Opel Tigra 1.4: Hut ab, die Sonne scheint

Kleines Cabrio mit einem Stahl-Klappdach. Damit eroberte der Peugeot 206 CC die Käuferherzen im Sturm. Nun hat Opel mit dem Tigra gekontert. Ein Test mit dem Basismodell Tigra 1.4 Enjoy, das ab 16.895 Euro Open-Air-Vergnügen verspricht.

Strammer Keil

Auf den ersten Blick ist es kaum zu glauben, dass der Opel Tigra vom braven Corsa abstammt. Der Zweisitzer kauert als kraftvoller Keil auf dem Asphalt. Innen ist die Verwandtschaft deutlicher. Armaturenbrett und Sitze sind gute Bekannte. Typisch für ein Coupé-Cabrio: das propere Hinterteil. Schließlich will das hydraulische Stahl-Klappdach verstaut sein. Und das braucht mehr Platz als bei einem Cabrio mit Stoffmütze.

Viel Gepäck

Mit einem cleveren Trick schafft Opel im Heck 250 Liter Gepäckraum: Das hintere Verdeckteil mit der beheizbaren Scheibe windet sich um die eigene Achse und verschwindet unter einem 70 Liter großen Staufach, das vom Passagierabteil ins Heck ragt. Direkt hinter den Vordersitzen ist also nochmals Platz für einen flachen Koffer. Wer viel zu transportieren hat, sollte geschlossen fahren. Dann steckt das Heck stattliche 440 Liter weg - mehr als jeder andere Kleinwagen. Dazu muss nur eine Trennwand im Kofferraum entriegelt werden, die sonst das zusammengefaltete Dach vor dem Gepäck schützt. Bei so viel praktischem Talent stört es nicht, dass der Tigra ein reiner Zweisitzer ist. Auch beim Erzrivalen von Peugeot taugt der Fond mangels Beinfreiheit nur als Open-Air-Kofferraum.

Alles per Knopfdruck

Um das Gepäckabteil des Tigra zu beladen, muss über dem hinteren Stoßfänger ein silberner Knopf gedrückt werden, dann öffnet sich der Deckel. Mit einem weiteren Druck lässt sich der Vorgang stoppen. Um die Klappe zu schließen muss wiederum der Knopf gedrückt werden. Und zwar die ganze Zeit. Im Regen vor dem Supermarkt zeigte sich eindrücklich der Nachteil dieser Lösung. Besser wäre es, wenn sich das Verdeck und der Kofferraum auch per Fernbedienung schließen ließen. Für einen Platz an der Sonne müssen zuerst rechts und links zwei kleine Bügel gelöst werden. Schon kann das Verdeck mittels Schalter in der Fahrertür geöffnet werden. Von einem Warnton begleitet, fahren zuerst die Seitenscheiben einige Zentimeter nach unten. Dann zieht sich das Dach ins Heck zurück.

Spaß für zwei

Ein kleines aber sehr effektives Windschott wird mit einem Hebel hinter den Sitzen fixiert. Selbst bei Tempo 140 dringt dann nicht mehr als ein laues Lüftchen nach innen - wenn zugleich die Seitenscheiben hoch gefahren sind. Dennoch sollte man sich die optionale Klimaanlage (1.100 Euro) gönnen. Sie sorgt auch bei geöffnetem Dach und Bullenhitze für etwas Kühlung. Nach der ersten langen Rast in der prallen Sonne geht es zunächst heiß her: Die schwarze Mittelbahn der Sportsitze hat sich heftig aufgeheizt. Dafür bieten die Polster viel Seitenhalt und man sitzt auch nach mehreren hundert Kilometern noch bequem. Dass trotzdem nicht alle Personen eine optimale Sitzposition finden, liegt am Lenkrad. Es ist nur in der Höhe zu verstellen - Corsa lässt grüßen. Doch wenn die Sonne auf der Nase kitzelt und der Wind mit den Haaren spielt, sind solche Kleinigkeiten schnell vergeben und vergessen.

An der Basis

Erfahrungsgemäß braucht das Frischluftvergnügen nicht allzuviele Pferdestärken. Beim Tigra 1.4 stecken 90 PS (66 kW) unter der Haube. Es handelt sich um das Twinport-Aggregat, dessen variabler Ansaugtrakt eine besonders sparsame Verbrennung verspricht. Allerdings wirkt der Vierzylinder unter 2.500 Umdrehungen etwas zugeschnürt, darüber geht es munterer zur Sache. 12,4 Sekunden von null auf 100 km/h und Tempo 180 Spitze, für den Alltag reicht das vollkommen. Nur wer es richtig sportlich mag, ist mit Tigra 1.8 mit 125 PS (92 kW) besser bedient (18.095 Euro). Auf kurvigen Landstraßen zeigt sich bei der beherzten Suche nach der Ideallinie, dass der Tigra im Grunde ein nachträglich geöffneter Corsa ist. Tiefe Schlaglöcher und Bodenwellen lassen das Armaturenbrett erzittern. Egal, wir wollen die Sonne genießen. Das hilft auch dem Durchschnittsverbrauch, der sich nach mehr als 2.000 überwiegend gemütlichen Kilometern bei 7,2 Litern eingependelt hat. Lob verdient auch die Sicherheitsausstattung. ESP, Bremsassistent, vier Airbags und der markant gewellte Überrollbügel sind serienmäßig.

Fazit: Unser Tigra 1.8 Enjoy war ein feuerrotes Spielmobil, das besonders bei Sonnenschein viel Spaß bereitet hat. Über die wenigen Unzulänglichkeiten tröstet der faire Preis schnell hinweg. Zum Testende hätten wir ihn jedenfalls gerne noch ein Weilchen behalten. Schließlich hat der Sommer gerade erst begonnen.

mototype.de, Holger Schilp

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