Neuer Suzuki Grand Vitara: Offroader im Maßanzug
Zwei Karosserievarianten und drei Motorisierungen. Aber immer mit permanentem Allradantrieb. Der neue Suzuki Grand Vitara hat sich fein gemacht, ohne seine Offroad-Talente zu vernachlässigen.
Das Warten hat ein EndeAnfang September fand die Premierenfeier auf der IAA in Frankfurt statt. Jetzt tobt der Grand Vitara bei der Pressevorstellung schon durch den Matsch. Und am 15. Oktober präsentiert sich die dritte Modellgeneration des japanischen Offroaders bei den deutschen Suzuki-Händlern. Fein geputzt, für das interessierte Publikum.
Lang gemachtZuerst kommen die beiden Benziner auf den Markt, Anfang 2006 folgt ein Turbodiesel mit Partikelfilter, den Renault beisteuert. Der Dreitürer ist ab 19 690 Euro im Angebot. Der Fünftürer, für den Suzuki den größeren Marktanteil erwartet, beginnt bei 24 290 Euro. Er erreicht mit stattlichen 4,47 m Länge fast schon Mittelklasseformat, während die Kurzversion mit vier Metern Polo & Co nur wenige Zentimeter überragt. Beide Varianten profitieren von einem deutlich verlängerten Radstand, der für Passagiere und Gepäck (180-964 Liter/398-1386 Liter) mehr Platz schafft. Deshalb sitzt es sich jetzt auch in der zweiten Reihe angenehm.
Auf schick getrimmtDie Kunststoffe und Textilen im Innenraum sehen hochwertig aus und sie fühlen sich angenehm an. Silbergrau lackierte Zierteile und dezenter Chromschmuck verströmen einen Hauch Noblesse. Zentral vor dem Fahrer ist der Tachometer platziert, links davon der Drehzahlmesser und rechts weitere Anzeigen. Alles übersichtlich, ohne Schnickschnack - aber nicht langweilig. In der fünftürigen Basisversion sind Alufelgen und Klimaanlage serienmäßig, beim Dreitürer immerhin elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung, beheizbare Außenspiegel und ein CD-Radio mit Lenkradbedienung. Klimaautomatik, Sitzheizung, Alufelgen und Nebelscheinwerfer gibt es in der gehobenen Variante Comfort (21 690). Beim fünftürigen Comfort (26 290) sind sogar ein Navigationssystem, 17-Zoll-Alus, getönte Scheiben, Tempomat und ein schlüsselloses Zugangssystem serienmäßig. Gestartet wird dann per Drehschalter, der Schlüssel kann in der Jackentasche bleiben.
Viele UnterschiedeDie Karosserievarianten unterscheiden sich auch bei der Antriebstechnik. In der Kurzversion steckt ein 1,6-Liter-Benziner (106 PS/78 kW) mit permanentem Allradantrieb. Der Fünftürer verfügt über einen Zweilitermotor mit (140 PS/103 kW). In schwierigem Gelände helfen ein Reduktionsgetriebe und das sperrbare Zwischendifferenzial weiter. Bei einem ersten Offroad-Test schlug sich selbst der Dreitürer wacker. Dank breiter Spur (+ 7 Zentimeter) und kurz übersetztem ersten Gang werden erstaunliche Steigungen und Abhänge gemeistert. Wer den Dreitürer nur als Lifestyle-Spielzeug für die Stadt sieht, tut ihm unrecht. Schließlich verfügen beide über eine selbst tragende Karosserie, die mit einem Hilfsrahmen zusätzlich versteift wurde. Mit Erfolg, wie das Gerumpel über Stock und Stein beweist: im Wagen bleibt es ruhig.
Sicher gemachtMit sechs Airbags ist der Grand Vitara auch beim Thema Sicherheit auf der Höhe der Zeit. Dass es das Stabilitätsprogramm ESP erst Anfang 2006 gibt, ist allerdings ein kleiner Patzer. Doch bei ersten Fahrversuchen blieben giftige Fahrwerksreaktionen auch bei rüden Manövern aus. Der Fünftürer schiebt mit deutlicher Karosserieneigung gutmütig über die Vorderräder, wobei er sich abbremst. Kurskorrekturen sind mit der Servolenkung unproblematisch. In schnellen Wechselkurven reagiert der Wagen jedoch etwas träge. Kein Wunder, wenn die Ingenieure großen Wert auf Geländetauglichkeit legen. Auf der Straße geht es in 12,5 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit ist bei 175 Stundenkilometer erreicht. Der schwächere Dreitürer erreicht 160 Stundenkilometer Spitze und beschleunigt in 13,4 Sekunden von null auf 100 km/h. Beide Aggregate sind keine Leisetreter, sie ermöglichen jedoch schon bei niedrigen Drehzahlen einen recht kräftigen Antritt. Schade nur, dass Suzuki kein Sechsganggetriebe spendiert hat. Von einer zusätzlichen Fahrstufe könnten Verbrauch (8,7 Liter/ 9,1 Liter) und das Motorengeräusch gleichermaßen profitieren.
Fazit: Der neue Suzuki Grand Vitara verfügt im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern über erstaunliche Offroad-Qualitäten. Und mit der schnörkellos modernen Karosserie gelingt auch der Auftritt auf dem Großstadtboulevard.
mototype.de, Holger Schilp
Weitere Fotos