Citroen C4 Coupé: Die Zukunft ist eine dufte Sache
Langweilig war gestern. Das Citroen C4 Coupé trägt ein avantgardistisches Kleid - und er steckt voller innovativer Ideen. Natürlich ist der 136-PS-Turbodiesel mit einem Rußfilter bestückt.
Das volle PaketBeste Aerodynamik seiner Klasse, mitlenkende Xenon-Scheinwerfer, Spur-Warnassistent, Lenkrad mit feststehender Nabe und ein integrierter Parfumspender. Citroen gibt mit dem C4 richtig Gas. Selten war ein Kompaktmodell so mit Innovationen voll gestopft. Entsprechend hoch war die Spannung vor dem Test mit dem C4 HDI 135 FAP VTS. Das Topmodell der Baureihe kostet (23.790 Euro).
Blickfang auf RädernEgal von wo ich mich dem C4 Coupé nähere: das Design ist spannend. Faszinierend, wie der Doppelwinkel des Citroen-Logos mit den horizontalen Chromleisten verschmilzt. Auch das Heck mit seiner messerscharfen Abrisskante zeugt vom Mut der Designer. Auf der Kante thront ein kleiner Spoiler, der allerdings beim Blick in den Rückspiegel stört. An der Ampel ist das Gesicht der Schönheit im Fahrzeug hinter mir nicht mehr zu erkennen. Sehen wir es positiv: der Spoiler regt die Phantasie an. Bei Schmuddelwetter legt der winzige Heckwischer allerdings kaum mehr als ein kleines Guckloch frei. Hier braucht man nicht besonders viel Phantasie um sich die Probleme auszumalen, die dadurch entstehen können. Vielleicht ist deswegen die akustische Einparkhilfe (vorn und hinten) serienmäßig.
Innen geräumigDie Bezeichnung Coupé legt die Vermutung nahe, dass es sich um ein besonders sportliches Fahrzeug mit eingeschränktem Platzangebot handelt. Weit gefehlt. In Sachen Kofferraumvolumen rangiert der Testwagen mit 342 Litern im Mittelfeld der Kompaktklasse. Und unter dem weit zum Heck gezogenen Dach finden fünf Personen genauso viel Platz wie in der Schräghecklimousine. Der Vorderwagen ist sogar komplett identisch. Gleiches gilt für das pfiffige Armaturenbrett. Die Instrumente sitzen mittig über der Mittelkonsole. In einem eckigen Gehäuse, das die Formsprache der Karosserie zitiert. Und die Digitalanzeigen sind transparent, was auf den ersten Blick kaum auffällt. Durch den Lichteinfall von hinten lassen sich die Zahlen umso besser lesen je heller es wird. Sonnenstrahlen verstärken den Kontrast. Diese Lösung werden wir sicherlich auch bald bei anderen Herstellern sehen.
Unterhaltsames FahrzeugAuf langen Etappen mit wechselnden Beifahrern lieferte der C4 nicht nur wegen der Instrumente viel Gesprächstoff. Besonders fasziniert wurde der AFIL-Spurassistent (590 Euro) aufgenommen. Wohl auch, weil dessen Wirkung nur mit dem Popometer des Fahrers getestet werden kann. Vibrationen in der Sitzfläche warnen nämlich, wenn der C4 mit mehr als 80 Stundenkilometern die Spur wechselt, ohne dass dabei der Blinker betätigt wird. Schließlich könnte der Fahrer ja eingenickt sein. Seine Informationen bezieht das System über optische Sensoren, die sich am Muster der Fahrbahnmarkierungen orientieren. Meist klappt das ganz gut. Nur gelegentlich werden Straßenschäden als Mittelstreifen registriert. Zur Not lässt sich das System auch abschalten. Bei Nacht lernt man die mitlenkenden Xenonscheinwerfer schnell zu schätzen. Sie folgen dem Straßenverlauf und tragen damit wesentlich zum entspannten Fahren bei. Das beste: sie kosten beim Topmodell VTS keinen Aufpreis. Der Sicherheit dienen auch die sechs Airbags, das ESP mit Bremsassistent sowie Warnblinker, die sich bei Notbremsungen automatisch aktivieren. Überflüssig zu sagen, dass der C4 beim EuroNCAP-Crashtest die Maximalwertung von fünf Sternen erzielte.
Alles im GriffAuch das Lenkrad, bei dem sich nur der Lederkranz dreht und das Teil mit den Multifunktionstasten starr verharrt, weckte das Interesse. Ein ungewohntes Lenkgefühl entsteht, weil nicht so viel Masse bewegt werden muss. Ältere Autofahrer werden an Zeiten erinnert, als das Lenkrad noch keinen Airbag tragen musste. Und auch der profitiert von dieser Lösung. Weil der schützende Luftsack sich nicht dreht, braucht er nicht mehr rund sein. Wie der Beifahrerairbag kann die Form exakt auf die Sitzposition abgestimmt werden. Wenn sich die Augen an den vielen ungewöhnlichen Details satt gesehen haben, meldet das Gehirn: Cocosduft! Feine Nasen orten die Lüftung als Verursacher. Insgesamt neun Duftvarianten können mittels integriertem Zerstäuber für Wohlgeruch sorgen. Persönlich ist mir allerdings das Parfum einer Frau lieber. Aber das ist sicherlich Geschmacksache. Und man kann die Duftkartusche ganz einfach entfernen.
Kräftiger LeisetreterNeugierige Fragen auch zum Motor. Ja, auch wenn man es kaum hört, der Vierzylinder ist tatsächlich ein Turbodiesel. Schadstoffnorm Euro 4 und Rußpartikelfilter sind selbstverständlich. 136 PS (100 kW) und 320 Newtonmeter Drehmoment, die bei 2.000 Umdrehungen mobilisiert werden, schaffen den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in 10,5 Sekunden. Höchstgeschwindigkeit: 207 Stundenkilometer. Allerdings ist der Antritt zunächst etwas zögerlich, erst aus mittleren Drehzahlen geht richtig die Post ab. Dank Overboost-Funktion schaufelt der Motor dann kurzfristig 20 Nm Drehmoment extra auf die Kurbelwelle. Insgesamt fährt sich der Testwagen nicht so sportlich, wie die Optik vermuten lässt. Der C4 HDI 135 FAP VTS ist eher ein Langstreckenfahrzeug. Entsprechend ist die Federung auch nicht bretthart, Straßenschäden werden gut absorbiert. Auf schlechten Pisten zeigt sich auch die Verarbeitungsqualität von ihrer guten Seite. Bei vorwiegend flotter Fortbewegung pendelte sich der Durchschnittsverbrauch bei rund sieben Litern ein.
Fazit: Ausstattung bis zum Abwinken, innovative Detaillösungen und ein außergewöhnliches Design. Das Citroen C4 Coupé ist eine interessante Alternative zu den Kompakten aus Deutschland. Langweilig ist er jedenfalls nicht.
(08/05) mototype.de, Holger Schilp
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