Opel Astra GTC Turbo: Volle Pulle

Bereits die Astra Limousine präsentiert sich topmodern. Doch die zweitürige Coupéversion setzt noch einen drauf - besonders mit dem 2,0-Liter-Turbomotor unter der Haube. 200 PS sorgen für erfrischende Fahrleistungen.

Das Unmögliche versuchen

Autokäufer sind oft undankbare Gesellen, die alles auf einmal wollen: viel Platz und Sicherheit, kommoden Reisekomfort - aber sportliche Fahrleistungen - und ein Fahrwerk, das wie mit Pattex auf dem Asphalt klebt. Und das alles möglichst günstig. Was die Kosten angeht, ist der Astra GTC 2.0 Turbo Sport mit 23.605 Euro gut bei der Musik. Für das sportliche Fahrerlebnis gibt es ein elektronisch geregeltes Fahrwerk, das von 200 PS (147 kW) auf die Probe gestellt wird. Und schließlich bietet das Coupé kaum weniger Platz als die fünftürige Limousine. So weit die Theorie.

Kraft aus dem Drehzahlkeller

Der 2,0-Liter Vierzylinder übt sich zunächst in Zurückhaltung. Weder beim Starten noch auf den ersten Kilometern durch die Stadt zeigt er sein sportliches Potenzial. Das Triebwerk hängt kraftvoll aber unspektakulär am Gas, so kommt der sechste Gang auch bei niedrigem Tempo oft zum Einsatz. Von 1.500 Umdrehungen bis jenseits von 6.000 U/min stehen über 200 Newtonmeter Drehmoment bereit, der Maximalwert von 262 Nm wird bei 5.400 Umdrehungen erreicht. Die Nadel des Drehzahlmessers bewegt sich willig aber ohne besonderen Eifer über die Skala. Das ändert sich schlagartig mit dem Druck auf die unscheinbare "Sport"-Taste, die sich am oberen Rand auf der silbern glänzenden Mittelkonsole befindet.

Es lebe der Sport

Wie der Blitz spannt der GTC die Muskeln: Lenkung direkter, Motor bissiger und die Federung deutlich straffer. Trotzdem wird das Fahrwerk nicht zum Bandscheibenkiller. Beim Tritt aufs Gas mischt sich ein kehlig aggressiver Unterton ins Konzert. Tempo 100 ist nach 7,8 Sekunden erreicht, danach geht es mit etwas Anlauf bis auf maximal 234 Stundenkilometer. Auch mit Topspeed liegt der Testwagen noch wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße. Lang gezogene Autobahnkurven werden gemeistert, ohne dass auch nur eine Spur von Unruhe aufkommt. Selbst wer jetzt in den "Komfort"-Modus schaltet, bleibt von unliebsamen Überraschungen verschont. Des Rätsels Lösung: Ein interaktives Fahrwerk mit der elektronischen Dämpferregelung CDC (Continous Damping Control). Das System analysiert permanent die Fahrsituation. Auf jede Veränderung reagiert die Elektronik im Millisekundenbereich mit einer optimierten Abstimmung der Stoßdämpfer. Im Zusammenspiel mit dem elektronischen Stabilitätssystem ESP funktioniert das auch bei abrupten Ausweichmanövern auf der Landstraße, wo der Testwagen mit ausgeprägter Gutmütigkeit glänzt.

Kehrseite der Medallie

Volle Pulle auf der Autobahn ist dennoch ein Spaß, den man sich eher selten gönnt. Auf Bleifußetappen schnorchelt das ansonsten so kultivierte Turboaggregat nämlich bis zu 20 Liter pro 100 Kilometer aus dem Tank. Im zweiwöchigen Testbetrieb pendelte der Durchschnittsverbauch pro Tankfüllung zwischen zehn und bis zu 14 Litern, in der Stadt waren es rund zwölf. Neun Liter, die der Normwert verspricht, sind wohl nur mit einer gemütlichen Landpartie zu erreichen. Und dafür ist eine ordentliche Portion Selbstbeherrschung notwendig. Denn die Mischung aus knackigem Fahrwerk, präziser Lenkung und bissigem Motor macht von Kurve zu Kurve mehr Laune.

Qualitäten für den Alltag

Erst auf den zweiten Blick fällt auf, warum der Astra GTC auch auf der Rückbank so viel Luft über dem Scheitel bietet. Das Dach ragt über die schräg zum Heck abfallende C-Säule hinaus. Deshalb ist auch die Heckscheibe nicht so stark geneigt, wie es der erste Blick vermuten lässt. Der Kofferraum kann mit der geteilt umklappbaren Rückbank von 340 Liter und 1.070 Liter erweitert werden, das ist mehr als mancher Fünftürer im Kompaktsegment zu bieten hat. Vorne sorgen der abgeflachte Grill und die sanft ansteigende Windschutzscheibe für eine Extraportion Dynamik. Beim Testwagen kommt hinzu, dass er satt und breit auf 18-Zoll-Alufelfgen mit Breitreifen im Format 225/40 steht. Innen beschränkt sich der sichtbare Sportsgeist auf die obligatorischen Aluminiumpedale, ein griffiges Multifunktionslenkrad und bequeme Sportsitze, die in unserem Fall mit Leder (1.130 Euro) bezogen waren.

Fazit: Bis auf die Trinksitten überzeugt der Astra GTC 2.0 Turbo als alltagstauglicher Kompaktsportler, der bei Bedarf viel Spaß bereitet. Wesentlichen Anteil daran hat das elektonische Fahrwerk, das einen tollen Job macht.

mototype.de, Holger Schilp

Weitere Fotos