Lexus GS 430: Streben nach Vollendung
(planbar.de) Im Premiumsegment der oberen Mittelklasse trifft der neue Lexus GS auf Audi A6, 5er
BMW und Mercedes E-Klasse. Entsprechend hoch sind die Erwartungen - und die Preise. 40.500 Euro kostet das Einstiegsmodell GS 300.
Philosophie in Blech
Lexus ist in Japan bislang nicht auf dem Markt vertreten, in den USA aber seit 1991 sehr erfolgreich. Künftige Modellgenerationen, allen voran der neue GS, werden erstmals auch im Heimatland Japan angeboten. In Deutschland fristet die noble Toyota-Tochter bislang ein Schattendasein. Noch, muss man sagen, wenn man sich die innovative Technik des GS ansieht. Bei der Entwicklung neuer Fahrzeuge folgen Toyota und Lexus der japanischen Philosophie des "Kaizen" - "Kai" steht für Wandel, "Zen" bedeutet zum Besseren. Ein nie endender Prozess, bei dem jede Produktgeneration nach Vollendung strebt, diese aber nie erreichen wird. In Stahl und Kunststoff präsentiert sich die aktuellste Stufe dieser Evolution als neuer Lexus GS.
Auf höchstem Niveau
Bereits die letzte GS-Generation bot eine verblüffende Fahrkultur. Flüsterleise Motoren, perfekte Verarbeitung und das niedrige Geräuschniveau zeichneten die Limousine aus. Größte Schwäche war das biedere Design. Im "Streben nach Vollendung", wie es der Markenslogan griffig formuliert, präsentiert sich der GS nun in einem modernen Designeranzug, der dennoch nicht mit der Vergangenheit bricht. Charakteristisch sind die Front mit den zusätzlichen Rundscheinwerfern und eine weit zum Heck gezogne Fahrgastkabine, die das klassische Stufenheckdesign um eine dynamische Note bereichert. Der neue GS ist zwei Zentimeter länger und breiter aber eineinhalb Zentimeter niedriger als der Vorgänger. Allerdings bedingt die Form eine kleine Kofferraumöffnung mit einem tiefen, flachen Ladeabteil, das mit 430 Litern nicht ganz den Anforderungen der Oberklasse gerecht wird. Einer der wenigen Kritikpunkte. Und die nächste Aufgabe des Kaizen.
Mehr geht kaum
Für einen ersten Test wählten wir den GS 430, der in der Top-Ausstattung Luxury Line mit 60.000 Euro in der Preisliste steht. Dafür erhält der anspruchsvolle Kunde eine äußerst üppige Komfortausstattung: Highend-Soundsystem von Mark Levinson, DVD-Navigation mit Touchscreen, elektrisch verstellbare und belüftete Ledersitze mit Memory-Funktion oder ein schlüsselloses Zugangssystem - es bleiben kaum Wünsche offen. Gleiches gilt für das Sicherheitspaket. Seitenairbags vorn und hinten, Knieairbags für Fahrer und Beifahrer, Xenon-Kurvenlicht und ein Tempomat, der per Radarüberwachung automatisch den Abstand zum Vordermann einhält, sind an Bord.
Rollender Salon
Trotz der optisch flachen Linienführung bietet der GS vier Erwachsenen bequem Platz. Eine fünfte Person fühlt sich hinten in der Mitte, wie bei allen vergleichbaren Limousinen, eher provisorisch untergebracht. Das Innenraumdesign ist klar und schnörkellos wie ein japanischer Garten. Um die Anzahl der sichtbaren Knöpfe zu reduzieren, wurden die Schalter für selten benötigte Funktionen - etwa die elektrisch verstellbaren Außenspiegel - in einem komplett versenkbaren Modul links neben dem elektrisch verstellbaren Lenkrad zusammengefasst. Absolutes Highlight sind die metallisch glänzenden Ziffernblätter der Rundinstrumente, die je nach Lichtsituation individuell beleuchtet werden. Das gilt übrigens für den ganzen Innenraum. Auch Innen- und Außenspiegel verfügen über entsprechende Sensoren. Unaufdringlicher Luxus, den man erst auf den zweiten Blick bemerkt, der aber maßgeblich zum angenehmen Aufenthalt beiträgt.
Schmuseweiche Sportlimousine
Auch das V8-Triebwerk präsentiert sich souverän. Nach dem Druck auf den Starterknopf versammeln sich hinter der wirksamen Schalldämmung des Motorraums 283 PS (208 kW), die den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in sportwagentauglichen 6,1 Sekunden ermöglichen. Bei 250 Stundenkilometern setzt die Elektronik dem Vorwärtsdrang des 4,3-Liter-Aggregats ein Limit. In jeder Fahrsituation kann der GS noch eine Schippe drauflegen. Doch selbst unter Vollast, beim Kickdown, wird der Motor nicht aufdringlich. Ein entschlossenes Fauchen ist zu hören, die Automatik wechselt währenddessen sanft die sechs Gänge. Damit die Kraft sicher auf die Straße kommt, vertraut Lexus mehr denn je auf Elektronik. So verfügt das Fahrwerk über ein adaptives Dämpfersystem, das in Sekundenbruchteilen auf die aktuelle Fahrsituation reagiert. Neu ist auch die Lenkung mit variabler Übersetzung, die in gefährlichen Situationen korrigierend eingreift. Zur Unterstützung des elektronischen Stabilitätsprogramms wird beispielsweise der Lenkwinkel automatisch verändert - die Räder können wieder mehr Seitenführung aufbauen.
Alles unter Kontrolle
Schnittstelle der einzelnen Sicherheitssysteme ist das VDIM (Vehicle Dynamics Integrated Management), das Motormanagement, Traktionskontrolle und ESP vernetzt. Dadurch bleibt der GS in allen Fahrsituationen sicher in der Spur. Auch beim Beschleunigen oder Bremsen auf unterschiedlich griffigem Fahrbahnbelag gibt es keine unliebsamen Überraschungen. Was die Technik kann, wurde bei der Pressepräsentation auf einem kurvigen Handlingkurs mit extrem rutschigem Belag deutlich. Während der Vorgänger wie auf Schmierseife um die Kurve schlingert und zum Ausbrechen neigt, zieht der neue GS kontrolliert seine Bahnen. Wird es zu schnell, verringert sich die Motorleistung so, dass die Kraft wieder sicher auf die Straße gebracht werden kann.
Fazit: Kaizen zeigt Wirkung. Technik und Komfort sind auf höchstem Niveau - und auch die Optik braucht sich nicht hinter einem 5er BMW zu verstecken. Der neue Lexus GS bietet Fahrkultur auf höchstem Niveau.
planbar.de, Holger Schilp
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