Peugeot 107: Gut gebrüllt, kleiner Löwe
Das Warten hat ein Ende. Mit dem neuen 107 bringt Peugeot den lang ersehnten Nachfolger des Baby-Löwen 106. Händler und Kunden dürften gleichermaßen gespannt sein. Peugeots jüngster Spross kommt zu Preisen ab 8.890 Euro auf den Markt.
"Der neue Boss in der Stadt"Mit diesem Werbeslogan nimmt Peugeot den Mund ziemlich voll. Schließlich geht es um einen gerade einmal 3,43 Meter kurzen Autozwerg, der als Drei- oder Fünftürer (plus 450 Euro) antritt. Auch das Motorenangebot ist übersichtlich: es gibt einen Dreizylinder-Benziner mit 68 PS (50 kW), sonst nichts. Die Betonung liegt also mehr auf "Stadt", denn auf "Boss".
Begrenzter ErfolgFür die absolute Alleinherrschaft fehlt dem Peugeot 107 das Seltenheits-Gen. Das wird in Deutschland höchstens durch die begrenzte Verfügbarkeit realisiert. Im ersten vollen Verkaufsjahr 2005 sollen maximal 12.500 Minilöwen nach Deutschland rollen. Des Rätsels Lösung: der 107 wird wie seine Geschwister Citroen C1 und Toyota Aygo in Tschechien produziert. In einem Werk, dessen Kpazität bei maxmimal 100.000 Fehrzeugen pro Marke erschöpft ist. Und die verteilen sich auf alle Märkte.
Klein, aber ohoDavon abgesehen hat der City-Floh Qualitäten, über die sich nicht streiten lässt. Mit einem Wendekreis von nur wenig über 9 Metern avanciert der Franzose zum Parklückenkönig. Von der hohen Sitzposition aus bleibt das Geschehen dabei gut im Blick. Servolenkung, Front- und Seitenairbags sind schon in der Basisausstattung an Bord. Ein gutes Gefühl, das beim jüngsten EuroNCAP-Crashtest mit vier von fünf möglichen Sternen bestätigt wurde. Andere Billigangebote, wie der wesentlich größere Dacia Logan, haben unter gleiche Bedingungen kläglich versagt. Gut gebrüllt, kleiner Löwe.
Mini-RabaukeDoch normalerweise brüllt im Peugeot 107 nichts außer dem Motor. Der Dreizylinder dient als akustischer Drehzahlmesser, der die entsprechende Ausstattungsoption (50 Euro) überflüssig macht. Wer sich erst einmal an den rauen Sound gewöhnt hat, empfindet ihn bald als sportlich. Und tatsächlich gehört der Franzose mit 13,7 Sekunden von null auf 100 km/h und 157 Stundenkilometern Spitze nicht zu den rollenden Verkehrshindernissen. Mit 865 Kilogramm Leergewicht hat das Ein-Liter-Motörchen leichtes Spiel, was sich auch in den Verbrauchswerten widerspiegelt. Im Schnitt sollen 4,6 Liter Super genügen. Ein Test zum späteren Zeitpunkt wird Klarheit bringen.
Gut aufgehobenBei einer ersten Ausfahrt quer durch Hamburg zeigte der Mini seine besten Seiten. Bequeme Sitze - ohne allzu großen Seitenhalt - und das höhenverstellbare Lenkrad ermöglichen einen entspannten Aufenthalt. Das Fahrwerk trotzt auch ohne Anti-Schleuder-Programm ESP jugendlichem Übermut am Steuer. Nicht zuletzt deshalb, weil der Dreizylinder zunächst träge agiert. Erst jenseits der 4.000 Umdrehungen lässt die variable Ventilsteuerung das Aggregat frei atmen. Im Alltag viel wichtiger ist jedoch das komfortable Fahrwerk, das auch Kopfsteinpflaster ordentlich filtert und Stöße weitgehend vom Lenkrad fern hält.
Mehr geht nichtVier Passagiere reisen also durchaus bequem. Das liegt auch am langen Radstand, der für die Insassen ein Maximum an Bewegungsfreiheit schafft. Und so reisen im Fond auch Erwachsene bequem - so lange sie nicht über 1,80 Meter groß sind. Dann hat der Kopf Tuchfühlung mit dem Dach. Der Größe entsprechend, präsentiert sich der Laderaum: Mit umgeklappten Rücksitzen wächst der Kofferraum von 139 auf immerhin 782 Liter. Das Beladen wird aber durch eine hohe Ladekante erschwert. Doch die sorgt beim Heck-Crash für zusätzliche Sicherheit. Und hier schließt sich der Kreis.
Fazit: Zaubern kann auch der Peugeot 107 nicht. Doch er ist ziemlich nah dran an dem, was unter 9.000 Euro und mit 3,43 Metern Länge möglich ist. Der Franzose ist günstig, sparsam und sicher. Und er ist sowohl optisch als auch technisch ein vollwertiges Automobil.
mototype.de, Holger Schilp
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