Alfa Romeo 159: Muskelspiele mit Stil

Motoren mit Direkteinspritzung, Partikelfilter und bis zu 260 PS Leistung. Dazu Front- oder Allradantrieb, acht Airbags, mehr Komfort und eine spürbar verbesserte Qualität. Der neue Alfa 159 klopft mit Nachdruck an die Tür der Premiumliga.

Ein Charakterkopf

Wenn sie wissen wollen, wie dynamisches Autodesign aussieht, lohnt ein Blick auf den Alfa Romeo 159. Das Team um Stardesigner Giugiaro und das Centro Stile Alfa Romeo haben wieder einmal ein Meisterstück abgeliefert. Gleich sechs Rundschweinwerfer-Pupillen nehmen den Verkehr unter messerscharfen Augenbrauen ins Visier. Der stechende Blick wird von kohlrabenschwarzen Kühllufteinlässen verstärkt. Manchem, das haben erste Reaktionen gezeigt, ist das grimmig entschlossene Gesicht zu aggressiv, meist scheint die neue Mittelklasselimousine jedoch zu gefallen. Während der Pressevorstellung im noblen Hamburg Blankenese blieben jedenfalls auffallend viele neugierige Blicke an dem aufreizend coolen Italiener hängen. Wer fragt da noch, ob sich die verchromten Rundscheinwerfer überhaupt reinigen lassen - sie werden von keiner glattflächigen Abdeckung geschützt.

Stil muss nicht teuer sein

Extravaganz präsentiert die Limousine zu durchaus volkstümlichen Preisen ab 26.700 Euro. Dafür gibt es den 1.9 JTDM 8V-Turbodiesel mit 120 PS (88 kW) und serienmäßigem Rußpartikelfilter. Der schwächste Benziner ist der 1.9 JTS: 160 PS (118 KW) für 26.900 Euro. Topmodell ist der 3.2 JTS V6 24V Q4 Progression für 34.900 Euro. Die Bandwurm-Modellbezeichnung lässt sich auch dechiffrieren: Ein V6-Zylinder mit 3,2 Liter Hubraum, Vierventil-Zylinderkopf, Benzin-Direkteinspritzung und Allradantrieb. Bei den Dieseln markiert ein 2,4-Liter-Fünfylinder mit 200 PS (147 kW) und 400 Newtonmeter Drehmoment die Spitze. Preis: ab 31.900 Euro. Insgesamt stehen je drei Benzin- und Dieselmotoren zur Auswahl. Vorläufig erfolgt die Kraftübertragung ausschließlich über eine Sechsgang-Handschaltung. Automatikvarianten und der Kombi Sportwagon folgen 2006.

159 mal zwei

Wie bei Alfa Romeo üblich, hört die Basisversion auf die Modellbezeichnung Progression. Beheizbare Außenspiegel, Klimaanlage, Lederlenkrad, CD-Radio - allerdings mit dünnem Sound - und 16-Zoll-Alus sind serienmäßig. Für 1.800 Euro Aufpreis bietet der 159 Distinctive 17-Zoll-Felgen, eine Zwei-Zonen-Klimatisierung mit Geruchssensor, Licht- und Regensensor, ein Multifunktions-Lenkrad, Aluminium-Zierrat und eine Geschwindigkeitsregelanlage. Der Fahrer sitzt in einem Cockpit mit Rundinstrumenten, die in tiefen Höhlen kauern. Die Ziffernblätter sind klar aber durchaus elegant gezeichnet. Tacho und Drehzahlmesser schmückt ein Ring in Aluminiumoptik. Bei ausgeschaltetem Triebwerk hängen die Zeiger senkrecht nach unten. Nach dem Start, der per Knopfdruck rechts neben dem Lenkrad erfolgt, gehen die filigranen Zeigestäbchen im Uhrzeigersinn auf Wanderschaft.

Starke Basis

Für erste Fahreindrücke wählten wir die Basismotorisierung. Zunächst zeigt sich das 160-PS-Aggregat sehr zurückhaltend. Erst beim Ausdrehen, wenn der Direkteinspritzer bei 4.500 Umdrehungen sein maximales Drehmoment serviert, reizt der typisch heißere Alfa-Sound die Synopsen. Allerdings eher gedämpft als wild aggressiv. Auch der Federungskomfort orientiert sich am Premiumanspruch, ohne dass die Agilität darunter leiden würde: straff aber nicht unkomfortabel, lautet die Devise. Unter Aufbietung aller Kräfte beschleunigt der 1.9 JTS in 9,7 Sekunden von null auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 212 Stundenkilometern erreicht. Dank Benzin-Direkteinspritzung liegt der Normverbrauch bei durchschnittlich 8,7 Liter Super. Wer den Vierzylinder mit der exakten Schaltung mit Drehzahl bei Laune hält, kann schon mit der Einstegsversion viel Spaß haben. Nur wer es übertreibt, wird vom elektronischen Stabilitätsprogramm an die Leine gelegt. Doch das passiert erst spät, die Reserven des gutmütigen Fahrwerks sind hoch. Für den Notfall sind sieben Airbags an Bord. Darunter ein Knie-Airbag für den Fahrer. Das bieten bislang nur wenige Hersteller. Optional gibt es den Bein-Airbag auch für den Beifahrer. Und das ist bislang wirklich einmalig.

Qualität ohne Risiko

Gehört haben wir das schon oft: Alfa Romeo startet eine Qualitätsoffensive. Doch der 159er präsentiert sich tatsächlich verwindungssteif wie eine Burg. Die Innenausstattung lässt sich auch von Kopfsteinpflaster nicht aus der Ruhe bringen. Die Limousine wirkt nicht nur wesentlich größer, sie übertrifft den Vorgänger 156 in der Länge um 22,5 Zentimeter und in der Breite um 8,5 Zentimeter. Das knackige Heck fasst nun 405 Liter Gepäck. Wenn das nicht reicht, lassen sich die Lehnen der Rückbank umklappen. Große, bequeme Sitze, hochwertige Stoffbezüge und ansprechende Kunststoffe unterstützen den ersten positiven Eindruck. Damit das möglichst lange so bleibt, gibt Alfa Romeo drei Jahre Garantie mit auf den Weg. Außerdem sind in dieser Zeit, bis maximal 120 000 Kilometer, alle Inspektions- und Reparaturkosten inklusive. Das gilt selbst für den Ölwechsel. Bravissiomo!

Fazit: Alfa Romeo will es wissen: Sicherheit, Komfort und die Verarbeitungsqualität haben beim neuen 159 spürbar zugelegt. Gleichzeitig überzeugt der Italiener mit den typischen Alfa-Qualitäten bei Motor und Fahrwerk - wenn die auch nicht mehr ganz so hervor stechen. Denn das ganze Fahrzeug bewegt sich inzwischen auf sehr hohem Niveau. Nun müssen die Kunden entscheiden, ob die angeschlagene sportliche Traditionsmarke hierzulande wieder auf die Beine kommt. Eine Chance hätte der 159 auf jeden Fall verdient.

mototype.de, Holger Schilp

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