Nissan 350Z: Für gut gelaunte Quertreiber
Fenster auf, auch wenn es kalt ist. Denn dann ist das Konzert der mächtigen Doppelrohrauspuffanlage am brillantesten. Die 280 PS des japanischen Donnerkeils massieren das Trommelfell. Viel Spaß dabei.
Energie und Emotion in BlechDas Design des 350Z verspricht Kraft pur. Zur bulligen Front gesellen sich weit ausgestellte Kotflügel. Muskelberge wie die eines Bodybuilders. Rautenförmige Rückleuchten schneiden tief ins pralle Heck. Über den keilförmigen Korpus erhebt sich zaghaft und filigran die Fahrerkabine. Mit schmalen Dachpfosten und winzigen Seitenscheiben, die wirken als wollten sie dem Fahrtwind möglichst wenig Widerstand entgegen setzen.
Für Technik-GenießerGeduckt wie ein Raubtier, zum Sprung bereit, schleicht der Sportler durch den Großstadtdschungel. Wenn die tief stehende Herbstsonne mit dem golden schimmernden Blech spielt, ist die Show perfekt. Fast magisch zieht der Testwagen neugierige und bewundernde Blicke an. Und wer ihn nicht sieht, hört ihn. Mit tief kehligem Grummeln, in das sich heißer die Sehnsucht nach kurvigen Landstraßen mischt, erwacht der V6. 3,5-Liter Hubraum als Resonanzkörper. Häuserschluchten, Brückenunterführungen und die Tunnel der Stadtautobahn sind dafür die perfekten Konzertsäle. Die zwei armdicken Auspuffrohre jubilieren bei jedem Gasstoß wie die Posaunen von Jericho. Ist das Tempo begrenzt, bietet die Sechsgangschaltung Möglichkeiten, das Drehzahlniveau nach Wunsch zu modulieren.
Hart, ehrlich und direktKupplung und Getriebe arbeiten mit metallischem Klang. Nicht irritieren lassen, das gehört so. Für die Bedienung braucht der Sportler einen festen Tritt und eine starke Hand. Alles funktioniert präzise aber deutlich schwergängiger als man es von sportlich aufgemotzten Limousinen kennt. Dennoch folgt der "Z" willig und spontan den Anweisungen des Piloten. Damit der sich voll auf seinen Job konzentrieren kann, ist der Fahrersitz eine Spur enger geschnitten als der Beifahrerplatz. Schultern, Rücken und Schenkel sind gut aufgehoben. Das Auge freut sich über das Alezean-Orange-Leder - Lenkrad, Sitze, der kurzen Schaltknüppel und der Handbremshebel sind damit geschmückt. Zwischen den Rückenlehnen und dem 235 Liter großen Kofferraum versperrt eine mächtige Querstrebe den Durchgang. Sie gibt der Karosserie die nötige Steifigkeit. Und so zeigt sich der Wagen unbeeindruckt, auch wenn die geschmiedeten, extra-leichten 18-Zoll-Felgen über böses Pflaster rumpeln. Der Komfort fällt unter die Kategorie "hart, aber herzlich".
Wenn er losgelassenBeim vollen Antritt schnappen 280 PS (206 kW) in 5,9 Sekunden nach der Tempo-100-Marke. Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, der gelbe Zeiger des Drehzahlmessers klettert immer wieder mit unermüdlichem Eifer die Skala empor. Erst bei 220 km/h lässt der Vortrieb nach. Mit etwas Anlauf sind schließlich 250 Stundenkilometer drin. Deutlich mehr Vergnügen als die stupide Tempobolzerei auf der linken Spur verspricht der Ausflug auf kurviges Geläuf. Die messerscharfe Lenkung zirkelt den 1,6-Tonner präzise durch engste Kurvenradien. Mit ausgeschaltetem Stabilitätsprogramm lässt sich der 350Z - besonders auf nasser Fahrbahn - auch mit dem Gasfuß dirigieren. Maximal 363 Newtonmeter Drehmoment überlisten mit Leichtigkeit die Haftgrenze der Hinterräder. Es geht mit keck ausgestelltem Heck um die Ecke. Giftige Reaktionen sind dank der ausgeglichenen Gewichtsverteilung nicht zu befürchten. Etwas Lenkeinschlag zurückgenommen, schon ist der Flitzer wieder auf Kurs. Mit aktiviertem Stabilitätsprogramm geht es unspektakulärer zur Sache, ohne dass der Fahrspaß wesentlich darunter leidet.
Fahren und zahlenSportwagen sind direkt in ihren Reaktionen, sie fordern ohne zu überfordern. Doch das Erlebnis ist nicht nur von der Geschwindigkeit abhängig. Im Stadtverkehr ist der Sportler aus Stahl, Aluminium und Kunststoff genauso präsent wie bei Vollgas auf der Autobahn. In diesem Sinne bietet der Nissan 350Z Fahrspaß pur. Erwartungsgemäß ist der nicht umsonst zu bekommen. Mit mindestens zwölf Litern genehmigt sich der Testwagen einen ordentlichen Schluck aus der Pulle. Und auch die Versicherungseinstufungen (HP 19/ TK 29/ VK 26) verderben die Kostenbilanz. Dafür entschädigt der Anschaffungspreis von 37.300 Euro reichlich. Beim Topmodell Premium Pack 3.5 ist sogar die Lederausstattung und das 240-Watt-Soundsystem von Bose inklusive. Im Vergleich zu Konkurrenten wie dem
Porsche Cayman, Mercedes C-Klasse Coupé oder Audi TT quattro ist der Nissan ein echtes Schnäppchen.
Fazit: Der Nissan 350Z ist ein echter Sportler: schnell, direkt und immer mit Fairplay. Wer auf Machos steht, sollte schnellstens eine Probefahrt wagen.
mototype.de, Holger Schilp
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