Nissan Micra 160 SR: Topfit in die zweite Runde

Der knuffige Micra wird sportlich. Nissan hat dem Kleinwagen jetzt 110 PS antrainiert. Darüber hinaus wurden alle Versionen noch sicherer und komfortabler.

Kleine Schritte

Man muss schon genau hinsehen, um das Micra Modelljahr 2005 als solches zu erkennen. An der Front glänzen eine breitere Chromleiste und neu platzierte Nebelscheinwerfer um die Wette. Die Blinker, die als Höcker auf den Scheinwerfern thronen, sind nun weiß und nicht mehr gelb eingefärbt. Alles eher kleine Details, die den Micra aber insgesamt frischer wirken lassen.

Im Kern gestärkt

Für den Alltag wichtiger sind die verstärkten Stoßfänger, die Parkrempler besser verkraften. Mit gezielten Maßnahmen rückten die Ingenieure den Fahrgeräuschen zu Leibe. Dickeres Blech schottet den Motorraum effizienter ab, am Dach sorgt es für eine Minimierung von Dröhngeräuschen. Zur ruhigeren Akustik tragen auch die dickeren vorderen Fensterscheiben des Fünftüreres bei. Die hinteren Radkästen und die Reserveradwanne erhielten ebenfalls eine bessere Dämmung.

Mehr drin

Innen wurde die Mittelkonsole überarbeitet. Der Bordcomputer findet sich nun zwischen Tacho und Drehzahlmesser. Sein alter Platz in der Mittelkonsole wurde frei für einen voll integrierten Sechsfach-CD-Wechsler (optional ab Acenta, Serie im Sportmodell 160 SR). Neu ist auch die zweifarbige Innenausstattung, deren Türverkleidungen sich samtig und hochwertig anfühlen. Bis auf das Basismodell Visia (ab 10.990 Euro) und das aktuelle Sondermodell Season (9.900 Euro) verfügen alle Micra über einen Licht- und Regensensor. In der Ausstattungslinie Acenta (ab 12.990 Euro), die mit Klimaanlage, CD-Radio, Bordcomputer und Lederlenkrad glänzt, kann zudem ein schlüsselloses Zugangssystem geordert werden. Gestartet wird dann mit einem Drehschalter rechts neben dem Lenkrad. Das Sicherheitspaket aller Micra umfasst vier Airbags, ABS und einen Notbremsassistenten. Für die stärkeren Benziner (ab 80 PS) gibt es Kopfairbags, aktive Kopfstützen und das Stabilitätsprogramm ESP als zusätzliche Ausstattungsoption. Beim neuen Topmodell 160 SR (ab 16.950 Euro)ist es serienmäßig an Bord.

Starkes Stück

Die Modellbezeichnung SR 160 ist kein Hinweis auf die Leistung - die liegt nicht etwa bei 160 PS, sondern mit 110 PS (81 kW) exakt auf dem Niveau des allerersten Golf GTI. Beim Antrieb griffen die Techniker auf ein Vollaluminiumtriebwerk zurück, das Nissan bislang nur in Japan verwendete. Für den Einsatz in Europa wuchs der Hubraum von eineinhalb auf 1,6 Liter. 153 Newtonmeter Drehmoment werden bei 4.400 Umdrehungen mobilisiert. Damit hat der Flitzer genug Power für 183 km/h Spitze, der Sprint von null auf 100 Stundenkilometer ist in 9,8 Sekunden erledigt. Angesichts dieser Werte ist ein Normverbrauch von durchschnittlich 6,6 Liter Super recht akzeptabel. Wie sich das Sportpotenzial auf den Verbrauch im Alltag auswirkt, wird zum späteren Zeitpunkt ein Praxistest zeigen.

Für den Spaß

Optisch hebt sich der Micra 160 SR mit 16-Zoll-Alufelgen, einem verchromten Endschalldämpfer und einem Wabenkühlergrill von seinen schwächeren Geschwistern ab. Innen gibt es Rundinstrumente mit Chromrand, grauen Ziffern und hellem Hintergrund. Zum Lieferumfang gehören auch eine Klimaautomatik und ein CD-Wechsler. Gegen Aufpreis ist ein Lederpaket mit Sitzheizung und Lendenwirbelstütze im Angebot. Für einen Sportler bieten die Sitze allerdings zu wenig Seitenhalt und eine zu kurze Beinauflage. Wenig sportlich ist auch das nicht besonders exakte Fünfganggetriebe. Dafür liegt der Wagen beim forcierten Kurvenritt sicher auf der Straße. Die Ingenieure stimmten Federn, Dämpfer und Stabilisatoren straffer ab, ohne allzu viel Abrollkomfort zu opfern. Auch das Stabilitätsprogramm unterscheidet sich vom normalen Micra: Es greift später ein und ermöglicht damit mehr Fahrspaß auf der Landstraße.

Für jeden Tag

Damit die praktischen Talente nicht zu kurz kommen, besitzt der Micra zahlreiche Staufächer. Besonders praktisch ist das Geheimfach unter dem Polster des Beifahrersitzes. Es ist groß genug, um dort einen Laptop vor neugierigen Blicken zu verstecken. Auch der Kofferraum zeigt sich variabel. Durch die längs verschiebbare Rückbank variiert das Volumen zwischen 251 Liter und 371 Liter. Wer auf Knieraum in der zweiten Reihe verzichten kann, verstaut in dem Stadtflitzer so viel wie in die besten Vertreter der Golfklasse passt.

Fazit: Mit der Modellpflege zeigt sich der Nissan Micra spürbar gereift. Besonders viel Spaß macht erwartungsgemäß der 160 SR. Allerdings erreicht der der 3,72 m kurze Kleinwagen dann schon recht erwachsene Preisregionen. Mit einigen Extras an Bord ist die 20.000-Euro-Schwelle nicht mehr weit.

(08/05) mototype.de, Holger Schilp

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