Testbericht: Aprilia Tuono 1000 R
Montag August 7
Aprilia Tuono 1000 R - eine nackte "Bella Donna". Wenn die Supersportlerin Aprilia RSV Striptease macht, muss ja eine heiße Nummer dabei herauskommen: Das Naked Bike Aprilia Tuono ist nach gründlicher Überarbeitung im Jahrgang ´06 schärfer denn je und für knapp 11.400 Euro fast schon ein Schnäppchen.
Lange Zeit haben viele Journalisten von der nackten Aprilia als "Thunfisch" geschrieben. Aber warum sollten die Italiener ihr scharfes Eisen nach etwas benennen, das früher oder später in Büchsen und auf der Pizza landet. Aber: Thunfisch heißt auf Italienisch immer noch "Tonneo", und die Aprilia "Tuono" ist passenderweise nach dem "Donner" benannt, denn wie ein Blitz trifft sie die Fans heißblütiger Naked Bikes mitten ins Herz. Merkmale: Das Temperament von 133 PS, das betörende Aussehen einer gestrippten Supersportlerin und das verführerische Organ eines V2.
Was kann schöner sein: Eine rassige Italienerin zieht sich bis auf wenige reizvolle Hüllen aus. Was man vom Herz der Donnergöttin nicht sieht, beflügelt die Phantasie noch mehr. Allerdings: Puristen würden sich bestimmt einen freieren Blick auf das V2-Aggregat wünschen, als ihn die übrig gebliebenen Verkleidungsteile der Tuono gewähren.
Die High-Heels eines Bikes: Doppelte Bananenschwinge mit voll einstellbarem Sachs-Federbein. Das Hinterteil: Versuchung pur. LEDs zwinkern dem Betrachter aufmunternd zu. Achtung: Die Aprilia Tuono ist genauso bissig wie ihre Schwester RSV. Auf radiale Brembos mit vier Einzelbelägen ist Verlass. Ebenso zum Erbgut der sportlichen Familie gehören Power und Drehfreude sowie das am besten abgestimmte Fahrwerk ihrer Klasse.
An einer Stelle lässt die Tuono doch tief blicken: Wie ein Dekolleté trägt sie stolz Alurahmen und perfekte Verarbeitung zur Schau. Das Vorspiel zum Fahren: Die Upside-Down-Gabel von Showa ist voll einstellbar. Ein Bordcomputer verrät alles, was man über die Italienerin so wissen möchte. Perfekte handwerkliche Verarbeitung, reichhaltige Ausstattung und: Sage und schreibe 48 Monate Garantie - Aprilia gibt sich in der finanziellen Obhut des Piaggio-Konzerns äußerst selbstbewusst.
Die schnelle Nummer ist ihre Spezialität, enge Kurven liegen der Aprilia nicht ganz so. Da könnte sie bereitwilliger in die Ecken fallen. Wenigstens stimmen Gasannahme und Lastwechselreaktionen, und über den breiten Lenker hat man sie stets gut im Griff.
Die Daten unterstützen diesen Eindruck: Leistung 133 PS (98 kW), Drehmoment 102 Nm bei 8.750/min, Gewicht vollgetankt 209 kg. Bei Renntempo rast sie unbeirrbar stabil dahin - wie auf Schienen. Hilfreich und serienmäßig: Lenkungsdämpfer und Anti-Hopping-Kupplung. Zwei Ausgleichswellen sorgen für Laufruhe. Ihr maximales Drehmoment entwickelt die Tuono erst bei knapp 9.000 Umdrehungen, einigermaßen wohl fühl sie sich ab 6.000.
Mit 11.398 Euro ist die Tuono deutlich günstiger als vergleichbare nackte Italienerinnen wie Ducati S4RS, Benelli TNT 1130 oder MV Agusta Brutale 910. Eine nackte Schönheit für Vernunft und Emotion - da können Träume wahr werden.
Technische Daten:
Motor-Bauart: Flüssigkeitsgekühlter 2-Zylinder-60 Grad-V-Motor
Hubraum: 998 ccm
Leistung: 98 kW (133 PS) bei 9500/min
Getriebe: 6-Gang
Bremsen: 2 Scheiben, 320 mm / 1 Scheibe, 220 mm
Radgröße: 3.50 x 17; 120/70 ZR 17 v / 6.00 x 17, 190/50 ZR 17 h
Sitzhöhe: 820 mm
Gewicht: 209 kg (vollgetankt)
Tankinhalt: 18 Liter (Reserve: 4 Liter)
Vmax: über 245 km/h
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