Honda FR-V Diesel: Dickes Ding auf Sparkurs

Sechs Sitze in zwei Reihen und ein sparsamer Turbodiesel. Das könnte Familien interessieren. Der Honda FR-V i-CDTi startet bei 24.350 Euro.

Zweimal drei

Kompaktvans mit sieben Sitzen haben den Nachteil, dass der Kofferraum bei voller Beladung auf Sporttaschenformat zusammenschrumpft. Das Ladevolumen des Honda FR-V liegt mit einer halben Fußballmannschaft an Bord immer noch auf dem Niveau einer Mittelklasselimousine (435 Liter). Ein echter Vorteil, wenn sich sechs Plätze auf zwei Reihen verteilen. Weil es mit drei Mannsbildern in einer Reihe für die Schultern eng wird, ist der Sechssitzer jedoch eher etwas für die Familie mit Kindern.

Kräftig sparen

Zum Image des Familienfreundes passt auch der Vierzylinder-Turbodiesel: kräftig, sparsam und sehr kultiviert. Im Laufe der Testfahrt produzierte die Tatsache, dass unter der spitz zulaufenden Haube ein Diesel sitzt, mehrfach ungläubiges Erstaunen. Das 2,2-Liter-Triebwerk geht mit seinen 140 PS (103 kW) nämlich sehr kultiviert zur Sache. Erst jenseits von Tacho 160 wird es spürbar lauter. Maximal sind 190 km/h Spitze möglich, der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 gelingt in 10,2 Sekunden. Über zwei Wochen Testbetrieb pendelten sich die Verbrauchswerte bei sieben bis acht Liter ein. Nur wer Kontakt mit dem Bodenblech sucht, muss deutlich über zehn Liter einkalkulieren. Angesichts der flotten Fahrleistungen ist das aber noch o.k. Als Manko bleibt nur der fehlende Rußpartikelfilter. Das wird sich erst im nächsten Jahr ändern. Dann soll es auch eine Nachrüstlösung für schon zugelassene Fahrzeuge geben.

Knackiger Van

Zur Bedienung des Sechsganggetriebes ragt der Schalthebel aus einer Halbkugel im Armaturenbrett. Direkt darunter sitzt der Handbremshebel. Mit dieser Anordnung wurde der dritte Sitzplatz erst möglich. Der kurze Schaltstummel lässt sich locker aus dem Handgelenk heraus handhaben. Fast schon schade, dass 340 Newtonmeter Drehmoment so manchen Gangwechsel überflüssig machen. Kraft ist über einen breiten Drehzahlbereich vorhanden. In Verbindung mit dem kleinen Wendekreis und dem kräftigen Turbodiesel wirkt der FR-V agil und leichtfüßig. Die respektable Fahrzeugbreite von über 1,81 m ist schon nach wenigen Kilometern vergessen. Erst in winkligen Altstadtgassen oder im engen Parkhaus wird deutlich, wie breit sich dieser Honda macht. Wird es knapp, lassen sich die Außenspiegel per Knopfdruck einklappen. Auf Kopfsteinpflaster spielt die weiche Dämpfung ihre Trümpfe aus. Kurze, harte Schläge mag das Fahrwerk dagegen weniger. Poltern und gelegentliches Stoßen sind die Folge. Spontane Ausweichmanöver oder zu schnell angegangene Kurven auf der Landstraße werden unproblematisch gemeistert, wenn auch mit spürbarer Seitenneigung. Das automatische Stabilitätsprogramm (VSC) kommt nur zum Einsatz, wenn Väterchen Leichtsinn am Lederlenkrad dreht. Bei einem Crash wird der mittlere Passagier vorne von einem extra großen Beifahrerairbag geschützt. Seiten- und Windowairbags komplettieren das Sicherheitspaket.

Kantiger Klotz

Die Designer schneiderten dem 4,28 Meter langen FR-V eine voluminöse Keilform, die am Heck in einen kantigen Kasten mündet. Praktisch, aber sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Doch in punkto Variabilität ist der Honda ein ganz Großer. In der Mitte vorne, das ist im Alltag der Lieblingsplatz von Kindern: Zwischen Mama und Papa im Kindersitz, mit einer ungestörten Sicht durch die Windschutzscheibe. Um einige zusätzliche Zentimeter Bewegungsfreiheit zu gewinnen, lässt sich der Sitz etwas nach hinten Schieben. Sitzen vorne nur zwei, ergibt die nach vorn geklappte mittlere Rückenlehne eine prima Armstütze. Darunter verbirgt sich ein vor neugierigen Blicken geschütztes Geheimfach. Im Fond lassen sich die Rückenlehnen mit einem Griff flach legen, sodass eine ebene Ladefläche (1.600 Liter) entsteht. Zudem kann der mittlere Sitz zugunsten einer größeren Beinfreiheit nach hinten gerückt werden. Entsprechend ist auch die flexible Gepäckraumabdeckung dreigeteilt. Polster und Türverkleidungen sind mit einem angenehm samtigen Stoff bezogen, der sich leicht von Krümeln, Hundehaaren und Schokoladenflecken reinigen lässt. Das freut die Eltern genauso wie die silbernen Zierelemente im Innenraum. Praktisch sind auch die zahlreichen Ablagen. In den Türen, unter dem mittleren Sitz und in Fächern des Armaturenbretts verschwindet allerlei Kleinkram.

Fazit: Der Honda FR-V i-CDTi ist nicht nur ein dufter Kumpel für den familiären Kurzstreckenverkehr sondern auch ein prima Langstreckenfahrzeug. Komfort, Fahrleistungen und Verbrauchswerte stimmen jedenfalls.

mototype.de, Holger Schilp

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