Toyota Aygo: Absolut hitverdächtig

(planbar.de) Ab in die City. Toyota möchte mit dem Aygo die Stadtbevölkerung mobil machen. Der 3,41 m kurze Winzling soll mit fluffigem Design, pfiffigen Details und geringen Unterhaltskosten punkten. Wir haben den Aygo in Berlin getroffen.

Buntes Programm

Nach tristen Jahren mit mausgrauer Billigware aus Asien kommt nun frischer Schwung ins Preissegment unter 10.000 Euro. Selbst Volkswagen ist dort inzwischen wieder präsent. Mit dem neuen Fox. Dessen schärfste Rivalen könnten die drei nahezu baugleiche Minis werden, die Toyota, Peugeot und Citroen in den kommenden Wochen auf den Markt bringen. Den Anfang macht der Toyota Aygo. Der in Tschechien produzierte Japaner kommt im Juli zu Preisen ab 8.950 Euro auf den Markt.

Ein Fall für vier

Wie viel Auto gibt es für diesen Preis? Genug um vier Personen mit ihren trendy Rucksäcken (Kofferraumvolumen: 130 - 782 Liter) sicher und bequem die nächtliche Clubbing-Tour zu ermöglichen. Dann sollte allerdings in zusätzliche Türen für den Fond investiert werden, die mit 350 Euro Aufpreis recht günstig zu haben sind. Sonst ist der Zugang zu den hinteren Plätzen - typisch Dreitürer - etwas mühselig. Die Sitze sind bequem und ausreichend groß dimensioniert. Obwohl die vorderen Kopfstützen nicht höhenverstellbar sind, passen sie für bis zu 1,85 m große Personen. Vorne ist mit Gardemaß noch ordentlich Luft über dem Scheitel, hinten gibt es dann allerdings schon Kontakt mit dem Dach. Die Beinfreiheit im Fond fällt der kompakten Größe entsprechend aus. Platzangst bekommt deshalb aber niemand.

Praktischer Typ

Die Kunststoffe des Armaturenbretts sind zwar hart, doch durch eine Struktur mit Vertiefungen, die Toyota als "shark skin" bezeichnet, wirkt das Interieur modern und keineswegs billig. Und das Lenkrad ist angenehm griffig. Designer-Schick zeigt die teils transparente und bei eingeschalteten Scheinwerfern von hinten beleuchtete Mittelkonsole. Wer sucht, findet in schlecht entgrateten Verkleidungen Spuren des Rotstifts. An der Verarbeitungsqualität gibt es sonst nichts zu meckern. Erwartungsgemäß ist die Basisversion nicht besonders üppig bestückt. Zur Serienausstattung gehören jedoch Front-, Seiten- und Kopfairbags. Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP)? Fehlanzeige. Auf unseren ersten Testkilometern wurde es auch bei ruppigen Manövern nicht vermisst.

Für die Stadt

Das Fahrverhalten ist noch im Grenzbereich sehr gutmütig - sofern man ihn mit 68 PS (50 kW) überhaupt erreicht. Allerdings wird die Straßenhaftung mit einer recht straffen Federung erkauft. 157 Stundenkilometer Spitze sind mit viel Anlauf drin. Von null auf 100 km/h geht es in 14,7 Sekunden. An der Ampel tritt der knurrige 1,0-Liter-Dreizylinder dagegen tapfer an. Von Leistungsmangel ist in der Stadt nichts zu spüren. Hier trumpft der Kleine mit einem Wendekreis von unter zehn Metern groß auf. Rückwärts Einparken gelingt dank der weit nach unten reichenden Glas-Heckscheibe ohne Schwierigkeiten. Größtes Plus ist jedoch der Geizhals-Verbrauch. In der Stadt sind es 5,5 Liter, außerorts sogar nur 4,1 Liter.

Es gibt noch mehr

CD-Radio, Zentralverriegelung, geteilt umlegbare Rücksitze, Isofix-Verankerungen, höhenverstellbares Lenkrad und elektrische Fensterheber vorn gibt es im Aygo City, der sich das mit 1.000 Euro extra bezahlen lässt. Optional (650 Euro) ist auch ein herausnehmbares Navigationssystem von "Tom Tom" mit Farb-Touchscreen verfügbar, das im Test mit präzisen Ansagen und einer flexiblen Routenführung überzeugte. Um bei den jungen Wilden zu punkten, sollte Toyota nochmals einige Euro in bessere Lautsprecher investieren. Weder fette Bässe noch die fiesen hohen Töne der Technosongs können sich richtig entfalten. Schade, denn mit einer Anschlussbuchse für einen externen MP3-Player ist das CD-Radio ansonsten gut gerüstet. Auch die Entscheidung, nur drei Farben zu bieten, scheint fragwürdig, wenn jungen Individualisten ein Kultfahrzeug angeboten werden soll. Doch die freiwillige Selbstbeschränkung hilft Kosten zu sparen. Und das ist bei der angepeilten Zielgruppe nicht das schlechteste Argument.

Kleiner, großer Sparer

In einer ersten Betriebskostenanalyse - inklusive Wertverlust und Wartung - errechnete die Zeitschrift Autobild einen Kilometerpreis von 26 Cent. Damit distanziert der Aygo die Konkurrenz von VW Fox, Fiat Panda, Kia Picanto oder Renault Twingo um mindestens drei Cent. Macht bei 15.000 Kilometern Fahrleistung pro Jahr eine Ersparnis von mindestens 500 Euro - die Urlaubskasse freut sich. Auch die Versicherungen mögen den Aygo und gewähren mit Vollkaskoklasse 11 eine niedrige Einstufung. Und: Aygo-Kunden zwischen 18 und 30 Jahren erhalten ein Finanzierungsangebot mit einem Jahreszins, der dem Alter entsprechend zwischen 1,8 Prozent und 3,0 Prozent variiert.

Fazit: Toyota hat mit seinem Kleinsten Großes vor. Und das Experiment könnte gelingen. Der Aygo ist eine erfrischend moderne Alternative im sonst oft emotionslosen Kleinwagensegment.

planbar.de, Holger Schilp

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