Ein Fest aus Holz und Leder
Das Schönste an dieser eindrucksvoll gestreckten E-Klasse (denn darauf basiert der CLS) ist aber der Innenraum: Das Raumgefühl ist erbauend: Die tief liegende Armaturentafel mit den wundervoll geschwungenen Holzapplikationen begeistert mich bei jedem Einsteigen erneut. Ich kann gar nicht glauben, dass der mittig platzierte Monitor des Comand-Systems millimetergenau an der gleichen Stelle sitzt wie in der E-Klasse irgendwie sieht doch alles viel großzügiger dimensioniert aus. Und ein Fest aus Holz und Leder findet sich nicht nur an den straff gepolsterten Sitzen, sondern im gesamten Innenraum. Den Mercedes-Ingenieuren ist letztlich ein Meisterstück gelungen, aus der umkarossierten E-Klasse ein derart gediegenes Luxusauto zu zaubern und dank höherer Preise auch noch mit einer höheren Rendite. Sei es dem Konzern vergönnt.
Viel Beinfreiheit
Der Fahrersitz lässt sich von elektrischen Helferlein so weit nach hinten rücken, dass selbst ich mit meinen 1,93 Metern kaum noch an die Pedale komme. Die Massagesitze aus der S-Klasse, die für den CLS nicht lieferbar sind, habe ich aber doch vermisst. Trotz meiner nach hinten verlegten Sitzposition haben Rücksitz-Passagiere noch ausreichend Beinfreiheit und auch für deren Kopf reicht der Raum gerade so, obwohl die Dachlinie hinten stark abfällt. Vier Personen können also stilvoll und bequem reisen, ein fünfter Mitfahrer passt allerdings nicht rein, weil hinten in der Mitte eine dicke, armstützende Konsole eingebaut ist.
510 Newtonmeter Drehmoment
Zur bequemen Reiselimousine wird mein CLS nicht zuletzt wegen seines Dieselmotors, dem Mercedes anlässlich der Überarbeitungen für das Modelljahr 2007 zusätzliche 30 Newtonmeter spendieren wird. Doch auch die 510 Newtonmeter meines Testwagens reichen in allen Fahrsituationen mehr als aus, um souverän voranzukommen. Denn das Drehmoment liegt schon bei 1.800 U/min an und die 224 Pferde ziehen den Luxusliner in sieben Sekunden von null auf hundert. Die Spitzengeschwindigkeit beträgt 246 km/h.
Surren und Grummeln
Dabei surrt die Dieselmaschine immer dezent im Untergrund, außer bei Vollgas, wo ein leichtes Grummeln dazu kommt. Sie läuft deutlich leiser und ruhiger als zum Beispiel der Dreiliter-Diesel im BMW 730d. Ja, der Mercedes-Common-Rail kommt mir soundmäßig fast wie ein Achtzylinder-Benziner vor. Hut ab also vor den Motor- und Soundingenieuren aus Stuttgart es gibt wenig Triebwerke, die so viel Spaß machen. Ein Übriges tut die sanft und geradezu perfekt schaltende Siebengang-Automatik dazu, die im CLS 320 CDI ausschließlich eingebaut wird und den Motor immer im niedrigen Drehzahlbereich hält. Mercedes gibt den Durchschnittsverbrauch mit 7,6 Litern auf 100 km an, die Redaktion hat auf 1.000 km im Schnitt 9,6 Liter gebraucht ein guter Wert angesichts der Fahrleistungen auf Sportwagen-Niveau.
Sportliche-direkte Lenkung
Die Lenkung ist schön direkt, so gar nicht Mercedes-like. Ihr fehlt die Teigigkeit und das mangelnde Rückstellvermögen so manch anderer Modelle aus Stuttgart. Das Fahrwerk ist straff und eine Nummer härter als zum Beispiel das der S-Klasse. Wer also ausschließlich auf Top-Komfort steht, wird mit Letzterer besser bedient sein. Wer es aber in seinem Reisefahrzeug auch sportlich mag und ein wenig Nehmerqualitäten mitbringt, was das härtere Abrollen auf schlechteren Straßen anbelangt, der findet im CLS den idealen Gran Turismo.
Bedienkonzept ohne Controller
Schade, dass der CLS noch nicht den Comand-Controller auf dem Mitteltunnel trägt, mit dem man vollkommen relaxt Radio, CD-Spieler oder die Navigation bedient. Bei ihm muss man sich noch vorbeugen (zumindest, wenn man so weit hinten sitzt wie ich) und eine Menge kleine Drucktasten treffen, was speziell bei schneller Fahrt schwer fällt.
Bei Glätte schlechte Traktion
Was am CLS noch nachteilig ist, soll nicht verschwiegen werden: Um seine Wintertauglichkeit könnte es besser bestellt sein. Auf rutschigem Untergrund lässt er es nämlich an Traktion mangeln und die Kontrollleuchte, die das Eingreifen der elektronischen Regelsysteme ESP (elektronisches Stabilitätsprogramm) und ASR (Antischlupfregelung) signalisiert, kommt mit dem Aufleuchten kaum noch nach. Wohl dem, der sich für den Winter in den Alpengebieten vielleicht noch eine M-Klasse leisten kann.
Nicht gerade billig
Bei einem Vergleich der beiden Gefährte sieht man auch, wie gut sich Mercedes das schicke Design des CLS bezahlen lässt: Der CLS 320 CDI kostet in der Basisausstattung 56.434 Euro, während ein E 320 CDI 47.212 Euro kostet und eine gleich motorisierte M-Klasse immerhin mit Allradantrieb nur mit 48.662 Euro zu Buche schlägt. Mit Bi-Xenon-Scheinwerfern, Distronic-Abstandsregelung, Metalliclack, Volllederpolsterung, Parktronic, Comand-DVD-Navigation, CD-Wechsler, Komfortsitzen samt Heizung kommt man beim CLS aber schon auf zusätzliche 12.000 Euro, sodass mein Traum-CLS mindestens 67.000 Euro kosten würde.
Vergleich mit der M-Klasse?
Und zum Schluss noch die Antwort auf die Frage, warum ich den CLS ausgerechnet mit der M-Klasse vergleiche: Die hat mir mein Freund Makbar von Mercedes natürlich auch empfohlen. Ich warte aber auf den CLS 4Matic mit Allradantrieb.
(ph)
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