Hyundai Terracan: Meister der alten Schule
Geländewagen heißen heute SUV. Oft sind das modische Typen, die sich nicht gerne die Finger schmutzig machen. Der Terracan ist anders: Mit kantiger Karosserie und robuster Allradtechnik vertritt er die klassischen Offroad-Tugenden.
Drei für alle FälleHyundai deckt mit den Allradmodellen Tucson, Santa Fe und Terracan die ganze Palette vom pkw-ähnlichen SUV bis zum klassischen Geländewagen ab. So darf sich der Terracan ungeniert als echtes Arbeitstier profilieren, das mit 750 Liter Kofferraum und 3,5 Tonnen Anhängelast auch für große Aufgaben taugt. Rustikal anmutende Kunststoffplanken rundum sorgen an der ansonsten schnörkellosen Karosserie für einen Hauch von Abenteuer.
Form und FunktionDer 4,70 Meter lange und 1,86 Meter breite Koreaner bietet auf allen fünf Plätzen ein fast schon verschwenderisches Platzangebot. Doch es dominieren zweckmäßig schlichte Kunststoffe. Dafür gibt die Bedienung keine Rätsel auf. Weiß hinterlegte Rundinstrumente informieren ohne optischen Schnickschnack. Schalter und Tasten sind groß dimensioniert und meist griffgünstig platziert. Zudem ist das Interieur solide verarbeitet. Selbst auf Kopfsteinpflaster klappert nichts - auch ein Verdienst der klassischen Rahmenkonstruktion der Karosserie. Im Laufe des zweiwöchigen Tests offenbarten sich immer mehr Kleinigkeiten, die den Alltag erleichtern. So lassen sich die Fußmatten leicht vom Schmutz des letzten Geländeausflugs reinigen. Ablagen, Staufächer und Cupholder finden sich in der Mittelkonsole, der hinteren Armlehne und in der klappbaren Armstütze zwischen den Vordersitzen. Im Kofferraum wird Kleinkram mit einem Gepäcknetz gesichert. Mit umgeklappten Rückbanklehnen entsteht eine gut nutzbare, weil komplett ebene Ladefläche. Der Testwagen - gehobene GLS-Ausstattung (30.990 Euro) - hatte zudem das optionale Leder-Paket (2.050 Euro) an Bord. Neben der Lederpolsterung beinhaltet es Wurzelholzdekor für das Lederlenkrad und die Mittelkonsole sowie Sitzheizung, Tempomat und dunkel getönte Seitenscheiben. Damit macht der Terracan auch vor der Oper eine gute Figur.
Kräftiges HerzHinter dem Wabengitter-Kühlergrill arbeitet ein Vierzylinder-Turbodiesel mit 2,9 Liter Hubraum und 163 PS (120 kW) - leider gibt es für das Triebwerk noch keinen Rußpartikelfilter. Die Kraft kommt aus dem Drehzahlkeller: 345 Newtonmeter Drehmoment drücken bei 1.750 Umdrehungen auf die Kurbelwelle. Von dort geht es via sanft schaltender Viergangautomatik (2.050 Euro) zu den Hinterrädern. Bei Bedarf rennt der Offroader mit bis zu 172 Stundenkilometern über die Autobahn. Dann wummert das Triebwerk allerdings wie ein Schiffsdiesel, die Tankanzeige sinkt rapide und der Wind tost um die Dachpfosten. Tempobolzerei ist für einen kernigen Naturburschen eben nicht die richtige Aufgabe.
Entspanntes ReisenDen Tempomat auf 140 Stundenkilometer programmiert - jetzt wird es gemütlich hinter dem Steuer. Der Körper lümmelt auf dem großen Vordersitz, die Fahrgeräusche halten sich zurück und Verbrauchswerte um die zehn Liter liefern ebenfalls keinen Grund zur Klage. Einzig Querfugen auf schlecht geflickten Autobahnabschnitten die Behaglichkeit. Sie werden von der Hinterachse nur unzureichend gedämpft an die Passagiere weiter gegeben. Auf kurvigen Landstraßen agiert der 2,2-Tonner behäbig aber unspektakulär, das Einlenkverhalten lässt keinerlei sportliche Ambitionen aufkommen. Deshalb lässt es sich auch gut mit den glatten Ledersitzen leben, die kaum Seitenhalt bieten. Wer den gemütlichen Charakter respektiert, dürfte auch kaum mit Situationen konfrontiert werden, in denen das fehlende Stabilitätsprogramm ESP vermisst wird.
Durch dick und dünnNormalerweise ist der Terracan mit Heckantrieb unterwegs. Die Vorderachse lässt sich bis zu einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern per Knopfdruck zuschalten. Weil es kein Mitteldifferenzial gibt, sollte dies aber nur bei extremer Nässe oder auf rutschigem Grund geschehen. Sonst verspannt sich der Antriebsstrang in engen Kurven spürbar. Mehr als 20 Zentimeter Bodenfreiheit und das teilweise sperrende Hinterachsdifferenzial bringen den Koreaner - selbst auf ausgewaschenen Feldwegen - auch mit Heckantrieb recht weit. Unter extremen Bedingungen hilft die elektrisch zuschaltbare Getriebeuntersetzung weiter. Um die Grenzen der Technik zu erfahren, braucht es neben einem geeigneten Gelände schon etwas Mut. Bis zu 50 Zentimeter tiefe Wasserdurchfahrten sind möglich. Im zähen Schlamm setzt sich das Profil der
Winterreifen allerdings schnell dicht. Es fehlt dann auch mit Allradtechnik an Traktion. Wer häufig offroad unterwegs ist, sollte deshalb in spezielle Geländebereifung investieren. Um einen Pferdeanhänger von der nassen Wiese zu ziehen, reicht das serienmäßige Talent jedoch allemal.
Fazit: Im zweiwöchigen Praxistest wurde der Terracan 2.9 CRDi GLS oft und gerne als entspanntes Langstreckenfahrzeug eingesetzt. Solide Allradtechnik, viel Platz und erfreulichen Reisekomfort präsentiert der Koreaner zum fairen Preis.
(01/06) mototype.de, Holger Schilp
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