Skoda steuert ins Stauraum-Segment: Der Roomster im Test

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Prag, 6. Juni 2006 – Mut zur Lücke – ein Prinzip, das Journalisten zu lesbaren Texten verhelfen kann, umschreibt bei Autoherstellern hingegen das Streben nach Einzigartigkeit. Der hohe Konkurrenzdruck zwingt nämlich die Autobauer zu immer neuen, außergewöhnlichen Modellen. Ein junger Versuch, sich durch Andersartigkeit zu inszenieren, ist der neue Roomster von Skoda. Auf den ersten Blick sortiert man die vierte Baureihe der Tschechen zwar in die Kangoo-Klasse ein. Doch nach Meinung der Skoda-Marketing-Abteilung ist der Roomster vielmehr ein kompaktes Vielzweckauto à la Renault Modus, Ford Focus C-Max oder Opel Meriva. Ob und wie gut er diesem Anspruch gerecht wird, haben wir mit dem 80 PS starken 1,4-Liter-TDI-Motor getestet.

Kreativ verpackt
Obwohl die Roomster-Silhouette vor allem Nutzwert betont, hat man bei Skoda besonderen Wert auf optische Feinheiten gelegt. Auffallend ist das bullige Gesicht mit schicken Dynamik-Akzenten. Die über 4,20 Meter lange Seitenansicht bietet hingegen eine etwas schwer verdauliche, doch interessante Perspektive: Die riesigen hinteren Seitenfenster bilden mit den vorderen keine durchgehende Linie. Auch die Schulterlinie macht ab den Fondtüren einen eigenwilligen Satz nach unten. Pfiffig ist dafür die schwarz lackierte B-Säule mit leicht verstecktem Türgriff. Eigentlich deutet dieses Design auf Schiebetüren hin, doch sind ausschließlich Klapptüren erhältlich. Am vergleichsweise sachlich gestalteten Heck fallen die mächtigen Leuchtsäulen und die große Klappe mit niedriger Ladekante auf. Zugegeben: Der Roomster ist optisch gewöhnungsbedürftig. Doch wer auf unkonventionelle Formen steht, kann sich an dieser Kreativ-Verpackung erfreuen und könnte sich zudem für den besonders pfiffigen Inhalt begeistern.

Variabel und flexibel
Trotz seiner Andersartigkeit bietet der Roomster nämlich das, was bei Autofahrern derzeit sehr beliebt ist: Viel Platz im Innenraum, gepaart mit vielfältiger Nutzbarkeit. Neben Variabilität ist auch ein hohes Maß an Flexibilität angesagt. So lassen sich die hinteren drei Einzelsitze in Länge und die beiden äußeren zudem seitlich verschieben. Der 450-Liter-Kofferraum ist so auf 530 Liter erweiterbar. Die Lehnen der Rücksitze sind außerdem im Neigungswinkel verstell- und umklappbar. Außerdem lassen sich die Sitze einzeln nach vorne wickeln und sogar ausbauen. Mehr als 20 Variationsmöglichkeiten und maximal fast 1,8 Kubikmeter Stauraum sind so möglich. Also doch ein Kleintransporter?

Schöner wohnen
Nicht nur. Zumindest in der von uns getesteten Top-Version Comfort bietet der Innenraum eine edle Anmutung und viel Wohlfühl-Ambiente. Schicke Armaturen, wertige Softoberflächen, ein attraktiver Material-Mix, zahlreiche Ablagen und dazu das gut zur Hand liegende Lenkrad aus dem Octavia – der Roomster gibt sich bemerkenswert wohnlich. Zudem haben die Passagiere reichlich Platz in alle Richtungen. Die zwei vollwertigen und bequemen Fondsitze bieten hohe Kniefreiheit und eine erhöhte Sitzposition. Etwas eingeengt ist jedoch der fünfte Passagier auf dem schmalen Fond-Mittelsitz.

Ein gelungenes Fahrwerk
Neben dem just erwähnten Lenkrad stammt auch die Hinterachse vom Octavia. Diesem Bauteil verdankt der Roomster eine recht breite Spur hinten und damit eine für seine Klasse fast schon souveräne Straßenlage. In schnellen Kurven kann das Stauraumtalent zwar seine dem hohen Aufbau geschuldete Seitenneigung nicht ganz verbergen. Doch im Wesentlichen bewegt der sich Tscheche auf hohem Pkw-Niveau. Eine zielgenaue, direkte Lenkung, das straffe und dennoch komfortable Fahrwerk und ordentlich zupackende ABS-Bremsen sind weitere Zutaten für das gehobene Fahrerlebnis.

Sparsam aber nicht spaßarm
Zum Marktstart im September 2006 wird der Roomster mit drei Diesel- und drei Benzinmotoren antreten. Ein interessanter Antrieb ist der 1,4-Liter-Dreizylinder-TDI mit 80 PS. Er kann sparsam gefahren werden und ist dank seines Drehmoments bisweilen sogar angenehm druckvoll. Im Standgas unten rum noch etwas rau und mau, schiebt er jenseits der 2.000 Touren mit immerhin 195 Newtonmetern recht ordentlich voran. Doch Wunder sind in Sachen Vortrieb nicht drin: Die 1.245 Kilo schwere Fuhre knackt in 14,7 Sekunden die 100 und wird maximal 165 km/h schnell. Mäßige Laufkultur, das kurze Drehzahlband und die etwas schwergängige Fünfgang-Schaltung können nicht ganz begeistern. Dafür liegt der Durchschnittsverbrauch laut Skoda bei 5,1 Litern. Nach rund 300 Kilometern zeigte der Bordcomputer auf unserer Testfahrt 6,6 Liter an. Angesichts der Nebenverbraucher (Klima, Navi, Licht) ein guter Wert. Der Motor ist zudem Euro-4-Fit, einen Partikelfilter gibt es jedoch nur gegen 565 Euro Aufpreis.

Ab 12.990 Euro
Apropos Aufpreis: So ziemlich alles für den Roomster kostet extra. Ab 12.990 Euro gibt es die Basisversion mit dem 1,2-Liter-Benziner und bescheidenen 64 PS. Zur Serienausstattung zählen vier Airbags und das funktionale Sitzsystem. Das wars. Interessant dürfte die Preisgestaltung jenseits der Basisversion werden. Die Varianten Style, Sport oder Comfort können mit deutlich mehr Ausstattung aufwarten. Doch über die genauen Preise will Skoda erst im August 2006 detaillierter informieren. Sicher ist: Es wird eine umfassende Liste an aufpreispflichtigen Extras geben, so dass ein höher motorisierter Roomster mit viel Ausstattung problemlos die 20.000-Euro-Marke reißen wird. Das klingt nicht mehr wirklich günstig, orientiert sich jedoch an dem, was derzeit für vergleichbare Fahrzeuge am Markt gefordert wird. Immerhin ist der Roomster über 4,20 Meter lang. Die deutlich kleineren Mitbewerber Renault Kangoo oder Opel Meriva sind jeweils in den Basisversionen sogar teurer als der Roomster. Und so gesehen ist der Tscheche preislich gut aufgestellt.

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