Toyota Prius: Der Benzinspar-Stromer
Als der erste Prius 1997 auf den Markt kam, wurde Toyota belächelt. Inzwischen kaufen Wettbewerber wie Ford und Nissan die Hybridtechnik der ersten Prius-Generation in Lizenz. Derweil eilt Toyota mit dem Prius II von Erfolg zu Erfolg. Zeit für einen erneuten Test mit dem europäischen Auto des Jahres 2005.
Beeindruckend, wirklichIch staune. Und kann einfach nicht den Blick vom Display des Bordcomputers lassen. Aktueller Durchschnittsverbrauch: 3,9 Liter Super - nach 25 Kilometern quer durch Berlin. Dabei ist der Prius kein spartanisches Sparmobil, sondern ein richtig geräumiges Fahrzeug. Größer als ein Golf, mit Platz für fünf Personen samt Urlaubsgepäck. Mit DVD-Navigationssystem, 16-Zoll-Alufelgen, Klimaautomatik, schlüssellosem Zugangssystem und JBL-Soundsystem kommt das Topmodell Prius Executive auf 27.800 Euro, mit weniger Ausstattung gibt es den Spritsparer ab 23.900 Euro.
Verkehrte WeltAuf der Autobahn war noch alles wie immer, der Japaner verbrauchte im Schnitt zwischen sechs und acht Liter Super. Doch seit die Stadtgrenze hinter uns liegt, sinken die Werte stetig. Bei "normalen Autos" ist das genau umgekehrt: Stop-and-Go als natürlicher Feind der Brieftasche. Mit dem Prius werde ich glatt noch zum Fan des Stadtverkehrs. Zumal die Fortbewegung leise und dank Automatikgetriebe sehr entspannt gelingt.
Starkes DuoUrsachenforschung: Unter der Haube arbeiten ein 1,5-Liter-Vierzylinder Benziner (78 PS/57 kW) und ein Elektromotor (68 PS/50 kW) Hand in Hand. Auf der Autobahn, wo der Benziner den optimalen Wirkungsgrad und damit die geringsten Verbrauchswerte erzielt, hat der Elektromotor Pause. In der Stadt und beim Beschleunigen, wenn die Verbrennung nicht optimal läuft, greift er unterstützend ein. Im Kriechgang von einer Ampel-Rotphase zur nächsten, dann bleibt der Benziner aus. Das Hybridfahrzeug schleicht auf Samtpfoten durch den Großstadtdschungel - sehr zur Verwunderung der Fußgänger. Weniger Verbrauch bedeutet auch weniger Abgase. So liegt der Ausstoß an Kohlenwasserstoffen und Stickoxiden - nach Angaben von Toyota - um 88 Prozent unterhalb der Euro IV-Norm für Benzinmotoren, die Norm für Dieselaggregate wird sogar um 93 Prozent unterboten.
Echtes TeamworkBis zu einer Geschwindigkeit von 22 Stundenkilometern stehen satte 478 Nm Drehmoment bereit. Damit sprintet das Hybridfahrzeug - durchaus zügig - in 10,9 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit fällt als Folge der nicht gerade üppigen Leistung des Benziners mit 170 Stundenkilometern eher moderat aus. Macht nichts, der Prius definiert Fahrspaß als Freude am Sparen. Beim Bremsen und wenn das Fahrzeug nur rollt, arbeitet der Elektromotor als Generator, der die überschüssige Bewegungsenergie in Strom umwandelt. Eine Metall-Hybrid-Batterie unter der Rückbank dient als Stromspeicher, der beim Beschleunigen vom Elektromotor wieder angezapft wird. Wie viel Energie zurück gewonnen wird, zeigt das Zentraldisplay in der Mittelkonsole mit kleinen grünen Autos an.
Licht und SchattenDas Öko-Kino spendet jedoch nicht nur Freude. Bei Sonnenlicht lässt es sich nur schwer ablesen und die Menüs von Navigationssystem, Bordcomputer und Klimaanlage erfordern einige Gewöhnung. Ansonsten ist der Prius ein ganz normales Auto. Fast jedenfalls. Gestartet wird per Knopfdruck neben dem Lenkrad. Der Wählhebel für die Automatik wurde auf ein kleines Stummelchen reduziert, das sich ebenfalls rechts neben dem Volant findet. Die Bedienung erfolgt "by wire", also ohne mechanische Verbindung zum Getriebe. Als Bote der gewünschten Fahrtrichtung dient dem Getriebe ein Kabel. Und weil der Motor an der Ampel ruht, ist eine elektrische Klimaanlage an Bord, die über die Hybrid-Batterie gespeist wird, was auch für die Servolenkung gilt. Das Lenkrad verfügt über Bedientasten für das Radio und den Tempomat. In der Praxis entpuppt sich die elektrische Lenkhilfe als leichtgängig aber etwas gefühllos.
Am liebsten jeden TagNeben den Ökonomischen Qualitäten überzeugt der Prius auch im Alltag. Dank umklappbarer Rückbanklehne der ist der Gepäckraum (409 bis 1.210 Liter) familientauglich. Passagiere finden auf allen Plätzen genügend Bewegungsfreiheit, auch wenn die tropfenförmige Karosserie hinter dem Fahrer steil abfällt. Wie man es von einem Toyota erwartet, bietet die Verarbeitungsqualität keinen Anlass zur Klage. Nach Angaben der Japaner ist der Prius sogar das Fahrzeug der Modellpalette, das die geringsten Garantiekosten verursacht. Auf die Metall-Hybrid-Batterie gibt es acht Jahre Garantie. Angeblich musste bislang bei keinem der seit 1997 verkauften Fahrzeuge eine Batterie getauscht werden. Damit die Akkus nicht schlapp machen, werden sie nie mehr als zur Hälfte entladen. Aber auch nie ganz voll aufgeladen. Wer befürchtet, die Hybridtechnik ginge zu Lasten der Sicherheit, den beruhigt der Prius mit fünf Sternen beim EuroNCAP-Crashtest.
Fazit: Sicher, die Form muss man mögen. Und der Toyota Prius ist auch kein Auto für Raser. Er beweist aber, dass umweltschonende Fortbewegung auch mit dem Auto möglich ist. Ganz ohne Einschränkung der Alltagstauglichkeit. Im Gegenteil: der Prius ist leise, kräftig, komfortabel und variabel. Seine Stärken entwickelt er besonders dort, wo selbst der Diesel schwächelt: in der Stadt.
mototype.de, Holger Schilp
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