Skoda Fabia 1.4 TDI: Kleiner Tscheche groß in Fahrt
Turbodiesel im Kleinwagen. Eine Kombination, die von der Kundschaft nur selten gewählt wird. Warum eigentlich? Ein Praxistest mit dem Fabia 1.4 TDI.
Ganz lange TourEigentlich hatte ich mir die Zeit mit dem Fabia 1,4 TDI Ambiente etwas anders vorgestellt. Kurzweilig, mit vielen Strecken rund um Berlin. Doch dann wurde kurzfristig ein anderer Testwagen abgesagt. Der kleine Tscheche musste daraufhin einspringen und kräftig die Ärmel hochkrempeln: Berlin, Basel, Köln und wieder zurück nach Berlin nur drei Tagen. Im Kleinwagen. Nicht unbedingt das, worauf man sich freut. Zumal noch wenige Tage zuvor ein Skoda Superb 2.0 TDI den Redaktionsdienst versah - eine wirklich komfortable Reiselimousine.
Ein DauerbrennerKaum zu glauben, dass der Fabia schon im siebten Modelljahr ist. Und das optisch nahezu unverändert. In Deutschland hat er inzwischen eine Viertel Million Kunden überzeugt, im Mai war er nach Polo und Corsa die Nummer drei in seinem Segment. Als erstes Modell nutzte er 1999 die neue VW-Konzernplattform für Kleinwagen - und wuchs auf knapp vier Meter Länge. Das neue Gardemaß für Polo, Clio, Punto & Co. Entsprechend luftig geht es innen zu. Die Passagiere haben auf allen Plätzen ausreichend Platz und im Kofferraum verschwinden zwischen 260 und bis zu 1016 Liter Gepäck. Zudem sind fünf Türen Standard, keine Selbstverständlichkeit in diesem Segment.
Funktion statt ShowDer ganz in grau und schwarz gehaltene Innenraum (Ambiente-Ausstattung) wirkt allerdings recht trist. Daran ändert auch der dezente Einsatz von Chrom an den Türgriffen und dem Schalthebel kaum etwas. Immerhin, auch auf dem Kopfsteinpflaster Brandenburgs bleiben Klappergeräusche aus. Ab und zu ein leises Zirpen aus dem Armaturenbrett, das war es auch schon. Das Design des Armaturenbretts signalisiert "Funktionalität pur". Und bis auf die zu tief platzierten Drehregler der Klimatisierung löst der Fabia dieses Versprechen auch ein. Wenige Augenblicke genügen zur Orientierung. Richtig angenehm ist der große Verstellbereich des längs und in der Höhe justierbaren Lenkrads. Fahrer unterschiedlicher Statur können sich den Arbeitsplatz individuell anpassen. Die Sitze scheinen zunächst nicht besonders üppig dimensioniert, doch nach der ersten Tagesetappe haben sie sich das Prädikat "langstreckentauglich" verdient. Sie stützen den geplagten Rücken des Autojournalisten an der richtigen Stelle, sind nicht zu weich und nicht zu hart. Reiseproviant verschwindet unterwegs im Schubfach unter dem Beifahrersitz. Doch wohin mit den Getränken? Becherhalter und ein Türfach, das Wasserflaschen aufnimmt, fehlen. An solchen Kleinigkeiten zeigt sich dann das fortgeschrittene Alter des Fabia.
Kernig und sparsamInzwischen gibt es den 1,4-Liter-Turbodiesel in zwei Leistungsstufen. Mit 70 PS (51 kW) oder, wie beim Testwagen, mit 80 PS (59 kW). Die erste Begegnung mit dem TDI erfordert zunächst etwas Toleranz. Denn der Dreizylinder schnarrt nach dem Kaltstart heftig. Etwas mehr Dämmmaterial könnte nicht schaden. Dafür legt sich der Motor kräftig ins Zeug. Zügige Überholmanöver auf der Landstraße sind kein Problem und auch die Steigungen der Kasseler Berge werden ohne Anzeichen von Schwäche gemeistert. Für diese Beharrlichkeit sind 225 Newtonmeter Drehmoment verantwortlich, die bei 2.200 Umdrehungen anliegen. Weil der Motor bei 3.500 Umdrehungen nichts mehr zuzusetzen hat, ist das nutzbare Drehzahlband allerdings recht schmal. Häufige Gangwechsel sind die Folge. Doch die gehen mit der exakten Fünfgangbox leicht von der Hand. Wer möchte, kann den Fabia flott um die Ecken jagen. Das macht mit der direkten Servolenkung sogar richtig Spaß. Doch eigentlich ist das Fahrwerk auf Komfort getrimmt. Bodenunebenheiten werden ordentlich glatt gebügelt. Mit ausgeschaltetem ESP lässt sich der Testwagen zu leichten Lastwechseln hinreißen, die aber leicht beherrschbar sind. Mit eingeschaltetem Sittenwächter bleiben Heckschwenks beim abrupten Gaswegnehmen in Kurven völlig aus.
Sparsames KraftwerkMit zunehmender Distanz fällt der brummende Motor immer weniger auf. Nach zwei Wochen empfinde ich die Geräuschkulisse sogar als sportlich. Na ja, so sportlich wie 80 PS in einem mit Allerlei Komfort- und Sicherheitsausstattung ausgestopfter Kleinwagen eben sein kann. Elektrische Fensterheber vorn, Zentralverriegelung, Bordcomputer, Front- und Seitenairbags sind serienmäßig. CD-Radio, Klimaanlage und das elektronische Stabilitätsprogramm ESP kosten extra. Die 1,2 Tonnen Leergewicht des Fabia sind klassenüblich, doch sie stutzen auch einem TDI spürbar das Temperament. Von null auf 100 km/h geht es in 13,8 Sekunden und bei Tempo 170 ist dann auch schon Schluss. In der Praxis reicht das jedoch, um lange Strecken in angemessenem Tempo zu bewältigen. Unterwegs übernimmt der Motor einen Zweitjob als akustischer Geschwindigkeitsbegrenzer. Fast automatisch pendelt sich der Tacho bei 150 ein. Das drückt den Verbrauch auf Werte um sechs Liter. Mit etwas Zurückhaltung steht bald die vier vor dem Komma. Der Minimalverbrauch lag bei sensationellen 3,8 Liter je 100 Kilometer. Ohne dass das Ganze zur Schleichfahrt ausgeartet wäre. Mehr als acht Liter werden es selbst dann nicht, wenn der Bleifuß das Regiment übernimmt. Nach über 2.500 Kilometern steht fest, dass der Fabia 1.4 TDI noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Der kleine Tscheche hat auch die ganz großen Touren mit Bravour gemeistert.
Fazit: Rau aber herzlich. Der neue Turbodiesel macht aus dem Fabia ein langstreckentaugliches Sparmobil. Ob sich die 1.900 Euro Aufpreis zum Benziner mit 75 PS rechnen, hängt von der persönlichen Fahrleistung ab.
http://www.mototype.de, Holger Schilp
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