Lexus RX 400h: Das Wunder des Hybridantriebs
Bullenstark wie ein V8, aber sparsam wie ein Vierzylinder. Das anscheinend Unmögliche wird mit dem Lexus RX 400h wahr. Für den Antrieb sorgen ein V6-Aggregat und zwei Elektromotoren.
Gelungene AlternativeFreunde der Luxusklasse, vergesst den Turbodiesel. Dem Benzin-Hybridmotor gehört die Zukunft. Die von Toyota mit dem Prius zur Serienreife entwickelte Technik hält mit dem Lexus RX 400h jetzt auch im Premiumsegement Einzug. Der Antrieb beeindruckt mit 272 PS, einem Drehmoment von 750 Newtonmetern und einem Normverbrauch von nur 8,1 Litern. 49.750 € verlangt Lexus für das Hightech-SUV, das damit direkt gegen die gleich starke M-Klasse von Mercedes antritt.
Saubere LeistungÜber 50 Prozent der Fahrleistungen in Deutschland erfolgen im Stadtverkehr. Dort wo Benzin- und Dieselmotoren die höchsten Verbrauchswerte erzielen. Beim Anfahren arbeitet jeder Verbrennungsmotor mit einem schlechten Wirkungsgrad. Aufgrund der Motorcharakteristik wird sehr viel Energie benötigt, die beim Bremsen in Form von Wärme wieder vernichtet wird. Der RX 400h setzt deshalb beim Anfahren auf die Kraft der Elektromotoren, die aus dem Stand ihr maximales Drehmoment entwickeln. Beim Bremsen arbeitet der Elektroantrieb als Generator, der die Batterien auflädt. Weiterer Vorteil: Im Gegensatz zum ebenfalls sparsamen Dieselmotor stößt der Hybrid bis zu 50 Prozent weniger vom Treibhausgas CO2 aus. Stickoxide, die beim Diesel aufwändig mit einem gesonderten Katalysator werden müssen, sind im Abgas praktisch nicht vorhanden.
Flüsterleise unterwegsWer den Zündschlüssel nach rechts dreht, wundert sich zunächst: es passiert nichts. Automatikhebel auf "D" gestellt, etwas auf das Gaspedal gedrückt - und das zwei Tonnen schwere SUV setzt sich in Bewegung. Geräuschlos und ohne Abgase. Im Stop-and-go- reicht die Batterieleistung für eine Strecke von maximal 2,5 Kilometern. Die Akkus sitzen Platz sparend unter den hinteren Sitzen. Bei hohem Tempo - maximal 200 Stundenkilometer sind möglich - ist der Benziner für den Antrieb zuständig, denn er arbeitet hier effektiver als die Elektromotoren. Beim Spurt von null auf 100 km/h, der in sportwagentauglichen 7,6 Sekunden erledigt ist, liefert der Benziner dagegen seine Energie hauptsächlich um die drehmomentstarken Elektromotoren über den Generator mit Strom zu versorgen. Das Wechselspiel der Antriebstechnik lässt sich über ein Display in der Mittelkonsole verfolgen.
Bärenstarker SprinterVon der Leistungsfähigkeit des RX 300h konnten sich die Journalisten bei der Präsentation in der Nähe von Oslo überzeugen. Hier lieferten sich das massige SUV und ein auf Sprintkraft getunter Ford Mustang (Bj. 1967) mit über 300 PS packende Duelle. Auf der abgesperrten Rennstrecke konnte das US-Musclecar nur ohne Passagiere an Bord das Duell für sich entscheiden, sonst hatte der schwere Lexus die Nase vorn. Ein Sieg des drehmomentstarken Hybrids. Bei der anschließenden Tour mit maximal 80 Stundenkilometern über norwegische Landstraßen und etwas Autobahn mit maximal Tempo 100 beeindruckte der Japaner mit Verbrauchswerten von unter sieben Litern. Vom flüsterleisen Antrieb war dabei praktisch nichts zu hören.
Verborgene TalenteOptisch ist der Hybrid-RX nicht von einem RX 300 mit konventionellem Ottomotor zu unterscheiden. Doch für den Antrieb sorgen beim Hybrid gleich drei Motoren: Ein 3,3-Liter-V6-Aggregat mit 211 PS (155 kW) und ein Elektromotor mit 167 PS (123 kW) an der Vorderachse. Die Hinterräder werden von einem Elektromotor mit 68 PS (50 kW) angetrieben. Eine Kardanwelle zwischen Vorder- und Hinterachse gibt deshalb genauso wenig wie ein Zwischendifferenzial. Anlasser, Lichtmaschine oder Keilriemen zum Antrieb von Nebenaggregaten werden ebenfalls nicht benötigt. Zündung, Klimaanlage und Servolenkung beziehen ihre Energie direkt aus dem Spannungsnetz des Hybridsystems. Das spart Gewicht und reduziert den Wartungsaufwand. Aufgrund der unterschiedlichen Charakteristik von Benziner und Elektromotoren summiert sich die maximale Leistung auf 272 PS (200 kW), das maximale Drehmoment beträgt 750 Nm.
Auf allen VierenLexus setzt den hinteren Elektromotor nicht nur unter 4x4 Bedingungen ein, er dient auch als aktives Stabilitätssystem. Während ein konventionelles ESP im Grenzbereich nur mit Bremseingriffen und einer Drosselung der Motorleistung reagiert, steuert das integrierte Fahrdynamik Management (VDIM) des Lexus zudem mit exakt dosierter Kraftzuteilung an der Hinterachse. Die Auslegung der Allradtechnik setzt dem RX400h allerdings im Gelände Grenzen. Seine Stärken hat der Lexus bei Nässe, Matsch und Schnee. Auf höchstem Niveau befinden sich auch die Komfort- und Sicherheitsausstattung. Sieben Airbags - inklusive Knieairbag für den Fahrer - schützen die Passagiere. Und vom Xenon-Licht bis zu den 18-Zoll-Alufelgen ist das SUV standesgemäß ausgerüstet. Optional sind weitere exklusive Details wie ein Navigationssystem mit Rückfahr-Kamera verfügbar.
Fazit: Hut ab vor der Innovationskraft von Toyota. Der von der Nobeltochter Lexus produzierte RX 400h ist ein echter Pionier. Kraft und Sparsamkeit werden in einer Art und Weise vereint, die bislang unmöglich schien.
mototype.de, Holger Schilp
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