: eine Wasserpistole. Sein größtes Glück: freie Wahl aus dem Sortiment. Seine Entscheidung: das kolossalste Modell. Selbstredend. Wie oft im Leben, war auch in diesem erdachten, doch keineswegs wirklichkeitsfremden Beispiel letztlich die Größe entscheidend. Diese Urinstinkten geschuldete Handlungsweise kann selbst noch auf das Wahlverhalten Erwachsener gewichtigen Einfluss nehmen. Um die Gunst solcher „Bigger is Better“-Käufer wird ab sofort der SUV-Bombast Cadillac Escalade in Deutschland buhlen. Was der Luxus-Jumbo drauf hat, lesen Sie in unserem Test.

Alles ist XXL
Majestätische 5,15 Meter ist das Allradmodell der amerikanischen Edelmarke lang. Nicht weniger imposant ist die Breite: Die 2,01 Meter sprengen so manche europäische Parklücke. Neben seinen schieren Abmessungen vermittelt auch das Design des Escalade vor allem Wucht. Der mächtige Chromkühlergrill, die senkrecht stehenden Riesenscheinwerfer, die Außenspiegel im Tischtennisschläger-Format oder die Radhäuser, in denen die serienmäßigen 18-Zöller fast verloren wirken – alles ist XXL.

Platz und Komfort im Überfluss
Die Fahrzeuggröße des Escalade macht sich im Innenraum positiv bemerkbar. Selbst besonders breitschultrige Zeitgenossen müssen sich um keinen Zwangs-Ellenbogenkontakt sorgen. Zur Fahrzeugmitte können die Gliedmaßen auf der wohl breitesten Armlehne der Welt ruhen. Zumindest passt neben zwei Armen noch eine Menge mehr drauf. Recht typisch für Amischlitten ist die nicht vorhandene Seitenführung der Vordersitze. Zumindest auf kurvigen Strecken kann einen das viele Hinundherrutschen nerven. Dafür verwöhnt der Escalade die Insassen mit einem Luxus-Ambiente, das mit recht geschmackvollen Holzapplikationen, gebürstetem Alu, Kunststoffen in verschiedenen Farben und Softoberflächen angenehm wohnlich wirkt. Zudem bietet der Riesen-Ami eine besonders umfangreiche Komfortausstattung, doch dazu im Detail später mehr.

Fast wie ein Kleinbus
Im Fond des Cadillac ist das Platzangebot ebenfalls überragend. Auf den beiden hinteren Sitzreihen können bis zu sechs Personen mitreisen. Statt der Sitzbank in zweiter Reihe kann man hier auch alternativ zwei Einzelsitze bestellen. Dann reist man reist man auch hinter den Vordersitzen wie in der Business-Class. Der Aufenthalt auf der Sitzbank ganz hinten ist hingegen nur kleineren Menschen zu empfehlen. Praktisch ist die hohe Fond-Variabilität. Der Kofferraum ist bei aufgestellter dritter Sitzreihe winzig. Mit wenigen Handgriffen kann man die Lehne im Verhältnis 50 zu 50 leicht umklappen. Außerdem ist die gesamte Sitzbank in zwei Teilen herausnehmbar. Als Fünfsitzer bietet der Jumbo dachhoch Platz für 1.700 Liter Gepäck. Die Lehne der zweiten Sitzreihe ist ebenfalls umklapp- und herausnehmbar. Im Zweisitzer-Modus wächst der Stauraum auf 3.084 Liter. Der US-Geländewagen bietet damit ein Sitz- und Nutzraumangebot auf Kleinbus-Niveau.

Hubraum-Bombast
Ganz dem Geschmack amerikanischer Autokäufer entsprechend, bietet der Caddy außerdem ein gewaltiges Triebwerk in Kombination mit einer sanft schaltenden Sechsgang-Automatik. 409 PS und 565 Newtonmeter Drehmoment aus 6,2 Liter Hubraum – das klingt eigentlich nach aberwitzigen Fahrleistungen. Doch beeindruckt die Performance des Escalade nicht in dem Maße, wie dies andere SUVs dieser PS-Liga tun. Nach der recht optimistischen Angabe von Cadillac soll der 100-km/h-Sprint nur 6,8 Sekunden dauern. Die Höchstgeschwindigkeit wird hingegen bereits bei 170 km/h abgeregelt. Untermotorisiert ist der US-Raumgleiter keineswegs; Schub ist stets in mehr als ausreichender Menge vorhanden. Doch eine hohe Agilität kann man dem PS-Monster nicht attestieren. Vor allem die um die Mittellage ungenaue Lenkung und das starke Wanken in Kurven verleiden jegliche Ambitionen zu sportlicher Fahrweise. Unterm Strich ist der relativ unhandliche Escalade ein souveräner Cruiser, der immer ganz lässig von unten raus mit voluminösem Sound locker aus dem Drehzahltief nach vorne prescht. Dabei wirkt er nie gequält, aber auch nie besonders spritzig. Irgendwie fährt sich Koloss cool und kultig, doch dabei eher komod als kämpferisch.

Kein Spritsparer
Es versteht sich fast von selbst, dass ein derart großer Motor in Kombination mit Automatikgetriebe und permanentem Allradantrieb bei 2,6 Tonnen Leergewicht recht durstig ist. Den durchschnittlichen Gesamtverbrauch gibt Cadillac mit 16,2 Liter Benzin auf 100 Kilometer an. Der Spritkonsum im Stadtverkehr steigt sogar auf 23 Liter an. In Zeiten einer stark erhitzten Klimadebatte spricht der mit diesem Verbrauch einhergehende hohe CO2-Ausstoß ebenfalls nicht gerade für den V8-Boliden. 383 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ist fast das Dreifache dessen, was derzeit in der EU als Emissionsgrenze diskutiert wird. Durchaus attraktiv wäre es wohl, den Escalade auch mit Dieselmotor anzubieten. Doch wird man für die europäischen Märkte keine Ausnahme machen und allein den großen Benziner offerieren. Dafür soll in bereits recht naher Zukunft eine Hybridvariante vom Escalade kommen. Sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung.

Alles, was das Herz begehrt
Während der Verbrauch des Riesen-Caddys sehr hoch ist, liegt der Preis angesichts des Gebotenen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Für die Variante mit 6,2-Liter-V8-Motor und Automatikgetriebe werden in der Basisausstattung Elegance 69.750 Euro fällig. Für die besser ausgestattete Top-Version Sport Luxury verlangt Cadillac 73.850 Euro. Zum Ausstattungsumfang zählen dann ESP, eine elektrisch öffnende und schließende Heckklappe, ein Dachgepäckträger, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen sowie Ledersitze, die vorne elektrisch einstellbar sind und bis zur zweiten Reihe über eine Sitzheizung verfügen. Auch noch in der dritten Reihe können die Passagiere dank einer Dreizonen-Klimaautomatik die Temperatur selber regulieren. Zusätzlich bietet das SUV ein elektrisches Glasschiebedach, ein beheizbares Lenkrad, einen Tempomat sowie eine Bose-Surround-Anlage mit DVD-Kino und Acht-Zoll-Monitor für die Fondpassagiere. Fehlt hier noch was?

Mercedes GL kostet deutlich mehr
Zum Vergleich: Der Mercedes GL mit Fünfliter-V8-Motor kostet 88.120 Euro. Will man den großen siebensitzigen Sternträger ähnlich gut ausstatten wie den Escalade, steigt der Preis auf ein fast sechsstelliges Niveau.

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