Citroen C3 Pluriel HDi: Offenherziges Dieselchen

Knuffig, vielseitig, sparsam oder nur ein Vergnügen für die wenigen Sonnenstunden des Jahres? Der Citroen C3 Pluriel HDi lässt viele Vermutungen zu. Antworten liefert der Praxistest.

Kleiner Kilometerfresser

Nach über 600 Kilometern geht es überraschend entspannt an die Tankstelle. Und das liegt nicht nur am geringen Kraftstoffkonsum, der selbst auf der Autobahn kaum über sechs Liter klettert. Auch die Sitze haben Langstreckenqualität bewiesen - obwohl die Beinauflage recht kurz ausfällt. Vier Personen haben Platz, wenn sie allesamt nicht viel größer als 1,80 Meter sind. "Jeder Zentimeter ist ausgenutzt, ohne dass es aber zwickt und drückt", bestätigen die Mitfahrer.

Unbekannter Charmeur

"Der sieht ja süß aus, was ist denn das für einer?", mischt sich die Kassiererin meiner Stammtankstelle ein. Offenbar ist der Pluriel kein häufiger Gast an deutschen Zapfsäulen. Sie mustert den Testwagen neugierig. Besonders die silbern glänzenden Dachbögen scheinen zu faszinieren. "Ein C3 Pluriel, also. Aha?!?" Die Fragezeichen im Blick verschwinden erst nach dem Hinweis, dass es sich um so ein Art Urenkel der legendären Ente handelt. Citroen hört das nicht gerne, schließlich liegen technisch Lichtjahre zwischen dem motorisierten Regenschirm 2CV und dem modernen Pluriel. Doch es drängen sich Parallelen auf. Und der Vergleich hilft nicht nur meiner Lieblingskassiererin, das Fahrzeug einzuordnen.

In Etappen zur Sonne

Bei der Ente konnte man das Dach aufklappen oder ganz bis zur Heckscheibe zurück rollen. Beim Pluriel geschieht das zeitgemäß per Knopfdruck. Das gefütterte Faltdach gleitet sogar bis über die Heckscheibe. Nun lässt sich die Scheibe samt Dach mit einer eleganten Drehung in einer Vertiefung des Kofferraums versenken. Wird nun noch die Heckklappe geöffnet, entsteht in Verbindung mit dem doppelten Boden und den umklappbaren Lehnen der beiden hinteren Einzelsitze eine mobile Sonnenbank. Da staunt sogar die Tankwartin. Damit nicht genug: Mit wenigen Handgriffen werden die gebogenen Dachholme entfernt, der Pluriel mutiert zum viersitzigen Roadster. Eine Option, die wir allerdings nur zu Testzwecken nutzten - die Holme sind zwar recht leicht, doch sie können nicht im Fahrzeug verstaut werden. Und sie stören das Frischluftvergnügen überhaupt nicht, wenn sie am Fahrzeug verbleiben. Geschlossen lässt sich das Heck über die separat zu öffnende Heckscheibe oder die Kofferraumklappe beladen. Das Gepäckabteil fasst 266 Liter. Für einen Kleinwagen ein sehr guter Wert.

Solide Basis

Der Preis für so viel Verwandlungsfähigkeit? Der französische Tausendsassa kostet 20.790 Euro. Auf den ersten Blick viel Geld. Doch der Testwagen ist das Topmodell HDi Exklusiv. Es bietet alles, was gut und teuer ist: Turbodieselmotor, Ledersitze, Klimaautomatik, CD-Radio, Alufelgen, Metallic-Lackierung, Licht- und Regensensor. Fehlt nur noch das Stabilitätsprogramm ESP für 375 Euro. Das Basismodell 1.4 Style ist satte viereinhalb tausend Euro günstiger. Und für Sparfüchse gewährt Citroen bis Ende September 2.000 Euro Rabatt. Die Kosten standen einst auch bei der Ente im Vordergrund. Sie wurde konstruiert um den "kleinen Mann" mobil zu machen. Eine der Anforderungen: eine Ladung Eier sollte auf den holprigen Landstraßen unbeschadet den Markt erreichen. An den Pluriel stellten seine Väter natürlich größere Ansprüche, So wurde er ein sicheres Fahrzeug mit ABS, vier Airbags und einem Bremsassistenten. Im Euro NCAP Cashtest erreichte er vier von fünf möglichen Sternen.

Typischer Franzose

Von Citroen erwartet man unkonventionelle Lösungen mit Pfiff. So zieren in Wagenfarbe lackierte Kunststoffflächen die Türverkleidungen und - als Farbtupfer - auch die Rückseite der Vordersitzlehnen. Das wirkt frisch und freundlich. Die Instrumente mit dem bogenförmigen Drehzahlmesser über dem Digitaltacho sind identisch mit der C3-Limousine. Die Verarbeitung hinterlässt einen passablen Eindruck, auch wenn auf Kopfsteinpflaster etwas Unruhe ins Armaturenbrett kommt. Kleine Wermutstropfen: kurz nach dem ersten Start landeten sie auf dem Hosenbein. Als Folge einer längeren Standzeit im Regen hatte sich etwas Wasser durch die Dachkonstruktion gemogelt, das beim ersten starken Bremsvorgang herunter tropfte. Ein einmaliges Erlebnis, das keinen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Schließlich macht das Fahren mit dem Pluriel HDi gelassen.

Gute Entscheidung

68 PS (50 kW) mobilisiert 1,4-Liter-Turbodiesel. Mit etwas Anlauf reicht das für 158 Stundenkilometer, von null auf Tempo 100 geht es in gut 17 Sekunden. Das gefühlte Temperament ist jedoch deutlich flotter. Dank üppigem Drehmoment von 160 Newtonmetern bei nur 1.800 Umdrehungen hängt der Pluriel gut am Gas. Von Untermotorisierung keine Spur. Der Antritt an der Ampel gelingt zügig und auch auf der Landstraße sind noch Überholmanöver möglich. Im Bereich der Höchstgeschwindigkeit wird der Motor allerdings recht laut, das Faltdach hingegen hält sich akustisch zurück. Als angenehmste Reisegeschwindigkeit empfiehlt sich maximal Tacho 140. Damit kommt man auch ins Ziel - überraschend zügig und sehr entspannt. Dann nähert sich der Pluriel HDi auch seinem Norm-Durchschnittsverbrauch von 4,7 Liter.

Fazit: Der kleine Turbodiesel harmonisiert sehr gut mit dem Pluriel. Er vermittelt die typisch französische Gelassenheit, die seinerzeit auch die Fahrt in der Ente so faszinierend machte. Trotzdem bleibt ein letzter großer Unterschied: Pluriel-Fahrer grüßen sich nicht. Noch nicht.

(09/05) mototype.de, Holger Schilp

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