Audi A6 2.7 TDI DPF: Sorry, Tankwart
Ein Sechszylinder-Turbodiesel in einer großen Limousine. Das verspricht angenehmen Reisekomfort - und geringe Kraftstoffkosten. Im Audi A6 2.7 TDI beginnt das Vergnügen bei 37.890 Euro.
Große KulisseDen riesigen Plakettenkühlergrill kennt man ja inzwischen. Doch aus der Nähe betrachtet, ist das Design immer noch beeindruckend. Es ist, als wolle die Limousine alle Verkehrshindernisse mit einem tiefen Atemzug im Schlund verschwinden lassen. Doch viel Gefahr droht nicht, denn der Platz hinter dem Grill ist belegt. Von einem V6-Turbodiesel mit 180 PS (132 kW). Ein Mitglied der neuen Common-Rail-V6-Motorengeneration, die wieder über einen wartungsfreien Kettenantrieb statt eines Zahnriemens verfügt. Im Testwagen kommt zudem ein Rußpartikelfilter (DPF) zum Einsatz. Es geht auch ohne, doch sinnvoll ist das angesichts zukünftig drohender Fahrverbote und mit Blick auf den späteren Wiederverkauf nicht.
Sanft, stark, sparsamNach dem Kaltstart brummt der Motor nur kurz, bald stellt sich ein zufriedenes Schnurren ein. Meist reicht es, das Gaspedal sanft zu streicheln: mit 380 Newtonmetern bei nur 1.400 Umdrehungen zieht der A6 los wie ein Bulle. Egal, in welchem Gang. Bei vollem Leistungseinsatz fällt die Tempo-100-Marke aus dem Stand schon nach 8,1 Sekunden. Langsames Anfahren erfordert allerdings Gefühl im linken Fuß - die Kupplung packt spät aber beherzt zu. Bereits nach wenigen hundert Metern ist der Diesel nicht mehr als solcher zu erkennen. Auf der Autobahn sind bis zu 230 Stundenkilometer drin. Und so ruft der Hinweis auf den Diesel unter der Haube bei Mitfahrern meist nur ungläubiges Staunen hervor. Einzig die recht straffe Federung wurde kontrovers diskutiert. Dafür liegt das Fahrzeug wie das sprichwörtliche Brett auf der Straße. Wer durchaus zügig aber entspannt im Verkehr mitschwimmt, wird mit durchschnittlichen Verbrauchswerten zwischen sechs und sieben Liter belohnt. Bei der abschließenden Fahrt von Frankfurt nach Ingolstadt zeigte der Bordcomputer sogar nur 5,7 Liter an - sensationell für ein knapp fünf Meter langes Schiff. Selbst wenn die Tachonadel um die 180 pendelt, bleibt der Verbrauch noch unter 8,5 Liter.
Designerstück unterwegsAuch wenn der Audi-Slogan seit Jahren "Vorsprung durch Technik" lautet, ist es das Design, das fasziniert: Außen glatt, schnörkellos und coupéhaft geduckt, innen edel wie ein exklusives Möbelstück. So liegt der Getriebetunnel wie ein solider, polierter Baumstamm zwischen den Sitzen. Die Verarbeitung scheint perfekt. Chromleisten und Holzverkleidungen pressen sich so dicht aneinander, dass kaum mehr ein Haar dazwischen passt. Was wie Metall aussieht, ist Metall. Holz ist Holz und Kunststoff sieht wie Kunststoff aus. In Ingolstadt mag man keinen Etikettenschwindel. Trotz edler Materialien wirkt das Interieur technisch kühl. Dazu passt das singende Geräusch beim Beschleunigen auf der Autobahn, das eher nach ICE denn nach Pkw klingt. Sicherlich auch ein Verdienst der Dämmverglasung (948 Euro). Die zirpenden Höhen und satte Bässe das Bose-Surround-Soundsystems (595 Euro) können sich hier perfekt entfalten. Doch die Geräuschdämmung fördert kleinste Problemchen zutage, die sonst vielleicht unentdeckt geblieben wären. Ein leises Zirpen hinter der Deckenleuchtenverkleidung etwa, das auf Kopfsteinpflaster zu hören war.
Luxus purIm Testwagen rückt sich das Multifunktionslenkrad (189 Euro) Lenkrad per Knopfdruck (336 Euro) zurecht. Der Rücken schmiegt sich in Leder (1526 Euro) bezogene Sportsitze (508 Euro), während der Arm entspannt auf der Mittelkonsole mit integriertem Telefon (931 Euro) ruht. Mit dem geriffelten Metallknopf des Multi Media Interface (MMI) auf der Mittelkonsole ist das DVD-Navigationssystem (2414 Euro) ruckzuck programmiert. MMI ist die Kommandozentrale des A6. Auch die Klimatisierung und das Radio werden damit geregelt. Zudem liefert das Display Serviceinformationen über das Fahrzeug. Die farbigen Menüs wechseln mit einer eleganten Animation. Und der Sprung von einem Radiosender zum nächsten erfolgt, indem der eine sanft ausklingt bevor der nächste eingeblendet wird. Kleinigkeiten, die das Herz erfreuen und die zeigen, was Audi unter Premiumanspruch versteht.
Was das Herz begehtIn der zweiten Reihe reist es sich fast so bequem wie vorne. Bein- und Kopffreiheit ist reichlich vorhanden. Auf dem Mitteltunnel befinden sich regulierbare Luftdüsen für die Klimaanlage. Und im Dunkeln schimmert der Fußraum dezent beleuchtet. Dafür sorgt das Lichtpaket (241 Euro). Für die große Fahrt gibt es einen großen Kofferraum: 546 Liter fasst die quaderförmige Höhle. Unpraktisch sind allerdings die hohe Ladekante und die recht kleine Ladeöffnung. Für lange Gegenstände gibt es eine Durchladeinrichtung in der hinteren Mittelarmlehne - gegen Aufpreis (155 Euro) natürlich. Insgesamt summieren sich die optionalen Annehmlichkeiten auf gut zehntausend Euro. Neben Selbstverständlichkeiten stehen durchaus empfehlenswerte Extras auf der Liste. Ganz wichtig: die akustische und optische Einparkhilfe (560 Euro), mit der sich der lange Ingolstädter auf den Zentimeter genau in Parklücken bugsieren lässt. Bewährt hat sich auch das adaptive Xenon-Abblendlicht, das bei Nacht dem Kurvenverlauf folgt und für eine enorm verbesserte Sicht sorgt. Wer es einmal gefahren ist, möchte es nicht mehr missen. Aber das gilt eigentlich für das ganze Fahrzeug. Nur Tankstellenbesitzer dürften den Testwagen sicherlich kritischer bewerten.
Fazit: Der Audi A6 2.7 TDI besitzt einen faszinierenden Motor: leise, bullig und sparsam. Mehr Diesel braucht kein Mensch. Wenn nur die lange Aufpreisliste nicht wäre, könnte man den gebotenen Luxus noch viel unbeschwerter genießen.
mototype.de, Holger Schilp
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