Hyundai Grandeur 3.3 V6: Komfortabler Schritt in die Zukunft
Das Ziel steht: Bis zum Jahr 2010 will Hyundai zu den fünf größten Automobilherstellern weltweit gehören. Entsprechend wird die Modellpalette konsequent erneuert. Jetzt drängt in Deutschland die Oberklasselimousine Grandeur auf den Markt.
Auf dem Weg nach obenMit dem Vorgänger XG 350 konnte Hyundai in Deutschland keinen Blumentopf gewinnen. In den USA wurden dagegen bis zu 80.000 Stück pro Jahr abgesetzt. Dass der neue Grandeur Hyundai im Luxussegement ganz nach oben spült, erwartet auch Karl-Heinz-Engels nicht. Der Geschäftsführer von Hyundai Deutschland sieht das Fahrzeug vor allem "als Imageträger", von strategischer Bedeutung.
Nicht nur für Promis"Wer Grandeur fährt, weiß, was er hat - und kann auf den ganz großen Auftritt verzichten", beschreibt Engels die Zielgruppe, die sonst vielleicht Peugeot 607, Citroen C6 oder einen
Chrysler 300C fährt. Die Kundschaft darf sich bei Hyundai zum Preis von 36.450 Euro auf ein Fahrzeug freuen, das üppig ausgestattet ist: Leder, Navigationssystem, Automatikgetriebe und 235 PS (173 kW) aus sechs Zylindern sind serienmäßig. Von vorne erinnert der Grandeur etwas an den gerade abgelösten VW Passat. Hinten gönnt sich der Koreaner mit ausgestellten Kotflügeln und dem aufgesetzten Kofferraumdeckel eine Prise Extravaganz, die aus manchem Blickwinkel an den Maybach erinnert. 600 Fahrzeuge sollen im kommenden Jahr einen Käufer finden. Vielleicht werden es auch mehr, denn der Grandeur wird sich bei der Fußball Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland medienwirksam in Szene setzen: Die 4,90 Meter lange Limousine ist das offizielle VIP-Shuttle für Beckenbauer, Ballack und Co.
Raum zum entspannenAuf die Promis wartet ein wirklich geräumiger Innenraum, der sich mit viel Leder und etwas Holz durchaus nobel präsentiert. Im Gegensatz zum bisherigen Asien-Barock wirkt das Interieur europäisch modern. Besonders gelungen ist eine schmale Holzleiste im Armaturenbrett, die von einem feinen Chromstreifen flankiert wird. Sie verbindet optisch beide Seiten des 1,85 breiten Fahrzeugs. Wie es sich für einen Chauffeurswagen gehört, gibt es im Fond genügend Platz, um bequem die Beine übereinander zu schlagen. Im Heck setzt sich das üppige Raumangebot fort: 523 Liter Kofferraum. Zudem lässt sich die Lehne der Rückbank geteilt umklappen.
Hauptsache sicher Wer in die Oberklasse will, darf bei der Sicherheit nicht patzen. Acht Airbags - erstmals gibt es Seitenairbags auch im Fond - und aktive Kopfstützen sind serienmäßig. Um nichts dem Zufall zu überlassen, wurden für die Entwicklung des Grandeur 300 Prototypen gecrasht. Beim Blick auf die Ausstattungsliste verwundert allerdings, dass in Deutschland kein Xenon-Licht angeboten wird. Zumal es ab Werk verfügbar ist. Gemäß der Firmenphilosophie komplett ausgestattete Fahrzeuge anzubieten, finden sich auf der Optionsliste nur ein Schiebedach (900 Euro) und die Metalliclackierung (645 Euro).
Auf Komfort getrimmtOhne Aufpreis gibt es die elektrische Memory-Verstellung für den Fahrersitz. Auch das Lederlenkrad mit Holzeinlagen kann elektrisch justiert werden. Beim Einlegen des Rückwärtsgangs fährt die Heckjalousie automatisch herunter und die Außenspiegel stellen sich so ein, dass die Bordsteinkante im Blickfeld liegt. Das schont die serienmäßigen 17-Zoll-Alufelgen. Beim Bemühen dem Fahrer möglichst viel Komfort zu bieten, sind die Techniker bei der Lenkung und dem Fahrwerk allerdings etwas über das Ziel hinausgeschossen. Man fühlt sich am leichtgängigen Volant von der Straße entkoppelt. In zu schnell angegangenen Kurven greift das Stabilitätssystem ESP früh und rigoros ein. Insgesamt ist der Grandeur eher ein Gleiter als ein Kurvenräuber. Daher stört es auch nicht, dass die bequemen Vordersessel dem Rücken kaum Seitenhalt bieten.
Fahre sanftAuch vom Antrieb bekommen die Passagiere nur wenig mit. Das 3,3-Liter-V6-Triebwerk summt kaum hörbar und die Automatik schaltet weich wie Samt und Seide. Selbst beim Kickdown ist keinerlei Schaltruck zu spüren. Der Sprint von null auf 100 Sachen gelingt in 7,8 Sekunden. Bei Bedarf gleitet der Wagen mit bis zu 237 Stundenkilometer über die Autobahn. Dann klingt das Aggregat allerdings etwas rauer. Und es rauschen deutlich über 15 Liter Normalbenzin durch die Einspritzdüsen. Mit etwas Zurückhaltung reichen zehn bis zwölf Liter. Als sparsame Alternative hat Hyundai für das kommende Jahr einen 2,2-Liter-Turbodiesel mit vier Zylindern und 150 PS (110 kW) angekündigt.
Fazit: Der Hyundai ist ein Fahrzeug für entspannte Genießer, die den Komfort des Sechszylinders und einer luxuriösen Komfortausstattung zuschätzen wissen. Und die dafür kein Vermögen investieren wollen.
mototype.de, Holger Schilp
Weitere Fotos