- unglaubliche Beschleunigung für ein 2,5-Tonnen-Gefährt- auch bei höheren Drehzahlen erstaunlich leise |
- höhenverstellbare Federung- erstklassige Fahreigenschaften auf Schotter und Asphalt |
- trotz der Größe handlich und agil- sehr gutes Platzangebot, auch in der letzten Sitzreihe |
- sehr umfangreiche Serienausstattung |
- relativ hohe Anschaffungskosten |
Groß, aber nicht unhandlich
Als Insel vulkanischen Ursprungs verändert sich Island ständig. Durch den Nachschub von Gestein aus der Tiefe wächst die Landmasse jährlich um zwei Zentimeter in Ost-West-Richtung. Im Vergleich zu seinem kleinen Bruder Mercedes ML ist der GL 420 CDI auch um einiges gewachsen. Mit einer Gesamtlänge von 5,09 Meter ist der Neue ganze 30 Zentimeter länger. Die Größe und die Unübersichtlichkeit nach vorne erinnern etwas an den Q7 vom Konkurrenten Audi. Doch lässt sich der GL durch die leichtgängige und sehr präzise Lenkung auch im Gelände zielsicher um Hindernisse manövrieren. Eine Breite von 1,92 Meter und eine Höhe von 1,84 Meter entsprechen in etwa denen der M-Klasse.
Flinker Schwergewichtler
Die Energie in Island kommt tief aus der Erde. 240 Grad heißes Wasser wird aus bis zu 2.000 Meter Tiefe gefördert um Heizwärme und Strom zu erzeugen. Die Energie des GL 420 CDI kommt aus einem V8-Ungetüm mit einem Hubraum von 3.996 Kubikzentimeter. Aus den fast vier Litern Hubraum schöpft der Heißsporn aus Stuttgart 306 PS und ein Drehmoment von 700 Newtonmeter. Das treibt den Diesel-Geländewagen dank Siebengang-Automatik in 7,6 Sekunden über die 100-km/h-Marke. Ein beachtlicher Wert für einen 2,5-Tonnen-Geländewagen. Sein Vorwärtsdrang endet erst bei 230 Sachen. Auf der Straße, versteht sich. Neben den beiden V8-Benzinern im GL 500 (388 PS) und dem GL 450 (340 PS), werden die Amis wohl am ehesten noch mit dem 306-PS-Diesel anfreunden können.
Mutter: M-Klasse, Vater: G-Klasse
Rein optisch ist die GL-Klasse eine Liaison aus der sportlichen M-Klasse und der G-Klasse fürs Grobe. Die Frontansicht ähnelt eher der schlanken M-Klasse, wogegen die breite, seitliche Heckansicht mehr nach dem kastenförmigen Urvater kommt. Im Innenraum finden sich einige Schalter und Hebel aus der M-Klasse wieder. Kein Wunder: schließlich kommen die neue GL-, die R- und die M-Klasse aus demselben Werk in den USA. Laut Mercedes wurde die GL-Klasse hauptsächlich für den amerikanischen Markt entwickelt. Die M-Klasse sei den Amis schlichtweg zu klein und verkaufe sich über dem Teich nur schleppend. Der Geländeklassiker G-Klasse habe zwar seine Fans, ist aber nach mittlerweile 27 Produktjahren doch etwas in die Jahre gekommen. Der neue Full-Size-SUV soll die Verkaufszahlen der Schwaben im Land der unbegrenzten Möglichkeiten in neue Höhen treiben.
Gerüstet für alle Eventualitäten
Zurück nach Island: Nur 4.331 Kilometer der insgesamt 13.004 Straßen auf Island sind geteert. Folglich zieren große amerikanische Trucks und Pick-Ups das Straßenbild von Reyjkjavík. Auch die GL-Klasse ist bestens für die isländischen Gegebenheiten gerüstet. 4Matic heißt der permanente Allradantrieb von Mercedes, der in Verbindung mit der serienmäßige Luftfederung Airmatic dem GL ein beeindruckendes Fahrgefühl liefert. Die Luftfederung lässt sich in drei Stufen verstellen. In der höchsten Stufe thront der GL dann 307 Millimeter über dem Boden, in der niedrigsten Stufe sind es 197 Millimeter. Ab einem Tempo von 140 km/h senkt sich der SUV zugunsten der Aerodynamik automatisch nochmals um 15 Millimeter ab. Dank des serienmäßigen Offroad-Pakets mit einer Untersetzung im Verteilergetriebe und einer Lamellen-Sperre mit einer Sperrwirkung bis zu 100 Prozent an der verstärkten Hinterachse und im Mittendifferenzial muss sich der GL vor keiner Geländepassage verstecken. Speziell für den Geländeeinsatz entwickelte Mercedes das Offroad-ABS, es verkürzt auf schlechten Wegstrecken, losem Untergrund oder extremen Gefällestrecken den Bremsweg, indem es unter bestimmten Bedingungen ein Blockieren der Räder zulässt. Die Downhill Speed Regulation (DSR) regelt in steilen Bergabpassagen eine per Tempomathebel vorgewählte Geschwindigkeit zwischen vier und 18 km/h, die der GL dann automatisch einhält, ohne dass der Fahrer die Bremse betätigen müsste.
Auf Wolke 7
Zwei weitere Lieblingsbeschäftigungen der autofahrenden Isländer sind der Burnout beim Anfahren oder mit quietschenden Reifen quer um die Kurve zu schlittern. Ganz so wild kann man es mit dem GL nicht treiben, ESP und 2,5 Tonnen haben etwas dagegen, aber dennoch bietet der Ami-SUV beachtlich sportliche Fahreigenschaften. Sowohl On- als auch Offroad kann man mit dem GL 420 CDI richtig rasant unterwegs sein. Das adaptive Dämpfungs-System ADS stellt die Programme Sport, Comfort und Normal zur Auswahl. Im Sport-Modus verträgt der Full-Size-SUV auch eine flottere Fahrweise in engeren Kurven, ohne ins Wanken zu geraten. Leider konnten wir das Fahrverhalten im oberen Geschwindigkeitsbereich nicht testen. Auf Island herrscht ein Tempolimit von 90 km/h. Geht es runter von der Straße und rein in den Comfort-Modus, fühlt man sich im wahrsten Sinne des Wortes wie auf Wolke 7. Selbst auf grober Schotterpiste und bei Tempo 80 kommt beim Fahrer höchstens ein leichtes Vibrieren an. Das Fahrwerk schluckt alle Schläge, größere Löcher quittiert der GL maximal mit einem leichten Ruckeln. Erste Sahne!
Kein Schnäppchen: Preise ab 79.640 Euro
Vorneweg, Geländewagen mit den Ausmaßen eines GL und einem Vierliter-Dieselmotor sind selten. Als Vergleichsobjekt fanden wir lediglich den Touareg V10 TDI von VW. Mit einem Hubraum von fünf Litern, 313 PS und einer Gesamtlänge von 4,75 Metern kostet der Touareg ab 73.450 Euro, der Mercedes GL 420 CDI kostet ab 79.640 Euro. Trotz umfangreicher Serienausstattung inklusive komplettem Offroad-Paket, permanentem Allradantrieb und jeder Menge technischem Schnickschnack ist die GL-Klasse kein Schnäppchen.
(os)
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