Der neue VW Polo: Gute Basis
(planbar.de) Pünktlich zu seinem 30. Geburtstag präsentiert
Volkswagen einen gründlich überarbeiteten Polo. Viel Ausstattung, neue Motoren und eine schicke Optik lassen den kleinen Wolfsburger richtig erwachsen wirken.
Groß gemachtStatt Kindchenschema mit den runden Kulleraugen gibt es nun eine bullige Front mit dem Wappen-Kühlergrill des neuen Passat. Damit macht der Polo am unteren Ende der Modelpalette Platz für den neuen Fox . Der Polo zielt auf Kunden, denen der Golf allmählich zu groß wird. Innen bietet der Kompaktwagen so viel Platz wie ein Golf II in den 80er Jahren. Zugeständnisse sind höchstens beim Kofferraum (270 Liter bis 1.030 Liter) nötig.
KontrastprogrammDie alte Fußballerweisheit "das Runde muss in das Eckige" bestimmt das Design. Frontscheinwerfer und Rückleuchten fesseln den Blick mit kreisrunden Elementen in eckigen Gehäusen, wie sie inzwischen typisch für Volkswagen sind. Damit der Polo bei der Kundschaft ins Schwarze trifft, glänzt das Interieur mit hochwertigen Materialien und einer soliden Verarbeitung. Der Preis für die dreitürige Basisversion, die jetzt Polo 1.2 Trendline heißt, bleibt unverändert bei 11.250 €. Dennoch wurde die Ausstattung um elektrische Fensterheber und eine Zentralverriegelung - ohne Funk-Fernbedienung - erweitert. Front- und Seitenairbags vorne sind ebenfalls serienmäßig. Kopfairbags (435 €) und das elektronische Stabilitätsprogramm ESP (400 €) kosten dagegen extra. Ab 100 PS (74 kW) ist die elektronische Fangleine im Lieferumfang enthalten.
Große VielfaltInsgesamt stehen vier Benzinmotoren und fünf Turbodiesel zur Auswahl. Zwischen 55 PS (40 kW) und 100 PS (74 kW) ist das Angebot mit acht Aggregaten dicht gestaffelt, dann klafft eine große Lücke bis zum Powerdiesel mit 130 PS (96 kW). Der 1.9 TDI Sportline kostet 18.225 €. Mit Lederausstattung (1.700 €), Navigationssystem (1.870 €), Fondtüren (780 €) und einigen weiteren Extras lässt sich der TDI locker auf den doppelten Preis des Basismodells treiben. Doppelter Preis und mehr als doppelt so stark. Ist der TDI-Powerflitzer damit auch doppelt so gut wie das Basismodell? Eine Frage, die sich nach der Pressevorstellung in Leipzig klar beantworten lässt.
Hohes NiveauBeim Einstieg hat der Fünftürer (TDI) klare Vorteile. Selbst mit der Einstiegshilfe Easy Entry (245 €) erfordert der Zugang in den Fond des Dreitürers eine gewisse Gelenkigkeit. Richtig nobel wirkt die helle Lederausstattung, bei der auch das Armaturenbrett zweifarbig gestaltet wurde. Dank farbenfrohem Streifenmuster und quer abgesteppten Sitzbezügen kommt bereits die Basisversion pfiffig und flott daher. Sie bietet auch Becherhalter auf dem Mitteltunnel, einen Make-up-Spiegel auf der Fahrerseite und einen deaktivierbaren Beifahrerairbag. Fehlt eigentlich nur noch ein CD-Radio und eine Klimaanlage (Paket "Cool & Sound": 750 €). Weitere Staufächer, ausklappbare Cupholder, beheizbare Außenspiegel, Alufelgen, ein Lederlenkrad oder der Bordcomputer, die der Polo Sportline bietet, sind nett anzusehen und teilweise auch ganz praktisch. Absolut notwendig sind sie jedoch nicht.
MuskelspieleSpannend wird der Vergleich auf der Straße. Schließlich hat der 1,9-Liter-TDI bereits in so dicken Brocken wie dem Sharan einen blendenden Eindruck hinterlassen. Mit den knapp 1,2 Tonnen des Polo hat der Pumpe-Düse-Direkteinspritzer erwartungsgemäß leichtes Spiel. Bei 206 km/h Spitze fühlt er sich auf der Überholspur richtig wohl. Von null auf 100 km(h geht es in 9,2 Sekunden. Bei aller Kraftmeierei lässt der TDI nie den knallharten Sportler raushängen. Federungskomfort und Fahrgeräusche orientieren sich eher an Limousinen der höheren Preisklasse. Dagegen haben die 55 PS (40 kW), die der Dreizylinder los lässt, natürlich keine Chance. Auch, wenn das Gewicht mit knapp einer Tonner moderater ausfällt. Auf der Autobahn kitzelt der Tacho nach gaaanz viel Anlauf endlich die 170 auf der Skala. Das Datenblatt gesteht dem Benziner 152 km/h Spitze und eine Beschleunigung von null auf Tempo 100 in 17,5 Sekunden zu.
Gefühltes TemperamentUnd doch täuschen die Zahlen. Fahrsicherheit und Komfort liegen auf Topniveau. Richtig laut wird der kleine Ottomotor nie. Das kehlige Brummen beim Beschleunigen klingt sogar etwas sportlich. Tatsächlich wieselt der kleine Motor schon im unteren Drehzahlbereich eifrig los, während der TDI bis 1.900 Umdrehungen noch Luft holt. Dann aber mit 320 Newtonmetern Drehmoment gnadenlos zuschlägt. Bei beiden Modellen gefällt das leicht schaltbare und exakte Getriebe, wobei der TDI sogar über sechs Schaltstufen verfügt. Bei den Verbrauchswerten liegen Benziner und Selbstzünder mit durchschnittlich 5,8 Litern und 5,2 Litern wieder dicht beisammen.
Fazit: Der TDI 1.9 Sportline ist zwar der sportliche Sieger, moralischer Gewinner des ungleichen Tests ist dennoch das Basismodell 1.2 Trendline. Denn die Rechnung "doppelter Preis gleich doppelt so gut" geht nicht auf. Bereits das Basismodell verfügt über alle Polo-Qualitäten. Und wer vorwiegend in der Stadt unterwegs ist, kann mit dem Leistungsverzicht hervorragend leben.
planbar.de, Holger Schilp
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