Peugeot 1007 Sport 90: Kleiner Eroberer

Kurz, hoch, breit und mit elektrischen Schiebetüren ausgestattet. Der Peugeot 1007 passt in kein Schema. Mit dem neuen 1,4-Liter-Benziner ist die Motorenfamilie komplett.

Pionier in der kleinen Klasse

Peugeot hat mit dem 1007 Mut bewiesen. Ein 3,73 Meter kurzer Kleinwagen mit variablem Innenraum, erhöhter Sitzposition und zwei Schiebetüren, die in engen Parklücken per Knopfdruck Platz sparend zur Seite fahren - das gab es noch nie. Doch die Pionierleistung wird vom Markt noch nicht honoriert. International kommt der Microvan nur langsam in Schwung, die Produktionsplanung wurde für das kommende Jahr von 130.000 auf 80.000 Fahrzeuge gesenkt. "Das Fahrzeugkonzept ist so neu, dass es ein bis zwei Jahre dauern kann, ehe der 1007 richtig im Markt angekommen ist", wagt Unternehmenssprecher Gordian Heindrichs eine Prognose. Peugeot erwartet, das bald weitere Hersteller vergleichbare Fahrzeuge präsentieren werden.

Im Laufe der Zeit

Speziell in Südeuropa sind Kleinwagenpreise von 14.000 Euro und mehr eine hohe Hürde. Die Deutschen haben damit weniger Probleme, wie der Erfolg des Schickimicki-Flitzers Mini zeigt. Sie greifen deshalb auch beim 1007 gerne zu - bevorzugt zum Topmodell Prémium 110, das mindestens 16.150 Euro kostet. Dieselfahrer wählen den HDi 70 mit 68 PS (50 kW), der ab 15.050 Euro angeboten wird. Der typische 1007-Kunde ist männlich, über 40 Jahre alt und er verfügt über ein hohes Einkommen. Marktforschung hat ergeben, dass fast jeder zweite 1007 als Hauptfahrzeug genutzt wird. Das Klischee vom Kindergartentaxi oder der rollenden Damenhandtasche trifft demnach auf den kleinen Franzosen nicht zu. Noch wichtiger: der Microvan erschließt für die Löwenmarke neue Kundenkreise. 70 Prozent der Kundschaft bewegte zuvor ein anderes Fabrikat - bis zum Audi- oder Mercedesfahrer ist alles dabei. Verständlich also, dass Peugeot mit dem kleinen Van viel Geduld hat.

Goldene Mitte

Neuheiten beleben das Geschäft. Das könnte besonders für den neuen 1,4-Liter-Sechzehnventilmotor gelten, der als Filou 90 ab 14.150 Euro im Angebot ist. Mit 88 PS (65 kW) schließt er die Lücke zum Topmodell mit 109 PS (80 kW), das ausschließlich mit dem automatisierten Schaltgetriebe 2-Tronic geliefert wird. Und der neue Motor wird der aggressiv-dynamischen Optik mit dem weit aufgerissenen Löwenmaul entschieden besser gerecht als der antrittsschwache Basismotor mit 73 PS (54 kW). Für erste Fahreindrücke stand die Ausstattungsvariante Sport 90 zur Verfügung. Alu-Zierrat, Leder für Lenkrad und Schalthebel, ein Kühlergrill im Wabendesign, 16-Zoll-Alufelgen, Bordcomputer und die Klimaanlage treiben den Preis auf 15.850 Euro. Besonders gut steht ihm die üppige 195er-Bereifung, die zudem für eine satte Straßenlage sorgt. Ungeachtet der hohen Sitzposition, geht der Microvan wieselflink um die Ecken. Lenkung und Schaltung arbeiten leichtgängig aber verbindlich. Die Federung ist straff, grobe Straßenschäden werden dennoch gut herausgefiltert. Auch die Sportsitze verdienen Lob.

Lebendiges Kerlchen

Der 1,4-Liter-Motor zeigt sich drehfreudig. Dank 133 Newtonmeter Drehmoment, die schon bei 3.250 anliegen, hängt der der kleine Van auch am Berg noch gut am Gas. Von null auf 100 Stundenkilometer geht es in 13,6 Sekunden, auch die Höchstgeschwindigkeit von 173 km/h ist alltagstauglich. Im Schnitt genügen laut Peugeot 6,4 Liter Super. Zur Sicherheit gibt es das Stabilitätsprogramm ESP serienmäßig. Die Elektronik versteht Spaß und greift nur ein, wenn es der Fahrer wirklich übertreibt. Im Notfall hält der 1007 was sein Name verspricht - mit Knieairbag für den Fahrer, vier Airbags vorne und beidseitigen Vorhangairbags sind insgesamt sieben der aufblasbaren Retter an Bord. Beim Euro NCAP-Crashtest heimste der Franzose bereits die Bestmarke von fünf Sternen ein.

Drin und dran

Trotz der Modellbezeichnung "Sport": Was zählt, sind die praktischen Talente. Und davon hat der 1007 reichlich. Kindern ist der Zugang zu den beiden hinteren Einzelsitzen möglich, ohne dass man das vordere Gestühl dazu umklappen müsste. Vorne ist der Raumeindruck durch das hohe Dach, die mit 1,68 Zentimetern recht breite Karosserie und die weit nach vorne gerückte Windschutzscheibe luftig. Kleinwagen fühlen sich anders an. Das liegt auch an der klapperfreien Verarbeitung. Nicht ins Bild passen da teils lässig eingefügte Kunststoffverkleidungen. Kritik begegnet der 1007 mit Pfiff, er zeigt uns sein mit wenigen Handgriffen auswechselbares Caméléo-Kit: Blenden der Lüftungsdüsen, die Armaturenbrett-, Tür- und Armlehnenabdeckungen sowie die Mittelbahnen der Sitze lassen sich mit wenigen Handgriffen gegen ein andersfarbiges Set austauschen, das Peugeot für 251 Euro im Angebot hat. Dass der Microvan eben doch ein Kleinwagen ist, zeigt der Kofferraum: 178 Liter, die sich auf bis zu 1.048 Liter erweitern lassen. Zudem muss das Gepäck über eine hohe Ladekante gewuchtet werden. Praktisch ist dagegen, dass die hinteren Sitze längs verschiebbar sind - das ergibt entweder mehr Platz für die Beine oder das Gepäck.

Fazit: Außen klein, innen groß. Der Peugeot 1007 ragt nicht nur durch seine hohe Karosserie aus dem übrigen Angebot heraus. Er ist ein Fall für Individualisten mit ausgeprägtem Sinn fürs Praktische. Der neue 1,4-Liter-Motor ist dazu die richtige Wahl.

mototype.de, Holger Schilp

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