Fiat Croma: Zu neuer Größe
1994 trat der Croma von der automobilen Bühne ab. Jetzt, nach elf Jahren, kommt der Nachfolger: eine Mischung aus Kombi und Van. Der Italiener bietet viel Ausstattung, Sicherheit und Komfort.
Wieder zurückDer erste Croma brachte es auf zwei Modellgenerationen. Mit dem Produktionsende verabschiedete sich Fiat 1994 aus dem umsatzstarken D-Segment, das in Deutschland von
BMW 3er-Reihe, Audi A4, Mercedes C-Klasse und dem Passat beherrscht wird. Doch der neue Croma zielt nicht auf die Premiumliga. Wettbewerber sieht Fiat eher im Opel Vectra, Ford Mondeo, Peugeot 407 SW oder Mazda6. Je nach Version ist der Italiener mehrere tausend Euro günstiger als die Konkurrenz.
Gut ausgestattetBeim derzeit günstigsten Croma 2.2 16V Active stecken bereits 147 PS (108 kW) unter der Haube. ESP, sieben Airbags (Front-, Seiten- und Windowairbags sowie ein Kinieairbag für den Fahrer) sind serienmäßig. Seitenairbags hinten kosten extra (280 Euro). Auch die manuelle Klimaanlage mit Kühlfach in der Mittelkonsole ist im Preis von 21.600 Euro enthalten. Neben dem Basis-Benziner schicken die Italiener zunächst zwei Turbodiesel mit 120 PS (88 kW) und 150 PS (110 kW) ins Rennen. Später folgt das eigentliche Basismodell, ein 1,8-Liter-Benziner mit 140 PS (103 kW), der voraussichtlich knapp 21.000 Euro kosten wird. Das Topmodell ist ebenfalls ein Diesel. Der Fünfzylinder 2.4 Multijet 20V mobilisiert 200 PS (147 kW). Preis inklusive 6-Gang-Automatik: 30.900 €. Alle Aggregate erfüllen die Schadstoffnorm Euro 4, die Selbstzünder sind serienmäßig mit einen Rußpartikelfilter ausgerüstet.
Schein und SeinWie die beiden Vorgänger wurde auch der neue Croma von Giorgetto Guigaro entworfen. Und wieder wählte der italienische Stardesigner eine schnörkellose Karosserieform. Die Front ist aerodynamisch glatt und recht konturlos. Erst die Fahrzeugflanke reizt den Blick mit kraftvoll ausgestellten Radläufen. Bei 4,70 m Länge und 1,60 m Höhe stellt der Croma die Mitbewerber buchstäblich in den Schatten. Der Kofferraum bietet zwischen 500 und 1.610 Liter Stauraum. Wird die Rückenlehne umgeklappt, bleibt allerdings eine sperrige Stufe im Boden, die sich nur mit einem optionalen Klappboden (160 Euro, Serie in der Topversion Emotion) beseitigen lässt. Dennoch entsteht keine komplett ebene Ladefläche, da sich die Sitzfläche der Rückbank nicht umklappen lässt. Längs verschiebbare Polster wie im Opel Signum oder eine in der Neigung variable Lehne sind ebenfalls nicht vorgesehen.
Für lange StreckenDie Stärken des Croma liegen im Komfort. Klimaanlage, bequeme Sitze und ein Innenraumdesign mit hochwertig wirkenden Kunststoffen und Sitzbezügen sorgen für einen angenehmen ersten Eindruck. Die Motoren - Benziner und Diesel - bleiben auch beim Beschleunigen dezent im Hintergrund. Fahrwerkspoltern und Windgeräusche sind ebenfalls kaum wahrnehmbar. Und die Federung steckt kurze und lange Bodenwellen gleichermaßen gut weg. Wie im Van sitzen die Passagiere hoch über der Straße, die Übersicht ist tadellos. In der Kurve liegt der hohe Kombi dennoch satt. Und beim Einlenken in die Kurve erweist sich die die Servolenkung als ausreichend präzise. Dennoch ist der Croma kein Kurvenräuber. Sportliche Limousinen stellt im Konzern bekanntlich
Alfa Romeo auf die Straße. Mit dem Croma hat Fiat dafür einen angenehmen Reisewagen im Programm.
Gute Basismotoren
Für erste Fahreindrücke wählten wir beim Benziner und Diesel jeweils die Einstiegsmotorisierung. Mit seinem Sechsganggetriebe hängt der 1.9 JTD Multijet 8V gut am Gas. Mit etwas Anlauf sind die 120 PS für 195 km/h Spitze gut, die Tempo-100-Marke fällt aus dem Stand nach 11,3 Sekunden. Der 2.2 16V-Benziner ist mit 147 PS erwartungsgemäß flotter unterwegs: null auf 100 km/h in 10,1 Sekunden und 210 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit. Trotzdem tritt der Diesel dank 280 Newtonmetern Drehmoment (Benziner: 203 Nm) kraftvoller an. Auch an der
Tankstelle hat er mit 6,1 Litern Diesel gegenüber 8,8 Litern Super die Nase vorn. Allerdings fordert der JTD beim Kauf 1.150 Euro Aufschlag. Wer wenig fährt oder nicht ständig die Höchstgeschwindigkeit ausreizt, ist auch mit dem Benziner gut bedient.
Fazit: Geräumig, komfortabel, ordentlich verarbeitet, sicher und preiswert. Der neue Croma ist der beste Fiat, der letzten Jahre. Wer sich um Prestige nicht kümmert, sollte den Italiener ruhig einmal näher anschauen.
(06/05) mototype, Holger Schilp
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