Kia Sorento Executive 2.5 CRDi: Nobler Offroad-Haudegen
Mit dem gefällig gestylten Sorento gelang Kia die Flucht aus der Billigecke. Die Koreaner haben mit dem SUV gezeigt, dass sie Autos nicht nur über den Preis verkaufen können.
Auf dem Weg nach obenNoch vor zehn Jahren hätte kaum jemand geglaubt, dass hierzulande ein Kia in der 30-tausend-Euro-Liga Erfolg haben könnte. Seit seiner Premiere im Herbst 2002 hat sich der Sorento jedoch unter den zehn erfolgreichsten Geländewagen behauptet. Das Erfolgsrezept: solide Technik, modern verpackt und zum fairen Preis angeboten. Das zeigt sich im Vergleich mit den Wettbewerbern, zu denen die Koraner selbst die Mercedes M-Klasse und den
BMW X5 zählen. Die deutschen Premiummarken sehen nicht unbedingt besser aus, sie kosten jedoch wesentlich mehr.
Mehr VielfaltVorteil und größtes Manko koreanischer Fahrzeuge ist zugleich die geringe Auswahl an Ausstattungsoptionen. Komplettpakete helfen zwar Kosten zu senken, doch sie schränken den individuellen Gestaltungsspielraum der Kundschaft ein. Und die ist im Premiumsegment sehr verwöhnt. Für die Topversion des Sorento holte sich Kia Unterstützung bei dem Veredler CRD, Car Research & Development, einer Tochter des Nobel-Tuners Brabus aus Botrop. Ergebnis ist der Sorento Executive, der mit 2,5-Liter-Turbodiesel (140 PS/103 kW) für 35.195 Euro zu haben ist. Ein Aufpreis von satten 6.300 Euro im Vergleich zur EX-Aussattung inklusive Lederpaket.
Auffallen um jeden PreisGewaltige 19-Zoll-Alufelgen mit Breitreifen im Format 255/50 ZR 19 lassen den Executive satt auf der Straße stehen. Modifizierte Front- und Heckschürzen sowie Seitenschweller unterstützen den bulligen Auftritt. Alumnium-Einstiegsleiten, silbern hinterlegte Instrumente und Aluminiumpedale sorgen für eine edle Note. Lenkrad, Handbremse, Automatikwählhebel und die Türtafeln sind mit Alcantara verkleidet. Die wildlederähnliche Textilfaser fasst sich angenehm an. Doch beim Testwagen zeigten das Lankrad und der Wählhebel schon nach wenigen tausend Kilometern dunkle Gebrauchsspuren.
Solide TechnikBei Motor und Antrieb gibt es keinen Unterschied zum günstigeren Sorento EX. Der Common-Rail-Vierzylinder überzeugt seit der letzten Modellfpflege mit bulligen 343 Newtonmetern Drehmoment, die zwischen 1.850 und 2.500 Umdrehungen auf die Kurbelwelle drücken. Von dort gelangt die Kraft über einen variablen Allradantrieb zu den Rädern. Auf griffigem Belag ist der Sorento fast zu 100 Prozent mit Heckantrieb unterwegs. Fehlt es an Traktion, übernimmt die Vorderachse einen Teil der Arbeit. Für schweren Offroad-Einsatz gibt es einen massiven Leiterrahmen und ein Reduktionsgetriebe, das zusätzliche Kraft zur Verfügung stellt. Damit folgt der Sorento der reinen Offroad-Lehre, was ihn von einem weichgespülten SUV unterscheidet. 3,5 Tonnen Anhängelast und ein geräumiger Stauraum (441 bis 1.751 Liter) machen ihn zum idealen Partner für Freizeitsportler, die schwer zu schleppen haben.
Robuster KerlAuf Asphalt zeigt der Sorento ein unproblematisches Fahrverhalten - auch ohne elektronisches Stabiltätsprogramm ESP. Die Sicherheitsausstattung umfasst ABS, Front-, Seiten- und Windowairbags. Straßenbahnschwellen und tiefe Schlaglöcher schluckt die Vorderachse kommod, auch wenn die üppige Executive-Bereifung spürbar an der Lenkung zerrt. Hinten geht es nicht so sanft zur Sache. Derbe Schläge reicht die Federung zu den Passagieren durch. Ansonsten bietet der Innenraum viel Platz und Sitzkomfort. Während der Vierzylinder in der Stadt hörbar kraftvoll agiert, tritt das Dieselnageln auf der Autobahn mit zunehmender Geschwindigkeit in den Hintergrund. Die angenehme Geräuschkulisse geht auch auf das Konto der Fünfgangautomatik, bei der sich die Gänge manuell in einer separaten Schaltkulisse wechseln lassen (H-Matic). Von null auf 100 km/h beschleunigt der Zweitonner in gut 14 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit ist bei Tempo 170 erreicht. Manko: Schadstoffnorm Euro 3 und der fehlende Rußpartikelfilter. Das soll sich erst um Jahresende ändern. Ab Herbst bietet Kia Filtertechnik zum Nachrüsten an.
Fazit: Mit seiner schnörkellosen Optik überzeugt der Sorento nicht nur vor der Oper. Auch im Gelände kann er sich gut in Szene setzen. Turbodiesel und Automatikgetriebe harmonisieren dabei gut. Ob sich allerdings der hohe Aufpreis für die Executive-Ausstattung lohnt, sollte vor dem Kauf gut überlegt werden.
Holger Schilp
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