Porsche Cayman S: Auf die Schnelle
Autohersteller nutzen oftmals Coupés als Basis für ihre Cabrios.
Porsche geht den umgekehrten Weg. Aus dem Boxster s wurde der Cayman S. Für 58.529 Euro gibt es ein echt bissiges Reptil.
Das ZwischendingGenau genommen ist der Cayman eine Mischung aus Boxster und 911 Carrera. Die technische Basis stammt vom Mittelmotor-Roadster, verfeinert wurde sie mit Zutaten aus dem 911-Baukasten: Zylinderkopf und die VarioCam Plus-Ventilsteuerung stellt beispielsweise der große Bruder. Damit stehen dem Cayman S 3,4 Liter Hubraum und 295 PS zur Verfügung. Auch die Optik ist gelungen: Tief angesetzte Frontscheibe, ein stark gewölbtes Dach und kraftstrotzend schwellende Kotflügel - der Cayman tritt als durchtrainierter Athlet vor das Publikum. Clou des Karosseriekonzepts ist jedoch die Heckklappe. Sie ermöglicht eine für Porsche-Coupé-Fans bislang unbekannte Variabilität. Insgesamt stehen 410 Liter Kofferraum zur Verfügung: 260 Liter im Heck und 150 Liter im Bug. Das macht den Zuffenhausener zwar noch nicht zum Familientransporter, doch Golf- oder Tauchausrüstungen stellen den Zweisitzer nun vor keine Probleme mehr.
Ein echtes GeschossMit Dach über dem Kopf ist der Cayman doppelt so verwindungssteif wie der Boxster. Das ermöglicht ein messerscharfes Handling. Wie ein chirurgisches Präzisionsinstrument schneidet das Mittelmotorcoupé durch die Landschaft; von ruhiger Hand an einer direkten Lenkung geführt. Das elektronische Stabilitätsprogramm, das bei Porsche PSM heißt, lässt dem Piloten viel Spielraum, bevor es schließlich mäßigend eingreift. Obwohl der Cayman straffer abgestimmt wurde als der Boxster, bietet das Coupé angenehmen Federungskomfort. Bandscheibenschäden muss niemand befürchten. Wie es sich für einen Porsche gehört, geht der Sechszylinder-Boxermotor richtig zur Sache: 5,4 Sekunden dauert der Sprint von null auf 100 km/h, nach 11,7 Sekunden ist Tempo 160 erreicht. Höchstgeschwindigkeit: 275 Stundenkilometer. Gangwechsel sind mit der präzisen Sechsgangschaltung ein Vergnügen. Optional ist eine Tiptronic-Automatik im Angebot, unter der die Fahrleistungen kaum zu leiden haben.
Scharf gemachtDas aus dem 911 bekannte Sportpaket Chrono (optional) stimmt auf Knopfdruck Fahrwerk und Motorsteuerung noch bissiger ab. Damit schafft der Cayman S die Nordschleife des Nürburgrings in acht Minuten und 17 Sekunden. Ein 911-er ist kaum schneller. Ohne Sport-Chrono-Programm dauert es drei Sekunden länger. Die Bezeichnung Chrono leitet sich von dem ins Armaturenbrett integrierten Chronometer ab, der via Bedienhebel des Bordcomputers als Messinstrument für sportlich ambitionierte Fahrer dient. Die werden besonders am Triebwerk ihre helle Freude haben. Je nach Drehzahl röchelt, bellt oder kreischt der Sechszylinder im Rücken, dass es eine Freude ist. Wie beim 911 Carrera greift der Begrenzer erst bei 7.300 Umdrehungen ein. Das maximale Drehmoment von 340 Newtonmetern steht über einen weiten Bereich zwischen 4.400 und 6.000 Umdrehungen bereit. Ein Verdienst aufwändigen VarioCam Plus-Motorsteuerung. Nockenwelle und Ventilhub lassen sich kontinuierlich dem jeweiligen Leistungsbedarf anpassen. Leerlauf, Teil- und Volllastbetrieb werden so optimiert. Deswegen erhöht sich der Normverbrauch trotz der im Vergleich zum Boxster S um 15 Pferdestärken auf 295 PS gestiegenen Leistung nur wenig: um 0,2 auf durchschnittlich 10,6 Liter. Zudem erfüllt der Motor nicht nur die Euro-4-Norm, er unterschreitet auch die wesentlich strengeren US-Grenzwerte.
Fazit: Operation gelungen. Der Cayman S ist die neu Einstiegsdroge in die Welt der Porsche Coupés. Und er könnte dem 911 Carrera das Leben schwer machen. Denn außer einem legendären Image spricht im direkten Vergleich nur wenig für den großen Bruder.
mototype.de, Holger Schilp
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